Erstellt am 29. April 2016, 08:25

von NÖN Redaktion

„Industrie 4.0 ist eine Chance für unsere KMUs“. Niederösterreichs Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav will Betriebe motivieren, in Niederösterreich zu investieren und spricht sich gegen eine flächendeckende Lkw-Maut aus.

 |  NOEN, Erich Marschik

NÖN: Der Begriff „Industrie 4.0“ ist derzeit in aller Munde. Warum setzt hier das Land Niederösterreich einen Schwerpunkt?
Petra Bohuslav: Die Digitalisierung der Lebenswelten und der Einzug von neuen Informations-, Kommunikations- und Medientechnologien bringen umfassende Veränderungen und Vernetzungen für die Unternehmen und die Gesellschaft mit sich. Für unsere Unternehmen bedeutet das zwar große Herausforderungen, aber auch Chancen. Und wir wollen sie dabei unterstützen, dass sie diese Chancen nutzen.

Was tut das Land Niederösterreich schon jetzt?
Es gibt bereits zahlreiche Unterstützungsinstrumente, die von Unternehmen genutzt werden können. Für entsprechende Investitionen oder Forschungsprojekte gibt es Finanzierungshilfen, es werden spezifische Fördercalls geboten, für Kooperationen bieten die Cluster Niederösterreich eine optimale Unterstützungsplattform. Technopole können wiederum technologische Hilfestellungen bieten – beispielsweise bei 3-D-Druck von Metallen.

In gegenseitiger Abstimmung mit der Wirtschaftskammer Niederösterreich und der Industriellenvereinigung Niederösterreich bieten wir ein umfassendes Maßnahmenpaket an – das wurde erst vor wenigen Tagen vorgestellt. Im Kern dieser gemeinsamen Abstimmung stehen Bewusstseinsmaßnahmen und Unterstützungsinitiativen, das reicht von den Beratungsleistungen der TIP bis hin zu regionalen Veranstaltungen mit Experten. Erster Schritt ist eine gemeinsam in Auftrag gegebene Studie über den Einfluss und die Erfolgsfaktoren von Industrie 4.0 für den Standort Niederösterreich.

Sie haben vorher von den Chancen durch Industrie 4.0 für die heimischen Unternehmen gesprochen, wie sehen diese aus?
Durch eine intelligente Vernetzung aller am Herstellungsprozess beteiligten Menschen, Maschinen, Ausstattungen, Programme und Produkte können die Stückzahlkosten gesenkt und flexibler auf Kundenwünsche reagiert werden. Damit sind unsere Unternehmen mit ihren qualitativ hochwertigen Produkten am weltweiten Markt wieder stärker gefragt und können auch im Preis mit der Konkurrenz aus Fernost mithalten. Wobei Industrie 4.0 keine menschenleeren Fabrikhallen bedeutet. Die Aufgaben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verändern sich nur. Hier stehen wir mit der Aus- und Weiterbildung vor einer Herausforderung. Umso wichtiger ist es, rasch auf die Veränderungen zu reagieren und die richtigen Weichen zu stellen.

Wie sieht es generell mit der NÖ Wirtschaft aus?
Es ist eine ambivalente Situation. Einerseits haben wir Unternehmerinnen und Unternehmer, die in Niederösterreich investieren, sich bei uns ansiedeln oder ihren Betrieb erweitern. Nach dem Rekord an Betriebsansiedlungen bzw. -erweiterungen im Jahr 2014, gelang im Vorjahr mit 105 derartigen Projekten das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte unserer Wirtschaftsagentur ecoplus.

So konnten im Vorjahr 1.336 neue Arbeitsplätze geschaffen und 577 Arbeitsplätze gesichert werden. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Unternehmen, die abwarten. Daher kommt der Wirtschaftsmotor nicht richtig ins Laufen. Hier sehe ich es als eine meiner Aufgaben, für ein wirtschaftsfreundliches Klima in unserem Land zu sorgen und die Betriebe zu motivieren, bei uns in Niederösterreich zu investieren.

Erst vor kurzem haben sich auf ihre Initiative alle Wirtschaftslandesrätinnen und Wirtschaftslandesräte der Bundesländer gegen eine flächendeckende LKW-Maut ausgesprochen. Ein wichtiger Schritt zur Verbesserung des Wirtschaftsklimas?
Auf alle Fälle. Denn eine flächendeckende Lkw-Maut hätte eine zusätzliche Belastung für unsere Unternehmen – und hier vor allem für regionale kleinere und mittlere Betriebe – bedeutet. Außerdem wären damit periphere Standorte ein Stück unattraktiver geworden, was wiederum den Verlust von Arbeitsplätzen in diesen Regionen bedeuten würde.

Doch gerade in Niederösterreich haben wir erfolgreiche Unternehmen, die zum Beispiel im nördlichen Waldviertel, im Mostviertel oder in der Buckligen Welt beheimatet und dort enorm wichtig für das gesamte Umfeld sind. Daher habe ich die Initiative, die von der Wirtschaftskammer ausgegangen ist, gerne unterstützt und bin froh, dass alle anderen Wirtschaftsreferenten ein klares Zeichen gegen eine solche Maut für Kraftfahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen gesetzt haben.