Erstellt am 26. Januar 2016, 05:18

von Martin Gebhart und Anita Kiefer

Gemeinsame Schule: „Ich stehe dazu“. Thomas Salzer, Präsident der Industriellenvereinigung NÖ, über Bildung, Reformen und seinen Optimismus für 2016.

 |  NOEN, Erich Marschik

NÖN: Herr Salzer, Sie sind seit Ende November Präsident der Industriellenvereinigung NÖ. Wie ist Ihre erste Bilanz?

Thomas Salzer: Für den Anfang positiv. Ich bin sehr freundlich aufgenommen worden von Politik und Interessenvertretungen. Jetzt geht es ans Arbeiten.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte wollen Sie in den kommenden vier Jahren setzen?

Salzer: Ich war ja schon in den vergangenen Jahren in die Arbeit der IV involviert und will diese Inhalte fortführen. Ein ganz wichtiges Thema für mich ist die Bildung, ein Schlüsselthema der IV. Wir brauchen mehr Mitarbeiter, die eine gute Ausbildung haben. Der zweite Punkt ist: Wir haben viele berufstätige Frauen in Unternehmen. Es ist wichtig, dass sie die gleichen Chancen haben wie Männer. Da spielt das Bildungssystem eine wichtige Rolle.

Beim Thema Bildung liegt ja gerade ein Reformpapier der Koalition auf dem Tisch. Was halten Sie davon?

Salzer: Schauen wir, was davon umgesetzt wird. Ich bin immer wieder überrascht über die Blockadehaltung der Politik. Beispiel Anzahl der Schulversuche. Fragen Sie führende Parteifunktionäre, wo die Frauen berufstätig sind, in welche Schulen die Kinder gehen. Ich habe noch nie die Antwort bekommen, die gehen in die öffentliche Schule. Die meisten sind in einer Privatschule oder einer Institution, wo eine gute Nachmittagsbetreuung da ist. Ich verstehe nicht, warum das nicht der Allgemeinheit zugänglich gemacht wird. Wir haben 75 Prozent berufstätige Frauen, es kann nicht sein, dass man denen quasi sagt, es ist egal, ob ihr Karriere macht.

Ist nicht die verschränkte Ganztagsschule am leichtesten zu lösen? Viel schwieriger ist es, bei der Frage der gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen auf einen Nenner zu kommen.

Salzer: Der verschränkte Bereich ist leider nicht so selbstverständlich. Wir haben uns als IV NÖ für die gemeinsame Schule bis zum Ende der Schulpflicht ausgesprochen und ich stehe dazu. Das ist der einzig vernünftige Weg, wenn man das Pro-blem der frühen Separierung lösen und allen Talenten ermöglichen will, in einen Bildungsweg zu gehen.

Gemeinsame Schule mit oder ohne Gymnasium?

Salzer: Warum soll es kein Gymnasium geben? Man darf aber nicht sagen, ich biete das Gymnasium nur in einer Form an, wie es alt hergebrachten Vorstellungen entspricht. Ich muss genauso ein Gymnasium anbieten, das einen Ganztagesunterricht hat.

Welche Akzente will die IV noch in der Bildung?

Salzer: Wir wollen, dass es Klarheit gibt, wer wofür zuständig ist. Die aktuellen Mischformen – für gewisse Schultypen ist der Bund in der Verwaltung zuständig, für andere das Land – sind nicht gut.

Neben Ihrer Tätigkeit bei der IV sind Sie seit 2010 Obmann der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer NÖ. Wie lässt sich das vereinbaren – auch zeitlich?

Salzer: Zeitlich werden wir sehen. Inhaltlich lässt es sich gut vereinbaren, denn in der Sparte Industrie ist die Liste Industrie der Industriellenvereinigung die wahlwerbende Gruppe.

Bald wird der Präsident der Bundes-IV gewählt. Georg Kapsch hat im Dezember seine Kandidatur bestätigt, er war nicht unumstritten. Unterstützen Sie ihn?

Salzer: Ich werde seine Wiederwahl sicher unterstützen.

Die IV schaut sich regelmäßig die Stimmung in der Wirtschaft an – wie schaut es aktuell aus?

Salzer: Die Stimmung ist sehr differenziert. Viele Unternehmen, die sehr stark am österreichischen Markt tätig sind, empfinden keine gute Stimmung. Den Unternehmen, die stark auf Exportmärkten tätig sind, geht es von den Mengen her gut. Da hilft natürlich auch der Ölpreis.

Was sind Ihre Forderungen an die Politik?

Salzer: Man muss bei den Dingen ansetzen, die Unternehmertum verhindern. Das beginnt beim Steuersystem. Wir haben eine Steuerreform, wo jeder Unternehmer gleich 2,5 Prozent mehr zahlt. Ein anderes Thema ist die Bürokratie. Die Bundesregierung rühmt sich damit, dass so viele Beauftragte abgeschafft wurden, gleichzeitig führt man das Energieeffizienzgesetz ein, das ein Bürokratiemonster ist. Es gibt auch noch einen anderen Aspekt: In Österreich hat man das Gefühl, jeder weiß, dass die Pensionen so nicht finanzierbar sind, aber reformiert wird nichts. Wir wissen, dass das Gesundheitssystem schwierig ist, aber angegangen wird es nicht. Das Bildungssystem wird ein bisschen angegangen, aber in homöopathischen Schritten. Will ich in einem Staat Aufbruchsstimmung, muss ich bereit sein, solche Themen wirklich anzugehen.

Sind Sie grundsätzlich optimistisch für 2016?

Salzer: Ich bin optimistisch, weil ich glaube, dass allen bewusst ist, dass was getan werden muss. Die gesamtwirtschaftlichen Vorzeichen sind nicht schlecht. Eine große Herausforderung 2016 ist natürlich, mit dem Flüchtlingsproblem gut umzugehen.