Erstellt am 17. Mai 2017, 15:24

von NÖN Redaktion

Der Wirtschafts-Mix in Niederösterreich passt. WKNÖ-Präsidentin Sonja Zwazl setzt sich für faire Bedingungen für Unternehmen in Niederösterreich ein. So will sie unter anderem die Entbürokratisierung vorantreiben.

WKNÖ-Präsidentin Sonja Zwazl  |  Josef Bollwein

NÖN: Die Wirtschaftskammer Niederösterreich hat zur Amtsübergabe von Erwin Pröll auf Johanna Mikl-Leitner eine eigene Broschüre unter dem Titel „Mehr“ erstellt – mit welchem Zweck?

Sonja Zwazl: Niederösterreich ist ein Top-Wirtschaftsstandort. Aber so, wie die Wirtschaft immer in Bewegung ist, so braucht auch der Standort ständige und nachhaltige Verbesserungen. Dazu zeigen wir in unserer Broschüre Perspektiven auf – im Sinne einer Standortpartnerschaft von Land und Wirtschaftskammer Niederösterreich. Denn „Mehr Wirtschaft“ bedeutet auch „Mehr für Niederösterreich“.

Wo gibt es da noch Verbesserungsbedarf?

Zwazl: Ich rede lieber von Optimierungen. Da geht es etwa um faire Bedingungen für unsere Unternehmen gegenüber der Landwirtschaft oder Vereinen, faire Vergaben unter praxisnaher Anwendung des Bestbieterprinzips im Sinne einer Partnerschaft für die Regionalwirtschaft, eine gemeinsame Weiterentwicklung und Bewerbung der Lehre, eine noch bessere Abstimmung bei Exportmissionen, gemeinsame Anstrengungen zur Erhöhung der Forschungsquote oder einen Ombudsmann gegen die überbordende Bürokratie, der beim Land eingerichtet werden sollte.

Um beim letzten Punkt zu bleiben: Betreffen die Klagen der Unternehmer bezüglich der überbordenden Bürokratie wirklich den Bereich des Landes oder ist nicht vielmehr der Bund gefordert?

Zwazl: Sie haben Recht. Natürlich gibt es auch im Land immer wieder Punkte, die noch weiter verbessert werden können. Je einfacher und unbürokratischer etwa ein Zugang zu Förderungen ist, umso besser ist es. Das Hauptproblem bei der überbordenden Bürokratie und der ausgeuferten Regelungsflut liegt aber beim Bund – ob es um nicht mehr zeitgemäße Arbeitszeitbestimmungen geht oder um Aufzeichnungs- und Dokumentationspflichten, die einfach keinen Sinn machen.

Zum Beispiel?

Zwazl: Es ist doch absurd, wenn ein schlichtes Reinigungsmittel, das frei im Handel erhältlich und in jedem Haushalt zu finden ist, in einem Unternehmen plötzlich zum gefährlichen Stoff mutiert, über den eigene Dokumentationen geführt werden müssen. Bei solchen Bestimmungen wundert es nicht, dass allein unser niederösterreichisches Gewerbe und Handwerk sieben Millionen Arbeitsstunden im Jahr für bürokratische Auflagen aufwenden und damit verschwenden muss.

Die Rufe nach Entbürokratisierungen sind schon lange zu hören. Warum soll sich gerade jetzt etwas ändern?

Zwazl: Ich denke, dass auch die Bundesregierung mittlerweile erkannt hat, dass die Regulierungsflut schlicht zu weit geht. Regierungspläne wie „one in – one out“, also dass für jedes neu beschlossene Gesetz ein sinnlos gewordenes gestrichen wird, gehen ebenso in die richtige Richtung wie das angekündigte Aus für „Golden Plating“, also die leider in Österreich eingerissene Unsitte, EU-Vorgaben – wie etwa bei der Allergieverordnung – immer noch überzuerfüllen. Und die Konkurrenz in anderen EU-Staaten lacht sich ins Fäustchen. Und außerdem muss bei Kontrollen der Grundsatz „Beraten statt Strafen“ im Zentrum stehen. Da sind übrigens auch die Bezirksverwaltungsbehörden gefordert.

Wo sehen Sie die besonderen Stärken der NÖ Wirtschaft?

Zwazl: Der Mix passt, sowohl bei den Branchen wie auch bei den Unternehmensgrößen, von flexiblen EPU über innovative kleine und mittlere Unternehmen bis zu unseren bestens vernetzten Leitbetrieben. Dieser Mix gibt dem Standort besondere Stabilität. Darüber hinaus lässt sich mit Top-Qualität „made in Niederösterreich“ auch im Export hervorragend punkten. Und unsere hochqualifizierten Fachkräfte sind die richtige Erfolgsbasis für Innovationen. Deshalb war es uns auch so wichtig, bei der Gewerbeordnung die reglementierten Gewerbe zu erhalten, die Garant für eine hochqualifizierte Ausbildung sind.