Erstellt am 17. Mai 2017, 14:36

Beste Voraussetzungen für Unternehmen. Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav über den gefragten Betriebsstandort Niederösterreich, über das Technopolprogramm des Landes und das Breitband Modell.

Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav baut auf Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich etwas trauen.  |  Erich Marschik

NÖN: Die Wirtschaft kommt wieder in Schwung. Kommt dieser Aufschwung auch beim Standort Niederösterreich an?
Petra Bohuslav: Mit unserer Wirtschaftsagentur ecoplus betreuen wir Betriebe, die sich in Niederösterreich ansiedeln oder ihren Betriebsstandort erweitern wollen. Wir haben mit ecoplus also einen sehr direkten Draht zur Wirtschaft. Hier zeigt sich, dass wir im Vorjahr mit 96 Betriebsansiedlungen und über 900 neu geschaffenen Arbeitsplätzen über dem langjährigen Schnitt liegen und auch heuer gut gestartet sind: In den ersten Wochen des Jahres 2017 haben wir bereits 26 Neuansiedlungen und Betriebserweiterungen in Niederösterreich betreut. 

Warum ist Niederösterreich ein so gefragter Standort?
Bohuslav: Diese Frage lässt sich an einem aktuellen Beispiel festmachen: Ich freue mich über den soeben erfolgten Spatenstich der Firma Resch & Frisch, die ein Vertriebszentrum im ecoplus Wirtschaftspark Wolkersdorf errichtet. Mehr als zehn Standorte hat sich der erfolgreiche Firmeneigentümer Josef Resch angesehen und schlussendlich hat er sich für Wolkersdorf entschieden. Denn Niederösterreich hat Standortfaktoren, die überzeugen: die ideale geografische Lage, die Verfügbarkeit von Flächen zu vergleichsweise günstigen Preisen, eine hervorragende Infrastruktur und hoch qualifizierte Arbeitskräfte – insbesondere in Regionen mit modernen Bildungseinrichtungen.

Welche Bedeutung haben technologieorientierte Unternehmungen für die Wirtschaft in Niederösterreich?
Bohuslav: Die Bedeutung kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, ich möchte sie anhand von zwei Zahlen veranschaulichen: Niederösterreich hat in den vergangenen Jahren massiv in die Infrastruktur der technologieorientierten Wirtschaft investiert, alleine in die Technologie- und Forschungszentren in Wiener Neustadt, Wieselburg, Krems und Tulln flossen über 100 Mio. Euro. Mit dem Technopolprogramm, das ecoplus im Auftrag des Landes umsetzt, vernetzen wir Wissenschaft, Ausbildung und Wirtschaft und setzen so einen zentralen Baustein, um den Technologiestandort voranzubringen. Eine Studie des Economica Instituts hat nachgewiesen, dass sich diese Kooperation bezahlt macht. An den vier Technopolstandorten in Niederösterreich wird pro Jahr 685 Millionen Euro an Wertschöpfung generiert. Der Fokus auf technologieorientierte Unternehmungen ist also goldrichtig.

Welche aktuellen Entwicklungen gibt es an den Technopolen?
Bohuslav: Ende April war ich mit einer Delegation im Silicon Valley, um die dortigen Rahmenbedingungen für technologieorientierte Unternehmungen besser kennenzulernen. Unter dem Titel „Erleben, Verstehen, Transferieren“ war es mir dabei ein großes Anliegen, neue Impulse für Niederösterreich zu gewinnen. Daher habe ich auch Unternehmen und Bildungseinrichtungen, die an den Technopolen beheimatet sind, eingeladen, mich zu begleiten. Es geht darum, die Studierenden zu begeistern und ihnen den unternehmerischen Spirit nahe zu bringen. Dazu sind die Fachhochschulen die wichtigsten Multiplikatoren. Immerhin studieren drei Viertel aller NÖ-Studentinnen und Studenten an einem Technopol-Standort. Nur wenn wir genügend Unternehmerinnen und Unternehmer in Niederösterreich haben, die sich etwas trauen, wird Niederösterreich zu einem erfolgreichen „Wirtschaft 4.0“-Standort.

Der Breitbandausbau ist ein zentrales Thema für die Wirtschaft. Wie geht dieses Projekt aktuell voran?
Bohuslav: Der Glasfaser-Ausbau ist eines der wichtigsten Themen der kommenden Monate und Jahre. Denn leistungsstarke Glasfaser-Breitband-Anschlüsse sind die Straßen des 21. Jahrhunderts. Unser Breitband Modell Niederösterreich, das auch von der EU-Kommission mit dem Breitband-Preis ausgezeichnet wurde, wird derzeit in vier Pilotregionen umgesetzt. Dabei investieren wir alleine heuer 35,5 Millionen Euro. Im Vorjahr wurden 6.100 Haushalte und 400 Unternehmen für die Versorgung mit einem Glasfaser-Anschluss fit gemacht. Bis Ende 2018 sollen insgesamt 34.000 Haushalte und Betriebe an das Glasfasernetz angeschlossen sein. Damit liegen wir voll im Plan, aber wir wollen noch schneller werden: Die für Ende 2018 geplante Evaluierung der Pilotregionen findet schon im heurigen Sommer statt. Danach werden Schritte für den weiteren Ausbau in Niederösterreich gesetzt.