Erstellt am 18. November 2015, 05:58

von Heinz Bidner

Mit Privatkunden ist wenig zu verdienen. Die Bank Austria überlegt, kleine Kunden abzugeben. Die ganze Branche leidet unter den geringen Zinsspannen.

Das laufende Restrukturierungs- und Umbauprogramm der Filialen steht auf dem Prüfstand.  |  NOEN, BA/Bezila, Filiale Mödling

 Bei der Bank Austria bleibt kein Stein auf dem anderen. Wie vergangene Woche bekannt wurde, fährt die italienische Mutter Unicredit ein massives Sparprogramm, das 18.000 Jobstreichungen umfasst.

In Österreich stehen bis 2018 rund 800 der 9.280 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Das lukrative Osteuropa-Geschäft, das bislang von Wien aus gesteuert wurde, wird nach Mailand verlegt.

Auf Bundesländerebene gibt es noch keine Zahlen. In NÖ, wo umgerechnet 380 Vollzeitkräfte beschäftigt sind, könnte es aber an die 20 treffen, so ein Bankenkenner zur NÖN. Dabei wäre wohl ein Abbau über Pensionierungen und natürliche Fluktuationen möglich.

Wegen des defizitären Privatkundengeschäfts soll die Bank Austria zudem ihr Filialnetz bis Ende 2016 entweder reduzieren oder ganz verkaufen. „Anfang Dezember wird die Richtungsentscheidung kommuniziert werden“, sagt Sprecher Matthias Raftl. Sollte das Geschäft verkauft werden, würde sich für die Kunden im Wesentlichen wohl nur der Vertragspartner ändern.

„Es wird aber wieder anders werden“

„Im Privatkundengeschäft ist derzeit kaum Geld zu verdienen“, analysiert Johann Vieghofer, Bankensprecher in der Wirtschaftskammer NÖ und selbst Raiffeisenbank-Direktor in Wieselburg, den Fall. Vor allem die Niedrigzinsphase und die Änderungen im Zahlungsverkehr würden da eine große Rolle spielen. Denn immer mehr Menschen würden ihre Bankgeschäfte elektronisch erledigen, was eine Umstellung der Geschäftsmodelle nötig macht. Und den Abbau von Personal, wie die Bank Austria vorzeigt.

„Es wird aber wieder anders werden“, erwartet Vieghofer. Das Privatkundengeschäft aufzugeben sei daher in der Branche sonst kein Thema. Im Fall der Bank Austria sei das eben eine strategische Entscheidung der Mutter Unicredit. Eine Frage würde sich in diesem Fall aber schon stellen, so Vieghofer: „Wenn etwas grundsätzlich negativ ist: Warum sollte es dann jemand kaufen?“

Der Abzug der Zentrale fürs Osteuropa-Geschäft von Wien hat für Johann Vieghofer vor allem einen millionenschweren finanziellen Hintergrund: Die Bankensteuer, die in Österreich eingehoben wird, gibt es in Italien nicht.


Daten & Fakten

NÖ-Eckdaten. Die Bank Austria betreibt in NÖ nach etlichen Zusammenlegungen in den letzten Jahren noch 30 Filialen. Die Zahl der Mitarbeiter sank auf umgerechnet rund 380 Vollzeitkräfte. Das Geschäftsvolumen kletterte im ersten Halbjahr auf 13,2 Milliarden Euro.

Verlustbringer. Die Bank Austria fuhr in den ersten drei Quartalen 2015 einen Verlust von 41 Millionen Euro im Privatkundengeschäft ein, das ein Viertel des Gesamtgeschäfts ausmacht. Das bedeutet ein Minus von 36 Euro pro Privatkunde.