Erstellt am 24. Mai 2016, 15:39

von APA/Red

Infrastruktur-Vorstand seit 34 Jahren bei den ÖBB. Andreas Matthä, der heute vom Aufsichtsrat der ÖBB zum interimistischen Vorstandschef der Staatsbahn gekürt werden dürfte, ist ein echtes Bahn-Urgestein.

Andreas Matthä  |  NOEN, PAMINGER Walter
Da sich schon das Präsidium des Gremiums für den Infrastruktur-Vorstand Andreas Matthä ausgesprochen hat, gilt ein Votum des gesamten Aufsichtsrats als sehr wahrscheinlich. Der 53-Jährige würde dann bis zur endgültigen Entscheidung über den neuen CEO im Juli die Geschicke der Bahn führen. Finanzvorstand Josef Halbmayr, der seit Kerns Abgang am 17. Mai die Geschäfte geführt hat, bildet mit dem neuen CEO dann wieder einen Zweier-Vorstand.

Am vergangenen Wochenende hatten die ÖBB die Ausschreibung für den neuen Vorsitzenden der Holding veröffentlicht. Demnach soll "eine überzeugende Führungspersönlichkeit" künftig die Weichen bei der Staatsbahn stellen. Der oder die neue ÖBB-Vorstandsvorsitzende soll über "fundierte Erfahrung in der Führung eines vertikal integrierten Eisenbahnkonzerns" verfügen, heißt es in der Stellenanzeige. Bewerbungen sind bis 21. Juni 2016 mittels eingeschriebenen Briefs an die Aufsichtsratsvorsitzende Brigitte Ederer zu richten.

Nachfolge wird am 4. Juli fixiert

Am 4. Juli soll dann in einem ordentlichen Aufsichtsrat die endgültige Nachfolge von Kern fixiert werden. Derzeit werden Matthä die größten Chancen eingeräumt, es werden aber auch zahlreiche weitere Bewerbungen von in- und außerhalb des Bahnkonzerns erwartet.

Der oberste Arbeitnehmervertreter der Eisenbahner, Konzernbetriebsratschef Roman Hebenstreit, präferiert "im Interesse der Belegschaft" eine hausinterne Lösung. Damit wäre die Kontinuität für die laufenden großen Vorhaben der Bundesbahn am besten gesichert, meint Hebenstreit.

Zur Person

Andreas Matthä ist ein echtes Bahn-Urgestein. Geboren ist Matthä in der Eisenbahnerstadt Villach, aufgewachsen in Gmünd in Niederösterreich. Gleich nach dem Abschluss seiner HTL-Ausbildung (Tiefbau) in Wien begann er 1982 bei den ÖBB. Dort legte er in den vergangenen 34 Jahren eine stete Karriere im Bereich Infrastruktur bzw. Bau hin. Zwischendurch machte er - berufsbegleitend - an der Fachhochschule Wien einen Magister für Unternehmensführung.

Von der Bauaufsicht bei Brücken- und Tiefbauprojekten arbeitete er sich hoch in die ÖBB-Generaldirektion Brückenbau. 2001 wurde er Abteilungsleiter im ÖBB-Zentralbereich für Planung und Controlling, 2005 stieg er zum Prokuristen der ÖBB Infrastruktur-Bau auf.

2008 kam der Sprung in den Vorstand der ÖBB Infrastruktur-Bau, seit 2009 trägt Matthä als Ressortvorstand für Finanzen, Markt und Service der ÖBB-Infrastruktur Verantwortung für 17.000 Mitarbeiter und Investitionen von jährlich knapp 2,5 Mrd. Euro.

Weitere Funktionen hat der gelernte Techniker etwa bei der Brenner Basistunnel-Gesellschaft inne, wo er als Vorsitzender des Aufsichtsorgans fungiert, in der Aufsicht des ÖBB-Immobilienmanagements sowie als Vorsitzender des Beirats der Netz- und Streckenentwicklung GmbH.

Matthä ist verheiratet und hat eine Tochter. Das Urlaubsziel teilt er sich oft mit seinem früheren Boss Kern - Kärnten.