Erstellt am 21. Juni 2016, 07:35

von Anita Kiefer

„Berichtspflicht ist kein Problem“. Der neue e-control-Vorstand Andreas Eigenbauer über Unabhängigkeit, Versorgungsengpässe und Strategien.

Der Böheimkirchner Andreas Eigenbauer ist seit April Vorstand der Stromregulierungsbehörde e-control.  |  NOEN, Erich Marschik

NÖN: Sie und Wolfgang Urbantschitsch sind gut zwei Monate im Amt und arbeiten an einer neuen Strategie für die e-control. Wann werden Sie fertig sein? Die Rede war ja von Sommer oder Herbst.
Eigenbauer: Wir haben sofort nach unserer Bestellung begonnen und haben jetzt die Rückmeldungen aus den Fachabteilungen. Wir haben jetzt einen Überblick über bestehende Aktivitäten und wie die Abteilungsleiter die Arbeit einschätzen.

Sommer oder Herbst?
Eigenbauer: Wir gehen davon aus, dass die Arbeiten heuer abgeschlossen werden können.

Sie wollten vor fünf Jahren bereits in den Vorstand der e-control wechseln, jetzt ist es gelungen. Ihre Bestellung war begleitet von kritischen Stimmen, die Ihre Karenzierung bei der Stadt Wien bemängelt haben. Zu Recht?
Eigenbauer: Nein, die Dinge wurden überprüft, und da hat es keine Schwierigkeiten gegeben.

Mit der Unabhängigkeit sehen Sie aber trotz Karenzierung kein Problem?
Eigenbauer: Nein. Ich war jetzt auch schon fünf Jahre in der Regulierungskommission. Da gelten die gleichen Unabhängigkeitsbestimmungen. Es ist kurios, mit fünfjähriger Verspätung festzustellen, dass da kein Beamter der Stadt Wien sein dürfte.

Sie und Wolfgang Urbantschitsch befürchteten kürzlich, dass die Energieinfrastruktur knapp wird, es zu wenige Kraftwerke in Österreich geben wird – warum?
Eigenbauer: Das ist nicht nur eine Befürchtung. Ich fürchte, das ist Realität. Man sieht, dass große Kraftwerkskapazitäten schon geschlossen oder gar nicht richtig eröffnet wurden. Und auf der anderen Seite sieht man, dass Kraftwerke, sobald sie einen technischen Schaden haben, einfach nicht mehr instand gesetzt werden, weil sie keine wirtschaftliche Zukunft haben. Bei durchschnittlichen Lebensdauern von 25 bis 30 Jahren kann man sich ausrechnen, wann es keine mehr geben wird.

Ex-e-control-Vorstand Walter Boltz hat kürzlich eine Lähmung der e-control befürchtet, weil Sie und Herr Urbantschitsch bis auf Weiteres gemeinsam entscheiden wollen. Gehen Sie da d’accord?
Eigenbauer: Nein. Es war bisher schon so, dass die gesetzlichen Grundlagen eindeutig sind: Es gibt einen Vorstand, und der besteht aus zwei Personen. Es ist auch bisher so gewesen, dass die zwei vorhergehenden Vorstände sich gegenseitig für eine Lösung zusammenfinden mussten. So etwas kann man nicht als Lähmung beschreiben.

Boltz hat auch das Informationsrecht des Wirtschaftsministers angesprochen.
Eigenbauer: Da gibt es Entscheidungen, wir sind in Revision gegangen. Man wird sehen, ob der Gesetzgeber eine Nachjustierung vornimmt, die möglicherweise sinnvoll wäre. An sich ist diese Berichtspflicht für mich aber kein Problem. Im Nachhinein Fakten einzuholen hat nichts mit Beeinflussen zu tun.

Wie müssen die kommenden fünf Jahre laufen, damit sie ein Erfolg sind?
Eigenbauer: Wenn es gelingt, die e-control als neutrale Behörde zu positionieren, haben wir gewonnen.