Erstellt am 30. März 2016, 06:04

von Heinz Bidner

Honig heuer um 20 Prozent teurer. Imker ernteten im Vorjahr um ein Drittel weniger, die Lager sind fast leer. Das lässt die Preise steigen.

Marillenblüte mit Biene  |  NOEN, Gregor Semrad

Durchschnittlich zwölf Euro kostet ein Kilogramm Honig in Österreich – ab Hof und ohne Umsatzsteuer. Diesen bundesweiten Durchschnittswert weist die Statistik Austria in ihrem jüngsten Erzeugerpreis-Bericht für Jänner 2016 aus.

Gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutet das eine Teuerung um ein Fünftel. Und gegenüber dem Jahr 2009 ist das nahezu eine Verdoppelung.

„Bei den Preisen gibt es ein starkes Ost-West-Gefälle“, sagt Johann Gruscher aus Peigarten. Der Weinviertler ist Präsident des NÖ-Imkerverbandes und Österreichischen Imkerbundes. In Ostösterreich wären acht bis zehn Euro pro Kilogramm realistisch, weiß er.

„Wir haben im Vorjahr um ein gutes Drittel
weniger Honig bekommen.“
Johann Gruscher, Präsident des Imkerbundes

Hintergrund für die – besonders seit dem Vorjahr – massiv steigenden Preise sind kräftige Ertragseinbrüche und damit ein stark verknapptes Angebot. „Im vorigen Jahr gab es viele Verluste bei den Bienenvölkern und das Wetter hat nicht gepasst. Damit sind auch die Lager fast leer“, geht Gruscher ins Detail.

Was wenigen bewusst ist: Starke Regen- und Trockenheits-Phasen, wie im Vorjahr, sind schlecht für die Nektarproduktion der Blütenpflanzen. Auch würden in der Landwirtschaft immer weniger Sonnenblumen und Raps angebaut, bedauert der Imkersprecher. „Wir haben im Vorjahr um ein gutes Drittel weniger Honig bekommen“, fasst Gruscher für ganz Österreich zusammen.

Bienensterben durch Pflanzenschutzmittel und Varroamilbe

Gegenüber dem Jahr 2011 wären zwei gegensätzliche Entwicklungen bemerkbar, weiß der Experte. So sei die Zahl der Bienenvölker in NÖ von rund 38.000 auf aktuell 35.000 gesunken. Bekanntlich führten ja bestimmte Pflanzenschutzmittel und Parasiten wie die Varroamilbe besonders in den letzten beiden Jahren zu einem starken Bienensterben.

x  |  NOEN

Umgekehrt sei die Zahl der Imker von 3.500 auf 4.200 gestiegen, so Gruscher. Bereits 700 davon wären Frauen, freut er sich. Das hänge insgesamt mit der regen medialen Berichterstattung über die Gefährdung der Honigbienen zusammen, wodurch das Interesse an der Imkerei in der Bevölkerung zunehmen würde, weiß der Experte.

„Es kam zu einem Umdenken“, blickt er positiv in die Zukunft. Auch Gartenbesitzer würden nun genauer achten, welche Pflanzenschutzmittel sie verwenden. Und Landwirte würden ihre Rapsfelder vermehrt nachts spritzen, um die Bienen tags nicht zu gefährden.