Erstellt am 03. Mai 2016, 05:04

von Anita Kiefer

NÖ will Geschäfte mit Iran. Eine niederösterreichische Delegation stattete dem Iran einen viertägigen Besuch ab, um Geschäfte für die mitgereisten NÖ Unternehmen anzubahnen.

Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav war im Iran gefragte Interviewpartnerin für zahlreiche Fernsehstationen.  |  NOEN, Anita Kiefer

Iran. Dieses Land wird gerne mit Schah Reza Pahlavi, mit strengen Kleidungsvorschriften für Frauen und mit der Historie der Perser in Verbindung gebracht. Seit der Aufhebung der Atomsanktionen vor einigen Monaten ist das Land aus einem anderen Grund interessant geworden: Wirtschaftdelegationen aus der ganzen Welt pilgern in den Iran, um auf diesem Markt die Grundsteine für wirtschaftliche Beziehungen zu legen. Eine Delegation von 30 NÖ Unternehmen, angeführt von Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav (VP), war eine davon. Bohuslav sieht in den Bereichen Maschinen- und Anlagenbau, Bauwesen sowie Energie- und Umwelttechnologie Potenzial für NÖ Unternehmen im Iran.

„Wir haben sechs Firmen besucht und Anfragen für 15 verschiedene Anwendungsbereiche mitgenommen“, zieht der mitgereiste NÖ Unternehmer Thomas Welser Bilanz über die Reise. Welser ist Geschäftsführer der Welser Profile GmbH aus Ybbsitz. Sein Unternehmen, das Sonderprofile und Sonderprofilrohre für etwa die Nutzfahrzeugindustrie herstellt, hatte bereits Beziehungen mit dem Iran und hat jetzt zum Teil alte Kontakte wieder reaktiviert.

„Wir haben sechs Firmen besucht und Anfragen 
für 15 verschiedene Anwendungsbereiche mitgenommen.“
Thomas Welser, Geschäftsführer Welser Profile Austria.

Eine Firma, die aufgrund der Sanktionen ihre Geschäfte mit dem Iran abbrechen musste, ist Riegl Laser Measurement Systems mit Sitz in Horn. Viel verspricht sich Firmenvertreter Nikolaus Studnicka vom Treffen mit dem iranischen Vizeminister für Industrie, Bergbau und Handel, Mojtaba Khosrowtaj. Dieser bot den Unternehmen an, ihn mit ihren Anliegen direkt zu kontaktieren. „Wir werden ihm ein Proposal mit unseren Referenzen schicken“, so Studnicka. Riegl führt 3D-Scans durch, aktuell etwa die Vermessung von 240.000 Straßenkilometern in China. „Es ist ein Abtasten in B2B-Gesprächen“, also in Gesprächen zwischen den Unternehmern, erklärt Helmut Miernicki, Geschäftsführer der NÖ Wirtschaftsagentur ecoplus, wie auf Marktsondierungsreisen Geschäfte entstehen.

Iraner hoffen auf Technologietransfer

Noch mehr als die österreichischen Unternehmen sind es die Iraner, die möglichst schnell Beziehungen mit Firmen aus dem Westen eingehen wollen. Die Iraner hoffen vor allem auf Technologietransfer. Was den Geschäften jedoch noch entgegensteht, sind die Nachwirkungen der Sanktionen: Banktransaktionen in und aus dem Iran sind noch schwer möglich.

Die mitgereisten Vizepräsidenten von Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung, Christian Moser bzw. Andreas Ludwig, sind zufrieden mit der Reise. Moser ortete „Sympathien aus der Vergangenheit heraus“ gegenüber Österreich und sieht diese als Startvorteil. Ludwig bezeichnete den Iran als „spannenden Markt“, auf dem mit etwas Geduld viel erreicht werden könne. Das erklärte NÖ Ziel: In den kommenden fünf Jahren soll das Exportvolumen in den Iran von aktuell 40 Millionen Euro auf 100 Millionen Euro pro Jahr gesteigert werden.

Ein Kopftuch im Iran zu tragen war für Landesrätin Bohuslav übrigens kein Problem. Sie passe sich an die Vorschriften in einem Land an, so Bohuslav. „Ich erwarte aber, dass die Menschen, die mit und bei uns leben wollen, sich auch unseren Werten anpassen.“