Erstellt am 11. Oktober 2016, 07:00

von Walter Fahrnberger

Sporthandel will neue Lehre. Neue Trends: WKNÖ will Lehrberuf des Sporttechnikers. Arbeiterkammer bremst.

Sportartikelhändler müssen bei Produkten wie E-Bikes immer öfter ihre technischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Deshalb fordert die Wirtschaftskammer den neuen Lehrberuf des Sporttechnikers.  |  NOEN, WKO

Die Sportartikelbranche ist im Wandel. Leistungen messbar zu machen wird für den sportinteressierten Kunden immer wichtiger. Unter dem Schlagwort „Wearbles“ (tragbare Computersysteme) werden Daten wie Streckenlänge, Herzfrequenz und Kalorienverbrauch aufgezeichnet. Auch Produkte werden komplexer und erfordern immer mehr technisches Know-how. Zum Beispiel sind bereits 20 Prozent der verkauften Fahrräder E-Bikes.

Michael Nendwich, neuer Spartenobmann der Sportartikelhändler in der Wirtschaftskammer NÖ.  |  NOEN, Gleiß

Diesem Trend will nun auch die Wirtschaftskammer Rechnung tragen und fordert den neuen Lehrberuf eines Sporttechnikers: „Nicht zuletzt im Skibindungsbereich bzw. bei den E-Bikes ist es für die Lehrlinge immer wichtiger, dass sie technisch versiert sind. Da braucht es Spezialisten“, erklärt Michael Nendwich, Obmann der Sparte Sportartikelhandel der Wirtschaftskammer Niederösterreich.

Der Persenbeuger ist Geschäftsführer des Verbands der Sportartikelhändler, betreibt in Lackenhof am Ötscher ein Intersport-Fachgeschäft und ist Inhaber einer Skischule. Nendwich hat erst vor wenigen Wochen Ernst H. Aichinger als Obmann der Sparte Sportartikelhandel abgelöst.

Umfrage: Bedarf an 130 Lehrlingen

Den Sporttechniker als neuen Lehrberuf zu installieren sieht Nendwich als zentrale Aufgabe in der neuen Funktion. Denn wie eine bundesweite Umfrage bei den großen Sportartikelhändlern ergeben hat, wäre der Bedarf für 130 Lehrlinge österreichweit vorhanden.

„Die Pläne liegen bereits beim Ministerium. Mit der Berufsschule in Ried im Innkreis gäbe es auch schon eine Einrichtung, wo alle Lehrlinge ihre Ausbildung absolvieren könnten. Unterrichtsfächer dafür sind schon ausgearbeitet“, zeigt sich Michael Nendwich startklar.

Auf die Bremse steigt jedoch die Arbeitnehmerseite. Dort sieht man keinen Bedarf, zusätzlich zum Sportartikelhändler einen neuen Lehrberuf anzubieten. „Wenn einem Betrieb die Ausbildung zu wenig ist, können Lehrlinge mit Schulungen spezialisiert werden. Dazu braucht es keinen neuen Lehrberuf“, sagt Günther Zauner, Lehrlingsexperte der Arbeiterkammer. „Kurse sind möglich, aber die brauchen extra Zeit. Der Bedarf für den Lehrberuf ist groß genug“, entgegnet Nendwich.

Zahlen & Fakten

Die Sportartikel-Branche in Niederösterreich, 2015:
Unternehmen 288
Beschäftigte im Jahresdurchschnitt  1.035
Gesamtumsatz 137 Mio. €
Lehrlinge 76