Erstellt am 08. März 2016, 06:04

von Heinz Bidner

„Da herrscht Frust“. Robert Schmid, Chef des Baustoffimperiums Schmid Industrieholding, über schlechte Stimmung am Bau, emotionsgetriebene Sanierung und ein neues Mineralwollewerk.

»Man muss sehr aufpassen, dass man seine Rubel in Russland bekommt«, weiß Robert Schmid über die angespannte Situation vor Ort.  |  NOEN, Erich Marschik

NÖN: Ihre Baumit-Wopfinger-Gruppe konnte 2015 ein Umsatzplus erwirtschaften. Nach Ländern betrachtet war das Jahr aber sehr durchwachsen.

Schmid: Der Umsatz ist unterm Strich gestiegen – dank des sich leicht erholenden Osteuropas. In den Jahren davor – seit der Wirtschaftskrise – hatten wir unglaubliche Rückgänge. Mittlerweile bin ich aber überzeugt, dass wir den absoluten Tiefpunkt durchschritten haben und es ist dort ein moderates Wachstum zu spüren.

In Österreich soll der Wirtschaftsmotor in Fahrt kommen. Merken Sie das auch im Baubereich?

Schmid: Nein, überhaupt nicht. In Österreich sieht es ganz traurig aus. Da herrscht Frust und alle denken negativ. Geld ist ja genug vorhanden, aber man will es nicht ausgeben.

Reden Sie da vornehmlich von der privaten oder öffentlichen Hand?

Schmid: Die öffentliche Hand könnte auch mehr machen, aber da ist der Einbruch sicher nicht so groß wie bei den Privaten. Für uns ist das besonders bei der thermischen Sanierung zu verspüren. Das ist offensichtlich viel mehr ein kurzfristiges, emotionsgetriebenes Thema, als wir vermutet hätten.

Wie meinen Sie das?

Schmid: Wir sind in einer Phase, wo der Winter zu warm ist und die Heizkosten und Energiepreise tief unten sind. Da sagen sich die Häuslbauer und Eigenheimbesitzer: Wozu soll ich mein Haus angesichts der Klimaerwärmung dämmen? Außerdem schenkt man uns bald das Öl.

Dazu kommt der Rekord an Hitzetagen im vergangenen Sommer.

Schmid: Ja. Da denkt man natürlich auch nicht daran, dass die Dämmung nicht nur ein angenehmes Wohnen und Leben im Winter zulässt, sondern auch im Sommer.

Hat die Kaufzurückhaltung auch mit dem Jobmarkt zu tun, zumal bald jeder zehnte Österreicher arbeitslos ist?

Schmid: Das hat garantiert auch einen gewissen Einfluss, was die Finanzierbarkeit betrifft. Nur in erster Linie sehe ich es eindeutig als eine Stimmungslage. Wenn darüber hinaus eine Bundesregierung daher kommt und sagt, wir reduzieren die Mittel für den Sanierungsscheck (von 60 auf heuer 43,5 Millionen Euro, Anm.), dann bringt sie damit zum Ausdruck, dass thermisches Sanieren nicht wichtig ist. Dabei würde die Förderung Investitionen auslösen und zu einem Vielfachen an Einnahmen führen – etwa durch die Umsatzsteuer- oder Sozialversicherungseinnahmen.

Gehen wir zu einem Krisenherd. Schon im Jahr 2014 bekamen Sie die Auswirkungen des Krieges zwischen Russland und der Ukraine in ihren beiden dortigen Putzwerken in Form roter Zahlen zu spüren. Wie lief es im Vorjahr?

Schmid: Ganz genau so schlecht. Es wird in beiden Ländern zwar auf einem vernünftigen Niveau gebaut. Auf der einen Seite haben wir aber starke Währungsabwertungen. Auf der anderen Seite spürt man, dass den Leuten das Geld ausgeht. Man muss sehr aufpassen, dass man seine Rubel in Russland bekommt.

Warum haben Sie dann ausgerechnet im Vorjahr das Werk in der Ukraine um drei Millionen Euro ausgebaut?

Schmid: Wir glauben weiterhin an die Ukraine. Die Nassputze wurden bis zum Zeitpunkt des neuen Werkes aus Österreich dorthin exportiert, und das hat Geld gekostet. Durch die eigene Produktion ist die Baumit Ukraine autarker und von den Währungsabwertungen unabhängiger. Sie kann mehr vor Ort in der Landeswährung Hrywnja und nicht in Euro kaufen. Somit sind das Kursrisiko und damit die Kosten letztendlich geringer und die Wettbewerbsfähigkeit der Baumit Ukraine höher.

Was steht in Österreich am Plan?

Schmid: Wir sind dabei, gemeinsam mit einem Techniker aus Wien ein Mineralwolle-Werk in Großwilfersdorf, nahe Graz, zu bauen. Das ist ein neuer Bereich für uns. Mineralwolle ist als Ergänzungsprodukt wichtig, um ein Gesamtsortimentsanbieter zu sein.

Bis wann soll das Werk fertig sein?

Schmid: Bis Jahresende. 2017 sind dann etwa 45 Mitarbeiter geplant. Die Mineralwollwerke in Österreich haben alle zugesperrt, die Produkte werden alle importiert. Wir werden die Einzigen sein, die das wieder in Österreich produzieren.


Daten & Fakten

Die Schmid Industrieholding in Waldegg bei Wr. Neustadt bündelt 90 Firmen in 22 Ländern und steht in Familienbesitz. Zu den Marken gehören Baumit, Wopfinger, Austrotherm, Murexin, Tiwo, Calmit, Lorencic, Ortner, WolfPlastics, Furtenbach und Kettner. Geschäftsführer der Holding sind Robert Schmid (47) und sein Vater Friedrich (73).

Der addierte Umsatz der Unternehmen lag im Vorjahr bei knapp 1,37 Milliarden Euro (plus 2,4 Prozent zu 2014). Die Mitarbeiterzahl lag bei 4.816 (plus 2,3 Prozent). Davon entfielen 827 Millionen Euro (+2,1) auf die international tätige Baumit-Wopfinger-Gruppe, davon wiederum 148 Millionen Euro (-5,7%) auf die Wopfinger Baustoffindustrie in Österreich.