Erstellt am 19. April 2017, 01:58

von Anita Kiefer

Heinz Behacker: "Der Markt ist groß genug“ . Heinz Behacker, Chef der VBV Vorsorgekasse, über nachhaltiges Investieren, die richtige Anzahl an Vorsorgekassen und den Vorteil längerer Kapitalliegedauern.

Heinz Behacker, Vorstandsvorsitzender VBV Vorsorgekasse.  |  Daniel Hinterramskogler

NÖN: Welche Strategie fährt die VBV Vorsorgekasse im aktuellen Niedrigzinsumfeld?

Heinz Behacker: Wir haben uns auf diese Situation vor Jahren eingestellt, weil wir durch die tendenziell sinkenden Zinsen damit gerechnet haben. Und wir haben Darlehens- und HtM (Held to Maturity, Anm.)-Bestände aufgebaut. Beim Investieren in HtM-Anleihen verpflichtet man sich, sie bis zur Endlaufzeit im Portfolio zu halten. Sie haben den Vorteil, dass man kontinuierlich mit 100 bewertet, egal wo die Kurse sich hin entwickeln. Wir haben damit ein stabiles Portfolio erzielt und einen Durchschnittszinssatz von über drei Prozent erhalten. Grundsätzlich ist die Strategie breiteste Diversifikation.

Sie setzen von Beginn an stark auf Nachhaltigkeit. Warum?

Behacker: Das Unternehmen haben wir im Jahr 2002 gegründet. Da sind mehrere Vorsorgekassen eingerichtet worden. Wir haben vor dem Start eine große Befragung bei Betriebsräten, Arbeitnehmervertretung etc. durchgeführt. Diese ergab einen eindeutigen Wunsch zu ethischer Veranlagung. Daher haben wir 2002 einen Ethikbeirat eingerichtet und Nachhaltigkeitskriterien entwickelt. Seither hat sich nachhaltiges Investieren als zweites Risikomanagement herauskristallisiert. Wir haben damit viele Investments gemieden, die in der Krisensituation dramatisch unter Druck geraten sind. Und konnten so 2008 und 2011 die Kunden vor Verlusten bewahren.

Welche gesetzlichen Verbesserungen für die Vorsorgekassen wünschen Sie sich?

Behacker: Dass man die Veranlagungsdauern anhebt. Aktuell kann der Anwartschaftsberechtigte das Geld möglicherweise schon ab dem 36 Beitragsmonat beheben. Wir sind zwar Langfristinvestor, sind aber auch angehalten, Liquidität zu halten. Mit einer längeren Liegedauer hätten die Vorsorgekassen mehr Möglichkeit, risikooptimierter Veranlagung zu betreiben und so höhere Renditen zu schaffen.

Welcher Zeitraum wäre sinnvoll?

Behacker: Zehn Jahre.

Eine weitere Forderung in diesem Zusammenhang ist ja, dass Kunden auch selbst Kapital einzahlen dürfen. Sind Sie dafür?

Behacker: Grundsätzlich ja. Aber: Wir haben in der Vorsorgekasse ein Inkassosystem, das sehr kostengünstig ausgerichtet ist. Wir erhalten die Beiträge über das Inkasso der Gebietskrankenkassen. Wir hätten wahrscheinlich ein Problem, bei Arbeitnehmerbeiträgen in dem Inkassosystem zu schwenken. Wenn, dann müsste freiwillig maximal das an Einzahlung möglich sein, was der Arbeitgeber für den Betroffenen einzahlt.

Gibt es in Österreich eigentlich zu viele Vorsorgekassen?

Behacker: Es hat zu Beginn zehn Kassen gegeben, im Moment sind es acht. Der Markt ist, weil die Vorsorge ein Obligatorium ist, für acht Kassen groß genug.

Da gibt es auch keine Pläne?

Behacker: Die letzte Fusion hat es gegeben mit der Bonus und der Victoria. Ansonsten gibt es im Augenblick keine weiteren Überlegungen.

Ihr Ausblick für 2017?

Behacker: Angestrebt ist seit Unternehmensgründung, eine Realperformance zu erzielen und über der Inflationsrate zu liegen kommen. Das ist uns bis auf 2008 und 2011 auch gelungen.