Erstellt am 20. Februar 2012, 00:00

Biber nagt an Erträgen. POPULATION EXPLODIERT / Die Forstwirtschaft ärgert sich über das Bibermanagement des Landes und macht jetzt selbst Schadensinventur in NÖ. Insgesamt hat sich der Holzmarkt wieder erholt.

 |  NOEN

VON HEINZ BIDNER

„Die Zahl der Biber ist in den letzten Jahren explodiert. Es gibt sie mittlerweile an praktisch allen Fluss- und Bachläufen in Niederösterreich“, sagt Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich, einer Interessenvertretung von rund 700 großen Forstbetrieben.

Das wirtschaftliche Problem trifft aber auch jeden kleinen Land- und Forstwirt: Wegen der starken Vermehrung wandern die geschützten Tiere immer weiter. „Eine Familie auf drei Kilometern Länge wäre kein Pro-blem. An größeren Flüssen sind es aber Abstände von 500 bis 700 Metern“, meint Montecuccoli.

Die angerichteten Schäden wären vielfältig: Einerseits werden in einem etwa 50 Meter breiten Band auf jeder Seite des Gewässers Bäume an- und umgenagt, was eine Bewirtschaftung und Anpflanzung in diesem Bereich zunichte macht. Gerade Weidenauen wären mittlerweile massiv gefährdet. „Der Biber hat seine Berechtigung, aber das muss alles nachhaltig sein“, erklärt Montecuccoli. Er schätzt den entstehenden Schaden aus eigener Erfahrung auf etwa 200 Euro pro betroffenem Hektar und Jahr. Unter anderem bedienen sich die Pflanzenfresser auch bei Ackerfrüchten. Abgenagte Treibhölzer verlegen zudem oft die Turbinengitter von Kleinwasserkraftwerken.

Laut Bibermanagement des Landes NÖ, das im Jahr 2002 wegen des hohen Konfliktpotenzials ins Leben gerufen wurde, lag die Biberpopulation in NÖ 2010 bei geschätzten 2700 Exemplaren. Aktuellere Zahlen zum Vorjahr sollen in einigen Wochen vorliegen, heißt es dort. Pro Jahr würden 100 bis 130 gemeldete Fälle bearbeitet – ein Fünftel mit der Konsequenz des Abfangs bzw. der Tötung der Tiere. Eine Schadenssumme kann man nicht nennen.

Bei den Land&Forst Betrieben Österreich hält man die Zahlen des Landes für deutlich untertrieben. Generell übt Montecuccoli Kritik an dieser Einrichtung. Es fehle ein echtes Management zur explodierenden Biberpopulation. Die Interessenvertretung hat daher eine eigene Schadensbegutachtung auf die Beine gestellt, die nun im Land unterwegs ist. In einigen Wochen sollen Ergebnisse vorliegen.

Holzwirtschaft verbucht  Rekord-Erntejahr 2011
Trotz der kleinen Nager verlief das letzte Jahr in der Forstwirtschaft überwiegend positiv. Bundesweit wurden über 20 Millionen Festmeter Holz geerntet – etwa ein Fünftel davon in NÖ. Wenn man von den Sturmkatastrophenjahren 2007 und 2008 absieht, wo zwangsläufig mehr Holz geschnitten werden musste und in der Folge ein Preisverfall ausgelöst wurde, war 2011 ein historisches Rekordjahr.

Erholt haben sich die Preise bei Nadelholz. So lag der Preis pro Festmeter Nadelsägerundholz im Schnitt bei 94 Euro – nach 72 Euro im Jahr 2009. Die Preise bei Laubholz stagnieren hingegen. Buchenblochholz kostete etwa 74 Euro je Festmeter.

Kritik übt Montecuccoli am Sparpaket der Bundesregierung. Einem Betrieb mit 1000 Hektar Wald würden allein durch die Abgabenanhebung und den Wegfall der Mineralölsteuer-Rückvergütung 2700 Euro an Mehrkosten pro Jahr entstehen.