Erstellt am 23. Mai 2017, 02:01

von Martin Gebhart

Flughafenvorstand: "Aktionäre können zufrieden sein“. Günther Ofner und Julian Jäger über die Airport-Entwicklung.

Starke Entwicklung trotz Debatte um dritte Piste: Die Flughafenvorstände Julian Jäger und Günther Ofner im Gespräch mit NÖN-Chefredakteur Martin Gebhart.  |  Marschik

NÖN: Mit Plakaten wird am Flughafen um die Dritte Piste gekämpft. Hat das negative Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Auswirkungen auf Ihre aktuelle Strategie?

Günther Ofner: Langfristig ja, kurzfristig noch nicht. Die dritte Piste ist ja ein Zukunftsprojekt. Leider wird das Urteil zu vier bis fünf Jahren Verzögerung führen, abhängig davon, wie schnell die Gerichte entscheiden. Sollte es letztendlich doch noch zu einer positiven Entscheidung kommen, kann mit einer dritten Piste nun nicht mehr vor 2030 gerechnet werden. Daher ist es leider wahrscheinlich, dass wir ab 2025 in eine behindernde Kapazitäts-Knappheit kommen. Für den Wirtschaftsstandort bedeutet das auch die Verschiebung von Investitionen, Betriebsansiedlungen könnten schwieriger werden, die Schaffung neuer Arbeitsplätze wird zumindest verzögert.

In wenigen Tagen ist die Hauptversammlung. Der Flughafen liefert wieder ein sehr gutes Ergebnis ab.

Julian Jäger: Wir sind mit der Entwicklung der letzten Jahre, speziell auch mit jener des letzten Jahres natürlich sehr, sehr zufrieden. Es läuft auch heuer sehr gut. Wir haben in den ersten drei Monaten des Jahres 3,7 Prozent Passagierwachstum gehabt, im April sogar 14,7 Prozent. Ich glaube, unsere Aktionäre können zufrieden sein. Die Mitarbeiter können zufrieden sein, weil sie über die Mitarbeiterstiftung auch an der Dividende profitieren. Insofern sehen wir recht optimistisch in die Zukunft.

Wie ist das Passagierplus trotz der Turbulenzen bei Air Berlin oder Fly Niki und trotz der Probleme in der Türkei oder Nordafrika möglich?

Jäger: Das eine ist, Niki beziehungsweise Air Berlin, das haben wir im ersten Quartal noch nicht so gespürt. Das wird man jetzt seit April und über den Sommer intensiver spüren. Es wird trotzdem ein Plus geben. Wir haben ein Wachstum bei der AUA, ein sehr schönes Wachstum bei Eurowings, bei Easyjet. Mit Ausnahmen von Air Berlin, Niki und Turkish Airlines wachsen auch alle anderen recht schön. Das Schöne ist, dass auch die Auslastung heuer erstmals wieder nach oben geht. Wir haben davor ein, zwei Jahre gehabt, wo die Auslastung leicht gesunken ist, also weniger Tickets pro Flugzeug verkauft wurden. Zweitens werden die Flugzeuge größer. Weiters hat sich die wirtschaftliche Einschätzung positiver entwickelt als in den Jahren davor. Und auch die Reiselust ist wieder größer. Dann profitiert man auch von Konstellationen, dass der 1. Mai heuer ein Montag war, es somit ein zusätzliches langes Wochenende gegeben hat. Das nächste Erfreuliche ist, dass auch der Transfer wieder anzieht. Wir haben Jahre gehabt, wo die AUA weniger Transferpassagiere hatte. Heuer rechnen wir da wieder mit einem Plus, das ist auch sehr erfreulich. Osteuropa funktioniert auch wieder.

Obwohl es noch immer Sanktionen gegen Russland gibt?

Jäger: Heuer haben wir bis jetzt fast 40 Prozent Wachstum bei den Flügen nach Russland.

Sie haben angekündigt, heuer beim Reingewinn die 120 Millionen Euro erreichen zu wollen.

Ofner: Das ist realistisch. Die insgesamt positive Entwicklung spiegelt auch unser Aktienkurs wider. Wenn man etwa die Börsenkapitalisierung nimmt: Wir stehen jetzt bei 2,9 Milliarden Euro, das Unternehmen war vor fünf Jahren 550 Millionen wert. Das ist mehr als eine Verfünffachung. Alle Bereiche des Unternehmens haben sich positiv entwickelt. In Summe ernten wir eben die Früchte der über Jahre kontinuierlichen Verbesserungen der Produktivität und der Motivation unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das zeigen nicht nur die wirtschaftlichen Trendzahlen, sondern auch, dass wir zum dritten Mal hintereinander „Best Airport Staff in Europe“ gewonnen haben, was niemandem bisher gelungen ist. Es geht also nicht nur um die wirtschaftliche Seite, sondern es wurde auch die Qualität verbessert. Was ich für besonders erfreulich halte: Wir sind laut IFES-Umfrage erstmals der attraktivste Arbeitgeber Ostösterreichs.

Und diese Woche erhalten Sie den Preis „Best Airport 2016“.

Jäger: Bei diesen Befragungen wird alles abgefragt. Von der Anreise zum Flughafen über die Wartezeiten, bei der Sicherheitskontrolle, beim Check-in, beim Boarden, die Passkontrolle, die Freundlichkeit, die Shops und Gastronomie, auch wie man das Parken erlebt. Wo wir immer sehr gut liegen, sind die Sauberkeit, die Freundlichkeit, die Sicherheitskontrolle, das Tempo. Ich glaube, es gibt in Europa nicht sehr viele Flughäfen, wo man im Durchschnitt so niedrige Wartezeiten wie bei uns hat. Wir kennen natürlich auch die Schwächen unseres Flughafens. Bei den Flächen sind wir etwa ein bisschen zu eng. Das ist unser Zukunftsprojekt, wo wir für die Terminalentwicklung in den nächsten fünf Jahren bis zu 500 Millionen Euro investieren wollen. Es geht vor allem um die Aufenthaltsqualität. Das heißt: größere Shops, mehr Gastronomieflächen, schönere Wartebereiche.

Ein ganz anderes Thema: Wie sehr spürt der Flughafen eigentlich die täglich angespannte Verkehrssituation auf der A 4?

Ofner: Ja, die derzeitigen Verkehrsprobleme schaden , das ist ein großes, ärgerliches Thema. Unmittelbar wirtschaftlich spüren wir das beim Parken. Und die Wahl der Verkehrsmittel hat sich stark verändert, vor allem im Nahraum Wien nutzen immer mehr Menschen die ÖBB oder den Cat, vor allem auch wegen der Verkehrsprobleme. Beim Cat sind wir beteiligt, insofern gibt es da ein lachendes und ein weinendes Auge. Aber insgesamt ist für Flughäfen die Verkehrsanbindung mit Abstand das Wichtigste. Man braucht eine gute Infrastruktur am Boden, bei der Straße und auf der Schiene. Deswegen hoffen wir, dass die Probleme auf der A4 möglichst bald beendet sind.