Erstellt am 10. Dezember 2015, 04:23

von Anita Kiefer

"Geschwindigkeit ist irre". Peter Schwab, Chef der Metal Forming Division des voestalpine-Konzerns mit Sitz in Krems, über globale Märkte, den VW-Abgasskandal und die Lehrlingsausbildung.

 |  NOEN, Erich Marschik

NÖN: Die Automobilbranche macht 50 Prozent des Geschäftes der Metal Forming Division aus, dennoch haben Sie den VW-Skandal gelassen hingenommen. Warum?

Peter Schwab: „VW ist mit Toyota der größte Automobilhersteller der Welt. Der Skandal wird schon dramatische Auswirkungen haben. Am Ende aller Tage geht man aber gestärkt daraus hervor. Wir haben noch keine Auswirkungen, bis jetzt laufen die Abrufe ganz normal.“

Warum hat die Metal Forming den Hauptsitz eigentlich in Krems?

Schwab: „Das ist historisch bedingt. Krems hat sehr lange Tradition als Standort, wir haben letztes Jahr die 75-Jahr-Feier gehabt. Krems war der Verarbeitungsstandortort der Stahldimension in Linz, die Linzer haben den Stahl geliefert, in Krems ist er weiterverarbeitet worden. Deswegen ist das von hier aus bis zu einem globalen Umsatz im Rollprofiliergeschäft von etwa einer Milliarde Euro gewachsen.“

Im letzten Geschäftsjahr hat die voestalpine 32 Millionen Euro in die Ausbildung der Lehrlinge investiert, sie haben kürzlich in Krems den 1.000sten Lehrling eingestellt. Ist das die Antwort auf den Fachkräftemangel?

Schwab: „Natürlich. Und: Für unsere Aktivitäten gibt es kaum Ausbildung. Das duale System der Lehrlingsausbildung ist Exportschlager. Wir haben es an vielen Standorten, weil das Erfolgsgeheimnis unseres Unternehmens ist, dass wir exzellente Facharbeiter haben, die sind meist selbst ausgebildet.“

Wie funktioniert die Lehrlingsausbildung in einem Land, in dem es kein Berufsschulsystem gibt?

Schwab: „Sie bekommen in den Lehrwerkstätten ihre Ausbildung, kommen mit Metall in Berührung, bekommen auch den Unterricht von unseren Leuten. Es ist nicht mehr die klassische Lehre wie bei uns, es wird sehr gut angenommen.“

Der Konzern hat vier Standorte in Niederösterreich, was tut sich hier?

Schab: „In den letzten zehn Jahren haben wir rund 450 Millionen Euro als Konzern in Niederösterreich investiert. Gerade der Regalbau ist ein boomender Markt, da haben wir tolle Wachstumsraten. Davon profitieren die beiden Werke am Standort Krems, an dem 800 Mitarbeiter einen Umsatz von rund 280 Millionen Euro erwirtschaften. Und wir haben in Kematen das modernste Kaltwalzzentrum der Welt gebaut. Da wurden über 110 Millionen Euro investiert.“

Sie haben erst kürzlich Niederlassungen in China und den USA eröffnet. Warum ist es so wichtig, sich global aufzustellen?

Schwab: „Wir haben globale Kunden. Ein Autohersteller möchte eine Innovation global zur Verfügung. Da gibt es zwei Möglichkeiten. Sie sagen o. k., ich produziere in Österreich und liefere weltweit. Das stehen Sie nicht durch, da sind die Transportkosten auf Dauer zu hoch. Oder Sie haben mehrere Produktionsstandorte in den großen produzierenden Ländern. Ich möchte auf jeden Fall auch in Österreich wachsen. Das hängt aber von den Rahmenbedingungen ab. Was uns teilweise zugemutet wird, ist halt schon so, dass man es sich überlegt.“

Sie meinen Auflagen?

Schwab: „Ja genau, und sie müssen ja trotzdem zu den richtigen Kosten produzieren können.“

Sie sind seit einem Jahr Chef der Metal Forming. Ihr Resümee?

Schwab: „Die Geschwindigkeit in der Metal Forming ist irre. Um vorne zu bleiben, müssen wir uns ständig weiterentwickeln. Politische Eingriffe in das Wirtschaftssystem wirken sich meistens negativ aus – in Österreich, in China oder anderswo.“