Erstellt am 04. Mai 2016, 04:04

von NÖN Redaktion

Klangerlebnis auf Vinyl. Unternehmerstory aus dem Weinviertel: Heinz Lichtenegger produziert seit Jahren erfolgreich Plattenspieler.

 |  NOEN, Carina Rambauske, Pro-Ject Audio Systems
Eine Produktion von 120.000 Plattenspielern im Jahr und ein Exportanteil von 96 Prozent in 80 Länder – mit der Marke „Pro-Ject“ ist Heinz Lichtenegger Weltmarktführer beim Verkauf von Plattenspielern. Außerdem zählt „Audio Tuning“, sein Vertrieb für hochwertige Audio- und Videoprodukte, zu den bedeutendsten Europas. Seit Jahrzehnten ist Lichtenegger auf Erfolgskurs. Dieser begann jedoch ganz klein, in einem Wohnzimmer in Zistersdorf (Bezirk Gänserndorf).

„Bewusst Musik hören, bewusst eintauchen“

„Mit 16 Jahren kaufte ich mir anstatt eines Mopeds HiFi-Geräte. Die Leute um mich herum haben mich für deppert erklärt“, erzählt der Unternehmer. Doch es dauerte nicht lange und seine Freunde merkten, wie toll sein Hobby HiFi ist. „Und sie wollten, dass ich ihnen eine genauso gute Anlage zusammenstelle.“ Mit 18 Jahren übersiedelte der Weinviertler nach Wien und eröffnete in seinem Wohnzimmer sein erstes HiFi-Studio, der Grundstein für seine zweite Schiene, der Vertrieb von hochwertigen Audio- und Videoprodukten, war gelegt.
Trotz des Aufkommens der CD und später des mp3 setzte Lichtenegger auch weiterhin auf den charakteristischen Klang der Schallplatte.

„Mein Bestreben war, besten Klang zu günstigem Preis zu verkaufen und das mit Nachhaltigkeit.“ Damit wurde er Ende der 80er-Jahre, als die CD erfolgreich auf dem Vormarsch war, vor eine Herausforderung gestellt. „Die Plattenspieler wurden billig verarbeitet, aber teuer verkauft, „und das war für mich ein absolutes No-Go“, erklärt Lichtenegger, warum er nicht mit der Masse schwimmen wollte. „Eine CD liefert nur den Bruchteil von Informationen, die für ein außergewöhnliches Klangerlebnis aber nötig wären. Für bewusstes Hören war die CD nicht geeignet.“ Doch genau das war Lichteneggers Philosophie:

„Bewusst hören, bewusst in die Musik eintauchen.“ Deshalb würden auch viele Musiker wieder auf analog setzen, weil Musik viel intensiver dargeboten würde. Ein anderer Weg musste gefunden werden, den Lichtenegger bei einer Party 1990 durch viel Glück fand. Er lernte eine junge Frau kennen, die einen Plattenspieler von ihrem Onkel aus Tschechien mithatte. „Der Plattenspieler sah aus wie ein hässliches Entlein, aber die Klangqualität war klasse“, erinnert sich der Unternehmer.

Er fuhr nach Tschechien, kaufte 200 Stück, modifizierte sie und konnte sie innerhalb kürzester Zeit verkaufen. Nach längeren Diskussionen mit den Managern des tschechischen Werks, die dieses eigentlich schließen wollten, kam es schließlich zur Einigung und Lichtenegger ging mit einer Kleinserie in Produktion. „Von dem Zeitpunkt an ging es steil bergauf“, berichtet der Unternehmer. Der Pro-Ject 1 begann seinen Siegeszug. Anfang des Jahres 2000 wurden 30.000 Plattenspieler verkauft, bald steigerte sich das bis zu 60.000 Stück im Jahr.

„Schwamm stets gegen den Mainstream“

Nach Booms in England und Mitteleuropa wurden 2013 auch die Amerikaner auf die Pro-Ject-Plattenspieler aufmerksam. Zahlreiche HiFi-Awards, beispielsweise in England, Deutschland, Japan, Australien und den USA, sowie der begehrte EISA-Award wurden eingeheimst. Mittlerweile werden 120.000 Plattenspieler jährlich auf der ganzen Welt verkauft.

„Ich schwamm stets gegen den Mainstream und kreierte Herausforderungen zu neuen Ideen“, sagt Lichtenegger über den Weg seines Erfolges und sagt weiter: „Produkte, die aus Europa kommen, eine gute Qualität haben, aus wertvollen Materialien bestehen und einfach zu bedienen sind. Das war von Beginn an meine Idee, und die habe ich über die Jahre hinweg nicht aus den Augen verloren.“
Produziert wird bei Pro-Ject alles aus eigener Hand: von der Schraube bis zum Motor. Anfangs sehr schlicht gehalten, gibt es mittlerweile auch Hochglanzprodukte.

Der „Debut“-Plattenspieler war 1998 damals ein wichtiger Meilenstein. Er war der Erste, der in bunten Farben hergestellt wurde. Denn: „Jetzt geht es auch um den Fun-Faktor.“ Und laut Lichtenegger nach wie vor um Nachhaltigkeit: „Meine Geräte sind darauf angelegt, von Generation zu Generation weitergegeben zu werden. Außerdem gibt es eine 25-jährige Ersatzteilgarantie – so etwas gibt es weltweit nicht!“

„Eine CD liefert nur den Bruchteil von
Informationen, die für ein außergewöhnliches
Klangerlebnis aber nötig wären. Für
bewusstes Hören war die CD nicht geeignet.“
Heinz Lichtenegger

„Das Gefühl, nachhaltig zu leben, entwickelt sich seit Jahren mehr und mehr zum Life-style-Gefühl. Und dieses nachhaltige Konsumieren von Produkten hat mein Produkt groß gemacht“, sagt Lichtenegger. „HiFi und Plattenspieler – das braucht im Grunde genommen kein Mensch. Aber der Mensch braucht Dinge, die einen erfreuen“, ist er überzeugt. Für ihn selbst ist Musikhören ein Ritual: „Die Schallplatte und deren kunstvolle Hülle betrachten, bewundern, riechen, sie herausnehmen, fühlen und anschließend zu hören beginnen. Das hat einfach einen ganz besonderen Flair!“

Neben der Plattenspieler-Produktion hat der Weinviertler mit seiner Firma Audio Tuning seit über 37 Jahren einen der größten HiFi-Vertriebe in Österreich. Dieser Großhandel, der zu einem der größten in Europa zählt, hat über 50 Marken im Vertrieb und versorgt den Fachhandel mit Highend-Audio und Video-Lösungen.
Seit 2006 hat Lichtenegger mit „Box Design“ ein neues Steckenpferd:

Hochwertigste Elektronik in kleinen Gehäusen, die es erlauben, HiFi-Systeme modular nach eigenen Vorstellungen aufzubauen, die selbst höchsten Ansprüchen gerecht werden. „Es ist wie ein High-End-Lego in verschiedenen Qualitätsstufen, damit nichts Unnötiges gekauft werden muss“, erklärt Lichtenegger.

Neues Hauptquartier im Weinviertel

Anfang Mai beginnt HiFi-Weltmarktführer Heinz Lichtenegger neben seinem Standort in Wien ein neues Headquater mit Logistikzentrum im Wirtschaftspark Mistelbach-Wilfersdorf zu errichten.
  • Auf 12.200 Quadratmetern soll auf 4.500 Quadratmetern verbauter Fläche die gesamte Zentrale der beiden Hauptmarken Pro-Ject und Audio Tuning samt Logistik und Lager entstehen.

  • „Bisher war alles dezentralisiert. Das neue Hauptquartier soll unseren Ansprüchen als Weltmarktführer gerecht werden“, erklärt Unternehmer Heinz Lichtenegger. Die Lage des Wirtschaftsparks findet er dafür ideal, da Wien quasi vor der Haustür liegt und der Flughafen in der Nähe ist.

  • Das neue Headquater inklusive Logistikzentrum soll auch ein Erlebniszentrum werden: In einem Plattenspieler-Museum, bzw. eigentlich einer Plattenspieler-Klangwelt, sollen Meilensteine aus 50 Jahren Entwicklung präsentiert werden. Umgesetzt soll das Projekt von „Checkpointmedia“ werden, jene, die bereits die Swarovski-Kristallwelten in Szene gesetzt haben.