Erstellt am 16. Februar 2016, 05:59

von Anita Kiefer

Nächster Halt: Ausland. Gerhard Schaller, Geschäftsführer der Heidi Chocolat AG Niemetz Schwedenbomben Niederlassung Österreich, über den neuen Standort in Wiener Neudorf und Expansionspläne.

Gerhard Schaller in der neuen Produktionsstätte der Heidi Chocolat AG Niemetz Schwedenbomben Niederlassung Österreich im Industriezentrum Süd in Wiener Neudorf.  |  NOEN, Erich Marschik

NÖN: Seit Ende 2015 liegt Ihr Produktionsstandort in Wiener Neudorf. Wie geht es Ihnen hier, und warum dieser Standort?

Gerhard Schaller: Uns geht es hier sehr gut. Wir wären aber lieber in Wien geblieben, weil wir ein Wiener Traditionsunternehmen sind, mussten diesen Standort aber verlassen. Jetzt sind wir nahe der Wiener Stadtgrenze. Der Grund für Wiener Neudorf war einerseits, dass wir sehr gute Unterstützung bekommen haben durch die ecoplus, und dass wir hier eine Hochfrequenzlage haben.

Das heißt, für Sie war klar, es muss das Wiener Umland sein?

Schaller: Genau. Und es war wichtig, dass wir unsere Mitarbeiter mitnehmen. Wir haben uns entschieden, bei der teureren, manufakturellen Konditormethode zu bleiben, und da hat man sehr viel Handarbeit.

Wie hoch waren die Umzugskosten?

Schaller: Es war ein zweistelliger Millionenbetrag.

Vor 2,5 Jahren ist es um Niemetz ganz anders gestanden. Was hat sich seither getan?

Schaller: Die Produktion, die haben wir gleich gelassen. Wir haben gesagt, wir greifen ins Produkt nicht ein. Wir sind ein Frischeprodukt – bei uns wird heute bestellt und morgen geliefert, das ist einzigartig für den Geschmack. Unser Produkt hat eine Haltbarkeit von drei Wochen. Das ist eine Riesenherausforderung. Was wir getan haben: Wir haben in das alte Werk eine halbe Million investiert, damit wir weiterproduzieren konnten. Die halbe Million war weg, das tut weh. Wir haben auch Investitionen getätigt in die Vermarktung. Bei der Schwedenbombe gibt es zwei Verkaufs-Verpackungen: Den Sechserpack und den Zwanziger. Mit dem Zwanziger belegen wir Events, etwa Valentinstag. Mit dieser Packung erzielen wir gute Verkaufszahlen.

Stichwort gute Verkaufszahlen: Wie ist es 2015 gelaufen?

Schaller: Wir haben 2015 wie schon 2014 und 2013 zweistellige Zuwachsraten gehabt und sind die letzten drei Jahre das am stärksten wachsende Süßwarenunternehmen Österreichs gewesen. Wir haben heuer vor, diesen Kurs fortzusetzen.

Das heißt, genaue Umsatz- und Gewinnzahlen gibt es nicht?

Schaller: Die gibt es bei uns gar nicht. Ich kann Ihnen nur sagen: Wir haben letztes Jahr so viele Schwedenbomben produziert, dass man, reiht man diese aneinander, von Wien bis nach Stockholm kommt mit ein paar Citytouren und wieder zurück.

Wie viele Stück sind das?

Schaller: Zig Millionen.

Die Schwedenbombe hat ja auch die Direktanlieferung an Firmen über Verkaufswägen. Wie gut wird das angenommen?

Schaller: Das ist ein vernachlässigbarer Teil. Unser klarer Fokus ist der Lebensmitteleinzelhandel. Damit erreicht man die breite Masse, außerdem ist der Kostenfaktor von Direktlieferungen nicht zu vernachlässigen. Weswegen wir auch in den Außendienst im Lebensmitteleinzelhandel investiert haben – wir haben unsere Mitarbeiterzahl seit der Übernahme auf 100 verdoppelt.

Wie schaut es aus für die Zukunft? Gibt es Expansionspläne?

Schaller: Wir wollen weiter wachsen. Einerseits über die Vermarktung der verschiedenen Formate der Schwedenbombe. Andererseits über Manja und Swedy. Wir können hier am Standort in drei Schichten produzieren. Das Dritte sind die Heidi-Produkte. Was wir 2016 angehen werden: Auslandsaktivitäten. Wir liefern jetzt bis Vorarlberg. Wir verschicken unsere Produkte aus Kosten- und Umweltgründen nicht mit dem Flugzeug. Also liegt der Fokus auf den angrenzenden Ländern – speziell für 2016 auf Süddeutschland und Slowenien, wo wir jetzt Markttests machen.

Und: Jetzt ist uns enorm wichtig, die Frische mehr zu kommunizieren.

Welchen Anteil, was die Absatzzahlen betrifft, hat die Schwedenbombe im Vergleich zu Manja, Swedy und Heidi?

Schaller: Die Aufteilung ist ungefähr 80 zu 20.

In Wiener Neudorf bieten sie Schwedenbomben-Workshops an. Wie funktioniert das Konzept?

Schaller: Wir sind gerade dabei, verschiedenste Workshops zu kreieren. Im Moment fokussieren wir uns auf den, bei dem Jugendliche und Erwachsene eigene Schwedenbomben kreieren.


Über Niemetz

Nach der Insolvenz des Schwedenbombenherstellers Niemetz (die Passiva beliefen sich auf rund fünf Millionen Euro) im Februar 2013 übernahm die Meinl-Tochter Heidi Chocolat, ein rumänischer Schokoproduzent, das Unternehmen im Juni 2013.

Die Insolvenz des Schwedenbombenherstellers hatte auch aufgrund der Rettungsaktion auf Sozialen Medien für großes öffentliches Interesse gesorgt.