Erstellt am 18. Juli 2017, 03:52

von Anita Kiefer

Was bringt uns JEFTA? . 2019 könnte Freihandelsabkommen zwischen EU und Japan in Kraft treten. NÖ Wirtschaft ist dafür.

 |  Shutterstock.com / Matej Kastelic

Seit TTIP und CETA, den Handelsabkommen zwischen EU und USA bzw. Kanada, weiß jeder Laie, was davor nur stark Interessierte kannten: Die EU hat Handelsabkommen mit verschiedenen Staaten. Das aktuell um den G20-Gipfel in den Fokus der Öffentlichkeit gerückte Handelsabkommen, das seit 2013 verhandelt wird, ist JEFTA, das Japan-EU Free Trade Agreement. Dieses soll die Handelsbeziehungen zwischen der EU und Japan vereinfachen. Bestehende Zölle sollen abgeschafft, nicht-tarifäre Handelshemmnisse (wie die Anerkennung von Zertifikaten) beseitigt werden. Über die Eckpunkte haben sich die EU und Japan vor dem G20-Gipfel geeinigt.

„Diese Prozesse dauern immer mehrere Jahre“, sagt Michael Löwy, Leiter des Bereichs internationale Beziehungen in der Industriellenvereinigung (IV), zu der langen Verhandlungszeit. Er sieht in Handelsabkommen vorrangig Positives. „Wenn man kein Abkommen mit einem Land hat, dann macht jeder, was er will. Es ist besser, Reglements zu finden.“ Löwy hält eine Exportsteigerung von 59 Prozent österreichischer Unternehmen nach Japan über zehn Jahre, wie vom deutschen ifo Institut prognostiziert, als Auswirkung von JEFTA für realistisch.

Sonderrechte für Konzerne

„Japan ist für unsere NÖ Exportwirtschaft der zweitwichtigste Markt in Asien. Jede Vereinfachung des Handels mit Waren ist für unsere Firmen Wettbewerbsvorteil“, äußert sich auch Sonja Zwazl, Wirtschaftskammer NÖ-Präsidentin, positiv. Sie denkt, dass Klein- und Mittelunternehmen (KMU) von JEFTA profitieren würden, „da viele KMU auch als Zulieferer für die österreichische Exportwirtschaft tätig sind“.

Thomas Salzer, Präsident der IVNÖ, spricht sich ebenfalls deutlich für das Abkommen mit Japan aus. Er vermutet, dass vor allem der Automobilsektor, der Anlagenbau und KMU von JEFTA profitieren werden. „Durch den Wegfall von Handelshemmnissen kommt es zu mehr Handel, damit zu mehr Export und zu mehr Arbeitsplätzen.“

Arbeiterkammer-NÖ-Präsident Markus Wieser steht JEFTA grundsätzlich auch positiv gegenüber. Er hat aber Bedenken, was Sonderrechte für Konzerne angeht, und lehnt diese ab. „Mögliche Sondergerichtsbarkeiten für Konzerne bringen die Gefahr der Senkung von Sozialstandards, Dumpinglöhnen und der Unterwanderung von Umwelt- und Schutzbestimmungen.“

JEFTA - Daten und Fakten

Aktuell haben über 1.000 österreichische Unternehmen Geschäftsbeziehungen mit Japan (77 Niederlassungen).

Die EU exportierte 2016 waren im Wert von 58,1 Mrd. Euro nach Japan (Importe: 66,4 Mrd. Euro). Aus wurden 2016 Waren im Wert von über 200 Mio. Euro exportiert (2015: 188,6 Mio. Euro).