Erstellt am 31. Mai 2016, 06:14

von Martin Gebhart

„Finanz-Ziele werden wir erreichen“. Flughafen-Vorstände Günther Ofner und Julian Jäger über ihre Expansionsziele in Zeiten der Krise und des Terrors.

Die Flughafen-Vorstände Günther Ofner (r.) und Julian Jäger im Gespräch mit NÖN-Chefredakteur Martin Gebhart: »Können ein Jahr mit einem schwächeren Passagierzuwachs abfedern.«  |  NOEN, Erich Marschik

NÖN: Für den Flugverkehr und für die Flughäfen haben sich die Rahmenbedingungen heuer verschlechtert. Terror, Russlandsanktionen, Streiks. Trotzdem haben Sie sich sehr viel vorgenommen, Sie wollen 2016 rund 105 Millionen Euro Gewinn machen. Wie geht das?
Ofner: Ich würde es zweiteilen. Ich glaube, was die finanziellen Ziele anbelangt, sind wir uns sehr sicher, dass wir diese erreichen. Einerseits steigt durch die Integration unseres Flughafens in Malta unsere Ertragskraft. Andererseits haben wir sehr stark an der Kostenschraube gedreht. Natürlich würde eine lange Periode mit einem niedrigen oder ohne Wachstum den Druck erhöhen. Ein Jahr mit einem schwächeren Passagierzuwachs können wir ohne große Schwierigkeiten abfedern, aber wenn das länger anhalten würde, dann müssten wir auch unsere mittelfristigen Pläne anpassen.

Welche Auswirkungen hat in diesem Zusammenhang der Terroranschlag am Flughafen in Brüssel?Jäger: Das eine sind die grundsätzlichen Auswirkungen auf das Reiseverhalten der Menschen. Da haben wir heuer sehr schwierige Rahmenbedingungen, wir sehen es an unseren Ergebnissen in den ersten paar Monaten. Wir haben etwa starke Rückgänge bei den Flügen nach Ägypten, nach Nordafrika, in die Türkei oder nach Russland. Die Flüchtlingskrise, der Terror, die wirtschaftlich schlechte Situation in Russland, das alles drückt auf das Reiseverhalten. Umgekehrt ist es uns aber gelungen, die Präsenz von Fluglinien hier am Standort deutlich zu erhöhen. Zum Beispiel Easyjet oder Eurowings. Deswegen verzeichneten wir in Summe bis Ende April noch ein leichtes Wachstum. Ich muss aber sagen, die Auswirkungen von Brüssel sind noch gar nicht so eindeutig abzuschätzen.

Aber das Thema Sicherheit wurde nach Brüssel heftig diskutiert.
Jäger: Hier hat die Politik, insbesondere die EU-Kommission, vernünftig reagiert, nämlich nicht mit Schnellschüssen, die nur Placebos gewesen wären. Was sehr gut funktioniert hat, war die Kooperation mit der Polizei, mit dem Innenministerium und unseren Sicherheitsverantwortlichen hier am Standort. Es wurde unmittelbar reagiert und das Polizeipersonal am Standort wurde deutlich aufgestockt, sowohl die Spezialeinheit Cobra als auch die Exekutive. Wogegen wir uns von Anfang an ausgesprochen haben, sind irgendwelche Schnellschüsse in Bezug auf Sicherheitskontrollen beim Eingang des Terminals. In Brüssel wurde das von der Gewerkschaft erzwungen und es kam zu chaotischen Zuständen, wo Passagiere bis zu vier Stunden in der Schlange stehen mussten. Unser Zugang über Profiling und über verstärkte Polizeipräsenz am Standort, sich anschauen, wer hält sich im Terminal auf, ist der bessere. Meiner Meinung nach gibt es da von der Gesetzgeberseite keinen Handlungsbedarf.

Ofner: Eine unmittelbare Folge ist, dass die Einsatzeinheit Cobra auf Dauer am Flughafen stationiert sein wird. Die haben hier einen echten Stützpunkt.

Der Flughafen setzt auf Expansion, irgendwann will man die Zahl von 40 Millionen Passagieren erreichen. Dafür werden jetzt auch der Terminal 2 und der Pier Ost umgebaut. Wie sieht es da aus?
Jäger: Das Terminalentwicklungsprogramm hat mehrere Aspekte. Ja, einerseits wollen wir in der Zukunft wachsen, bis zu den von Ihnen genannten 40 Millionen. Da wird es schon noch eine Zeit dauern. Das werden wir in unserer Amtszeit nicht mehr schaffen, aber 30 Millionen hoffentlich schon. Mit maximal 500 Millionen Euro, die wir bis 2023 investieren, wollen wir auf der einen Seite den Terminal 2 sanieren, das ist der älteste Teil des Terminals. Wir wollen eine zentrale Sicherheitskontrolle schaffen, dass wir auch dort eine deutlich bessere Situation für die abfliegenden Passagiere haben. Der Pier Ost wird generalsaniert, und wir wollen auch eine zusätzliche Gepäckausgabemöglichkeit schaffen. Das wird mit weiterem Wachstum sicherlich notwendig sein. Das andere ist, dass wir aus kommerzieller Sicht sehen, dass der Terminal 3 zu wenig Einkaufsmöglichkeiten hat. Deswegen wollen wir auch hier erweitern und mit einem zusätzlichen Gebäude weitere hochqualitative Shopping- und Gas-tronomieflächen schaffen.

Der Zeitplan bis 2023 hält?
Ofner: Dann sollen alle diese Projekte abgeschlossen sein. Teilprojekte werden sicherlich schon früher fertig werden.

Das Großraumflugzeug Airbus 380 kann aber schon früher in Wien-Schwechat landen?
Jäger: Jawohl, der wird ab 1. Juli jeden Tag einmal zu Mittag kommen. Das ist fix.

Der Flughafen wurde für seine Qualität von Skytrax mit vier Sternen ausgezeichnet. Man will aber fünf, was bisher in Europa nur München gelungen ist. Wie will man das erreichen?
Jäger: Es ist klar, dass es ohne die Sanierung des Pier Ost und vermutlich auch ohne die Erweiterung vom Terminal 3 im Süden die fünf Sterne nicht geben wird. Deswegen ist unser Ziel, dass wir nach 2023 auch dieses Thema angehen.

Die fünf Sterne bleiben ein Ziel?
Ofner: Nur der Himmel ist die Grenze.

Das Projekt Airport City wurde jetzt sogar auf Airport-Region erweitert. Warum?
Ofner: Alles, was innerhalb des Flughafenzauns ist, ist die Airport City, und die Nachbarn um uns sind die Vienna Airport Region. Der Sinn hinter diesem Begriff ist, dass man ein gemeinsames Marketing über Österreich hinaus aufziehen kann. Das ist eine der konkreten Maßnahmen, die wir mit dem Entwicklungsprogramm verfolgen, das gemeinsam mit den Anrainergemeinden jetzt erarbeitet wird. Das man international gemeinsam auftreten kann, um eben die gesamte Region zu vermarkten. Gemeinsam ist man stärker, als jeder für sich.

Das heißt auch, dass das Verhältnis Flughafen und Anrainergemeinden passt.
Ofner: Das ist hervorragend.

Jäger: Das war in der Vergangenheit immer schon sehr gut. Über die Intensivierung der Tätigkeiten innerhalb der Airport Region kann es sogar noch besser werden.

Ist bei dieser Zusammenarbeit auch die geplante dritte Piste ein Thema?
Ofner: Im Moment nicht, weil jetzt muss man überhaupt einmal auf die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtshofes warten. Und selbst wenn jetzt die zweite Instanz entscheidet, muss man davon ausgehen, dass auch die Höchstgerichte damit befasst werden. Also wird es wahrscheinlich vor 2020 überhaupt keine unanfechtbare Entscheidung geben.

Jäger: Das Ganze zeigt aber eines der großen Probleme, die wir in Europa, aber insbesondere auch in Österreich haben: Wie lange solche großen Infrastrukturprojekte dauern. Wenn man bedenkt, dass wir im Jahr 2000 die Mediation begonnen haben, die bereits 2006 abgeschlossen worden war.

Vorstand im Flughafen war immer ein Posten, über den in der Öffentlichkeit stark diskutiert wurde. Ihre Verträge wurden vor einigen Monaten ohne viel öffentliches Tamtam verlängert. Wie machen Sie das?
Ofner: Ohne jetzt unbescheiden zu sein – ich glaube, dass alle Entwicklungen Gott sei Dank in eine gute und positive Richtung gehen. Wobei betont werden muss, dass das nicht nur die finanziellen Ergebnisse sind. Die haben sich deutlich verbessert, der Aktienkurs hat sich entsprechend verbessert, die Dividende für die Eigentümer ist gestiegen. Aber wir haben auch wesentliche Umweltmaßnahmen gesetzt. Wir haben drastische Energieeinsparungen erreicht, wir haben Mitarbeiterbefragungen durchgeführt, die uns hervorragende Ergebnisse bezüglich Motivation und Identifikation beschert haben, obwohl wir auch harte Einschnitte gesetzt, neue Kollektivverträge abgeschlossen haben. Die Qualität hat sich sehr gut entwickelt.

Jäger: Jetzt, wo die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehen, dass sie wieder stolz sein können auf ihren Flughafen, sind sie auch zufriedener, und das merken wir auch an den Leistungen. Der Einsatz der gesamten Flughafen-Mannschaft ist unglaublich hoch. Es gibt eine sehr gute Kooperation mit der Belegschaftsvertretung. Ich glaube, insgesamt war das auch der Schlüssel für die vier Sterne von Skytrax.