Erstellt am 29. November 2015, 05:58

Lehrausbildung liegt weiterhin im Trend!. Karl Fakler, Chef des AMS NÖ, über rückgängige Zahlen bei der Jugendarbeitslosigkeit und über die Suche der Wirtschaft nach bestens ausgebildeten Fachkräften.

 |  NOEN, Erich Marschik

Im Vergleich zum September des Vorjahres ist die Arbeitslosigkeit in Niederösterreich (Arbeitslose und SchulungsteilnehmerInnen) um 5,8 % gestiegen. Worin liegt die steigende Arbeitslosigkeit
begründet?

Fakler: Eine der Ursachen ist die schwache wirtschaftliche Dynamik in Europa sowie in Österreich. Heißt: Das Wirtschaftswachstum ist derzeit nicht kräftig genug, um den Bedarf nach Arbeitskräften so deutlich anzukurbeln, damit all jene, die arbeiten möchten, auch am Erwerbsleben aktiv teilnehmen können. Dennoch haben immerhin 60 % der knapp 12.800 zusätzlichen Arbeitskräfte in Niederösterreich einen neuen Job gefunden – so die Zahlen per Ende August 2015. Das ergibt mit 583.117 eine neue Rekordzahl bei den Aktivbeschäftigten in Niederösterreich. „Gegenüber dem August des Vorjahres verzeichnen wir hier ein
Plus von 1,5 %.

Wie geht es dem AMS NÖ bei diesen schwierigen Rahmenbedingungen?
Die Vermittlungsdrehscheibe AMS NÖ läuft trotzdem auf vollen Touren und ist trotz schwieriger Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt gut „unterwegs“. So haben die AMS-NÖ-MitarbeiterInnen bis einschließlich Ende September dieses Jahres knapp 41.500 freie Stellen und Lehrstellen mit einer passenden Arbeitskraft besetzt und 24.750 Vakanzen mit dem Anforderungsprofil „Lehrabschluss und höher“ akquiriert. Mittlerweile haben fast zwei Drittel (61,3 %) des gesamten AMS-NÖ-Stellenangebotes das Anforderungsprofil „Lehrabschluss und höher“.

Was ist zum Thema Jugendarbeitslosigkeit zu sagen?
65,6 Millionen Euro an Fördermitteln hat das AMS NÖ heuer für die Unterstützung des Berufseinstieges von jungen Menschen reserviert. Das entspricht 37 % unseres Budgets für aktive Arbeitsmarktpolitik. 11.186 Job- und Lehrstellensuchende im Alter bis 25 haben bis einschließlich Ende September davon profitiert. Nicht zuletzt deshalb zeichnet sich ein erfreulicher Trend ab: Die Zahl der arbeitslosen jungen Menschen in Niederösterreich ist – im Gegensatz zu allen anderen Altersgruppen – im Vorjahresvergleich mit einem Minus von 2,5 % auf insgesamt 6.920 zurückgegangen. Anfang Oktober war etwa jede/r Achte arbeitslose/r NiederösterreicherIn nicht älter als 25 Jahre.

Und die Lehrlinge? Was zeichnet sich in diesem Bereich ab?
Die Zahl der jungen Menschen, die ins Berufsleben einsteigen können, wird in den nächsten Jahren stagnieren bzw. sogar leicht abnehmen. Im Jahr 2014 ging die Zahl der 15-Jährigen in Niederösterreich auf 14.100 Personen weiter zurück. 37 % von ihnen haben sich für eine Lehre und somit für eine berufliche Ausbildung entschlossen. Dieser Trend – rückläufige demografische Entwicklung bei gleichbleibendem Anteil der Lehrlinge im 1. Lehrjahr – wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen.

Wird die Wirtschaft nach wie vor gut ausgebildete Fachkräfte suchen?
Ja, sogar intensiv. Klar ist: Je besser die Ausbildung, desto höher die Chance, rasch (wieder) Arbeit zu finden. Und dem AMS NÖ fällt die Aufgabe zu, Jugendliche optimal zu informieren und zu beraten, damit sie einen vernünftigen Kompromiss treffen können. Denn die Entscheidung, welchen Beruf man/frau ergreifen sollte, findet im Beziehungsfeld zwischen persönlicher Eignung und Neigung sowie der aktuellen Lage am Arbeitsmarkt statt.