Erstellt am 04. November 2015, 05:47

von Heinz Bidner

Image-Vorbild für Lehre. Die Wirtschaftskammer NÖ war in der Schweiz unterwegs, um Ideen für die Ausbildung zu sammeln. Denn die Eidgenossen haben in mehrfacher Hinsicht Vorbildfunktion.

Sprachen unter anderem über die duale Lehrausbildung (v. l.) Direktorin Regine Sauter und Präsidentin Karin Lenzlinger von der Zürcher Handelskammer sowie Präsidentin Sonja Zwazl und Direktor Franz Wiedersich von der Wirtschaftskammer NÖ.  |  NOEN, WKNÖ

Wer eine Reise macht, kann etwas erzählen – und vor allem dazulernen. Sonja Zwazl, Präsidentin der Wirtschaftskammer NÖ, war nun mit einer Delegation von Spitzenfunktionären der Kammer in der Schweiz unterwegs. Inhaltlicher Schwerpunkt war, neue Ideen im Bereich der Berufsausbildung zu sammeln.

Besucht wurden etwa das Ausbildungszentrum der Uhrengruppe Swatch, das Bauunternehmen Treier oder auch die Niederlassungen der Amstettner Umdasch-Gruppe und des Möbelerzeugers Wittmann aus Etsdorf/Kamp. Aber auch etliche wirtschaftspolitische Gespräche standen am dreitägigen Programm – etwa mit der Spitze der Zürcher Handelskammer.

„In der Schweiz hat die Lehre in der Gesellschaft einen ganz anderen Stellenwert als bei uns“, fasst Zwazl ihre Eindrücke zusammen. So habe ihr der Leiter des Standorts Aargau der Fachhochschule Nordwestschweiz, ein Uni-Professor, stolz erzählt, dass seine beiden Kinder eine Lehrausbildung absolvieren würden.

Das duale Ausbildungssystem in der Schweiz ist dem österreichischen dabei sehr ähnlich. Großer Unterschied: Während die Lehrlinge hierzulande die Zeit in der Berufsschule geblockt verbringen, sind die Schweizer ein bis zwei Tage pro Woche dort.

Bildungssystem in Schweiz durchlässiger

Eine Vorbildfunktion der Eidgenossen erkennt Sonja Zwazl auch andernorts: „Das Bildungssystem ist generell viel durchlässiger als unseres. Es gibt viel mehr Möglichkeiten, von der einen Ausbildung in einen anderen Ausbildungsweg zu wechseln.“ In Österreich habe man allerdings mit der „Lehre mit Matura“ dazu auch schon einen wichtigen Schritt gemacht.

„Die Präsidentin der Zürcher Handelskammer, Karin Lenzlinger, hat uns erzählt, dass in der Schweiz die Schüler der Gymnasien eine verpflichtende Unternehmerwoche haben, in der sie ein Übungsunternehmen führen und so in die Unternehmerwelt hineinschnuppern können“, weiß Zwazl. Dort gebe es den Anspruch, dass jeder von Wirtschaft gehört haben sollte.


Handelsbeziehungen

Die Schweiz zählt laut Statistik Austria zu den wichtigsten Handelspartnern Niederösterreichs. Im Vorjahr lieferte Niederösterreich Waren im Wert von 951 Millionen Euro zu den Eidgenossen (plus 20,8 Prozent zu 2013). Umgekehrt importierte Niederösterreich Waren im Wert von 396 Millionen Euro (minus 11,4 Prozent). Zur Relation: Das gesamte Exportvolumen Niederösterreichs lag im Vorjahr bei 20,4 Milliarden Euro, die Importe machten 23,8 Milliarden Euro aus.