Erstellt am 17. August 2016, 06:43

von Anita Kiefer

Professionell Netzwerken. Netzwerken läuft hier nach strengen Regeln ab. Die Gruppen treffen sich wöchentlich, der Erfolg wird gemessen.

Die Gruppe trifft sich wöchentlich.  |  NOEN, Anita Kiefer

Es ist Freitag, 7 Uhr in Loosdorf (Bezirk Melk). Rund 40 Unternehmer pilgern zu einem Gasthaus, um gemeinsam zur frühstücken. Dabei wird genetzwerkt – und zwar nach strengen Regeln. Denn die Unternehmer sind Mitglieder des Business Network International BNI. Bei wöchentlichen Treffen tauschen sie Geschäftsempfehlungen aus.

Rechtsanwältin Elisabeth Freilinger-Gößler ist Direktorin des St. Pöltner BNI-Chapters „Symphonie“, Anton Hiegesberger Schatzmeister.  |  NOEN, Anita Kiefer

Eröffnet wird das Frühstück des Chapters, also der Gruppe, „Symphonie“ von Chapterdirektorin Elisabeth Freilinger-Gößler. In Loosdorf ist man, weil es im Stammlokal in St. Pölten Renovierungsarbeiten gibt. Die Gelegenheit wurde genutzt, um regionale Unternehmer zum Frühstücken einzuladen. „Heute sind zwölf Gäste anwesend“, erklärt Freilinger-Gößler zu Beginn. Streng getaktet geht es los: Jeder hat 60 Sekunden Zeit, sich zu präsentieren. Danach werden Empfehlungen und Danksagungen an andere Mitglieder vorgetragen. Am Ende steht ein Resümee über das vorangegangene Treffen. Um 8.30 Uhr ist Schluss.

Für die Mitglieder ist es nicht billig, Teil des BNI zu sein: Neben einer Einschreibgebühr von 160 Euro ist ein Jahresbeitrag von 925 Euro plus Mehrwertsteuer zu bezahlen. Die strenge Struktur hinter BNI: Jedes Chapter trifft sich jede Woche um sieben Uhr zum Frühstücken, nach dreimaligem Fehlen wird eine Person ausgeschlossen. 7 Uhr deshalb, weil es für Unternehmer oft die einzig freie Zeit ist. Das Motto: „Wer gibt, gewinnt.“ Wer sich also für andere einsetzt, um ihnen möglichst viele Empfehlungen zu lukrieren, profitiert selbst. Die Struktur brauche es, damit das System funktioniert, erklärt Michael Mayer. Er ist Nationaldirektor von BNI Österreich und Deutschland.

Jedes Mitglied – wie Ulrike Minichshofer– präsentiert sich in 60 Sekunden.  |  NOEN, Anita Kiefer

Für die Gruppen und Mitglieder gibt es strenge Auflagen: „Wichtig ist, dass pro Branche nur ein Unternehmer im Chapter ist“, sagt Mayer. „Es werden auch Mitglieder ausgeschlossen. Das ist nicht die Regel, aber es kommt vor.“

In Österreich gibt es das BNI seit 2004. 2015 sind durch Empfehlungen im Netzwerk 86,9 Millionen Euro Umsatz lukriert worden – sagt das BNI. Überprüfen kann das niemand, die Zahlen stammen von den Mitgliedern selbst.

Für das BNI-Chapter Symphonie war das Frühstück am Freitag übrigens auch ein Erfolg: Es gab 33 Empfehlungen und einen Umsatz von 112.000 Euro.

Umsätze über Empfehlungen werden präsentiert und gemessen.  |  NOEN, Anita Kiefer

 

Über das BNI

In Österreich gibt es rund 1.800 Mitglieder in 68 Chapters. Weltweit sind es rund 190.000 Mitglieder in 7.300 Chapters.

Erfunden wurde BNI vom Amerikaner Ivan Misner.

Niederösterreich

479 Klein- und Mittelbetriebe; 14 Chapters. 2015 gab es für BNI in NÖ durch das Netzwerk einen Mehrumsatz von 23,9 Millionen Euro durch 21.082 Geschäftsempfehlungen.