Erstellt am 13. Oktober 2015, 05:42

von Heinz Bidner

"Kunden kaufen sich einen guten Schlaf". Vorstand Helmut Bernkopf bemerkt bei Kreditnehmern erstmals den Trend zu fixen, dafür allerdings höheren Zinsen.

 |  NOEN, Bank Austria

„Derzeit gibt es leider noch wenig Investitionstätigkeit“, sagt Helmut Bernkopf, Vorstand der Bank Austria (BA) gegenüber der NÖN. Das Kreditwachstum sei entsprechend schwach. Angesichts der lahmen Konjunktur würde man das Geld lieber auf die Seite legen. „In NÖ fehlen vor allem die Aufträge im Hoch- und Tiefbau“, meint Christian Redl, Leiter des Firmenkundengeschäfts in NÖ und dem Burgenland.

Angesichts der historischen Niedrigzinsphase erkennt Bernkopf einen markanten Trend bei neuen Krediten. „Die Österreicher haben sich immer auf variable Zinsen gestürzt, nur einer von zehn hat früher fixe Zinsen gewählt“, so der Experte: „Mittlerweile sind die Zinsen so niedrig, dass vier von zehn fixe Zinssätze nehmen.“ Bei ausgezeichneter Bonität wären derzeit etwa ein variabler Zinssatz von 1 Prozent und ein fixer Satz von 1,75 Prozent auf zehn Jahre möglich. „Die Kunden kaufen sich damit einen guten Schlaf ein und müssen nicht jeden Tag die Zinsentwicklung mitverfolgen“, meint BA-Finanzierungsspezialist Christian Grüneis.

Besonders stolz ist Franz Weisz, Leiter des BA-Privatkundengeschäfts in NÖ und dem Burgenland, auf das starke erste Halbjahr bei genehmigten Bau- und Wohnfinanzierungen. Sie wären in NÖ gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 70 Prozent auf ein Volumen von rund 120 Millionen Euro gestiegen. Grund wären die starke Nachfrage, raschere Abläufe samt Kreditentscheidungen binnen zwei Tagen und die Möglichkeit, Immobilien-Experten per Videokonferenz zuzuschalten.

Filialrestrukturierung bis 2017 abgeschlossen

Mit dem bundesweiten Filialumbauprogramm will Bernkopf bis 2017 fertig sein. In NÖ erstrahlen bereits Tulln, Mödling, Schwechat und St. Pölten-Traisenpark im neuen Gewand. Die Standorte Krems, Baden und Mödling-Schöffelstadt sollen noch heuer neu eröffnet werden.

Die nahe gelegenen Kleinfilialen Maria Enzersdorf-Südstadt und Wiener Neudorf sollen geschlossen werden – die Kunden sollen dafür von den betroffenen neun Mitarbeitern künftig in den beiden Mödlinger Filialen betreut werden.

Im kommenden Jahr sollen Perchtoldsdorf, Korneuburg, Stockerau und Wiener Neustadt umgebaut werden. Weitere Schließungen unter den insgesamt 32 Filialen in NÖ stehen derzeit nicht auf dem Plan.

Die Mitarbeiterzahl ist in NÖ im ersten Halbjahr von 400 auf 380 (Vollzeitäquivalente) gefallen – „durch natürliche Abgänge und Teilzeitkräfte“, sagt Christian Redl. Das Veranlagungsvolumen ist dabei mit rund 7 Milliarden Euro etwa gleichgeblieben, das Kreditvolumen mit 3,2 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro leicht gestiegen.