Erstellt am 07. April 2014, 23:59

von Heinz Bidner

Gerangel um den Haushaltsmüll. Ab 2015 kippt das Monopol der ARA, die trotzdem keinen Tarifsturz erwartet und im Ausland aktiv wird.

Konsumenten sollten von künftig acht Sammelsystemen nichts merken, so ARA-Chef Werner Knausz.  |  NOEN, Foto: ARA
Von Heinz Bidner

Betriebe und Gemeinden erwarten mit Jänner Neuerungen bei der Haushaltsmüllentsorgung. Konsumenten könnten das im Idealfall nur finanziell merken. Grund ist das Inkrafttreten einer Abfallwirtschaftsgesetz-Novelle, die dem bisherigen Monopolisten Altstoff Recycling Austria AG (ARA) im Haushaltsmüllbereich Konkurrenz beschert.

ARA bleibt beim Haushaltsmüll Monopolistin

Hintergrund: Seit 1993 müssen Unternehmen, die Verpackungen in Verkehr bringen, die Abfallverwertungskosten dafür zahlen. Um die Verpackungen nicht selbst einsammeln zu müssen, beauftragen sie in der Regel ein Sammel- und Verwertungssystem wie die ARA, die ihrerseits Entsorgungsbetriebe für die Durchführung engagiert. Indirekt zahlt also jeder Konsument die Entsorgungskosten der Produkte beim Kauf mit.
x  |  NOEN, Foto: ARA
 

Während beim Gewerbemüll eine Marktöffnung schon vor 17 Jahren erfolgte und es nunmehr fünf Anbieter gibt, blieb die ARA beim Haushaltsmüll Monopolistin. Das missfiel der EU – seit 2010 läuft ein wettbewerbsrechtliches Verfahren.

Sieben weitere Anbieter ab Jänner

Ab Jänner wird das Monopol daher aufgebrochen. Voraussichtlich sieben weitere Anbieter aus Österreich und Deutschland werden dann mit eigenen Tarifen durchstarten und der ARA auch im Haushaltsmüll Kunden abzujagen versuchen.

Geht es nach ARA-Vorstand Werner Knausz, werde der Wettbewerb die Tarife für die Unternehmen nicht nach unten drücken können. Grund sei, dass parallel dazu auch die Sammelquoten erhöht werden müssen – bei einzelnen Stoffen von 80 auf 90 oder 95 Prozent.

Bei Gemeinden könnten Müllgebühren sinken 

„Wenn uns keine Einsparungen gelingen, steigen aufgrund des Gesetzes die Preise zwischen 15 und 20 Prozent“, sagt Knausz zur NÖN. Denn man werde zur Quotenerfüllung entsprechend mehr Restmüll von den Gemeinden zukaufen müssen, sollte man die Konsumenten nicht noch mehr zu Sammeln animieren können.

Der Restmüll werde dann zwar nicht recyclet und lande erst recht wieder in einer Müllverbrennungsanlage, meint Knausz: „Dafür hat dann die Wirtschaft die Kosten getragen und nicht mehr die Kommune.“

Im Idealfall würden die Konsumenten dafür ein paar Euro weniger Müllgebühr bei der Gemeinde zahlen, meint der ARA-Chef. Zumal die Verpackungsentsorgungskosten pro Produkt gering wären und etwa bei einem Joghurtbecher im Bereich eines Cent-Bruchteils liegen würden, rechnet Knausz kaum mit einem Steigen der Produktpreise.

Keine Änderungen für Konsumenten 

Parallelsysteme der Wettbewerber sind bei der Infrastruktur und Sammlung laut der Gesetzesnovelle übrigens verboten. Es wird also für den Konsumenten beispielsweise weiterhin nur einen Glas-Müllcontainer am Sammelplatz geben und nicht acht der unterschiedlichen Anbieter nebeneinander. Unternehmen, die Verpackungen in Verkehr bringen, können dafür künftig unter den Systemanbietern frei wählen.

Die Kosten und Mengen der Sammlungen werden dann nach deren Marktanteilen aufgeteilt. Die Tarife der Anbieter werden sich vor allem daran orientieren, wie innovativ die Ideen zum Vermarkten und Verkauf des Mülls sind.

ARA bastelt an EU-weitem Netzwerk

Expansion. Jedes EU-Land hat seine eigene Verpackungsverordnung und stellt damit vor allem kleinere und mittelgroße heimische Unternehmen beim Export vor Probleme. Die ARA hat daher 2013 begonnen, im Ausland Kooperationspartner zu suchen.

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In 20 Ländern wurden mit großen Systemanbietern bereits Verträge abgeschlossen, der Rest soll heuer folgen, meint ARA-Chef Knausz. Im Vorjahr habe das Auslands-Servicegeschäft nur „einige Hunderttausend Euro“ ausgemacht. Der Gesamtumsatz lag bei 155 Millionen Euro.

Struktur. Die Wiener ARA AG gehört rund 230 Unternehmen, die Verpackungen herstellen, importieren oder verpackte Ware vertreiben. 2013 sammelte sie über eine Million Tonnen Haushaltsmüll, davon 184.000 Tonnen Papier, Glas, Kunststoffe und Metall in NÖ (Grafik). 85 Prozent der gesammelten Verpackungen werden recycelt, der Rest verbrannt.