Eggenburg

Erstellt am 18. Mai 2017, 10:35

Flüssiges Gold aus der alten Mühle. 35-jähriger Ölkaiser setzt in seiner 480 Jahre alten Mühle nicht auf Mehl, sondern auf kostbares Pflanzenfett.

Dort, wo Mahlsteine Korn zu Mehl verrieben hatten, wird heute Korn zu Öl gepresst. Georg Gilli suchte nach einem Berufsweg im Familienbetrieb in Eggenburg, der ganz nach seinem Geschmack ist. „Beim Öl kann man viel mehr das Qualitätsmerkmal herausarbeiten“, begründet er. „Mehl ist Mehl, im Prinzip weißer Staub.“

Gilli will, dass sein Produkt den Gaumen erfreut: Das Löffelchen Sonnenblumenöl gleicht dem Biss in den Kern, wie der Lokalaugenschein zeigt. Dass die Qualität tatsächlich stimmt, bestätigte die Fachjury unter der Ägide von Martin Rogenhofer vom Lehr- und Forschungszentrum Francisco Josephinum.

Das Sonnenblumenöl erhielt bei der Messe Wieselburg Gold und war das beste unter den Erstplatzierten: Der 35-Jährige darf sich 2017 Ölkaiser nennen. Schon 2016 heimste er Medaillen ein, da hat er erst ein halbes Jahr flüssiges Gold produziert. Das verleiht Gilli Selbstsicherheit, wie er selbst sagt. Sorgen hätten ihn am Anfang seines neuen Tätigkeitsfeldes sehr wohl begleitet.

Der studierte Wirtschaftsberater wagte mit dem sanften Umbau der still gestandenen Mühle und dem Einstieg in ein völlig neues Geschäft einen Riesenschritt. Viel Arbeit steckt dahinter. „Als der erste Tropfen floss, begannen auch viele Sorgen zu tropfen.“ Gilli habe sich gefragt, ob sein Öl einem hohen Standard gerecht werden könne. Heute weiß er dank der Auszeichnungen: Sein Öl mit dem Namen „aÖ iss Dialekt“ hat die Qualität, die er auch angestrebt hat. Der alte Bestand der Mühle blieb übrigens weitgehend erhalten: Auf die Geschichte der Mühle und der Familie wird nicht vergessen.

Nur Bio-Getreide wird in Ölmühle verarbeitet

Die Grundqualität beginnt bei den sprießenden Ähren. Vier Landwirte liefern die „Früchte“ der Färberdistel und Sonnenblume, von Hanf, Lein und Leindotter. Sie wirtschaften biologisch.

„Ich bin sehr stolz darauf, dass ich meine Saat in der Region ankaufe.“ Die weiteste Entfernung legt mit 20 Kilometern der Leindotter aus Geras zurück. Gilli prüft eigenhändig die Güte des Korns: „Ich koste, ob es schmeckt.“ Und weil Natur in der Flasche steckt, kann der jeweilige Jahrgang wegen den Witterungsverhältnissen ein anderes Aroma haben.
Die Lebensmittelindustrie bewegt sich vergleichsweise in einem anderen Feld: Sie setzt gern auf eine 100-prozentige Ausbeute. Alles muss zudem ident sein: Größe, Form, Geschmack. „Da ist es gleich besser, wenn es nach nix schmeckt“, ist das nicht Gillis Sache. Er presst mit seiner Maschine aus Bayern das Korn kalt in einem Arbeitsgang, sodass die Inhaltsstoffe und sogar Ölrückstände im Presskuchen erhalten bleiben. Sein Leinöl ist etwa eine Omega 3-Fettbombe (bis zu 60 Prozent).

Dieses macht sich übrigens gut im Frühstücksmüsli, aber nicht nur. Der Jungchef findet, dass man ruhig über die (Salat-) Schüssel blicken kann. Der Eggenburger empfiehlt etwa das Leindotteröl, das an grüne Erbsen erinnert, zu Fisch – und zwar zum Verfeinern nach dem Kochen. Er selbst streicht sich sein Produkt sogar aufs Brot.

„Öl hat meines Erachtens nicht den Stellenwert, den es verdient“, findet er. Das wird sogar dem Laien klar, wenn er Gillis Öl pur verkostet.