Erstellt am 12. September 2017, 01:42

von Anita Kiefer

Berglandmilch-Chef Josef Braunshofer im Gespräch. Berglandmilch-Chef Josef Braunshofer über volatile Preise, Genossenschaften und Erkältungen der Milchwirtschaft.

Mit einer breiten Produktpalette will die Berglandmilch die volatilen Milchpreise abfangen.  |  Erich Marschik

Die Berglandmilch hat per September zum wiederholten Mal heuer die Erzeugermilchpreise angehoben. Vor einem Jahr gab es einen Preisverfall der Milch. Warum ist der Milchpreis so volatil?

Josef Braunshofer: Die staatlichen Eingriffe in den Milchmarkt gehen gegen Null. So werden Märkte volatiler. Volatilität ergibt sich aus Angebot und Nachfrage. Innerhalb von Europa gibt es keine Zölle mehr. Viele Produkte hängen von der Preissituation her sogar am Weltmarkt dran. Aus all dem ergibt sich Volatilität.

Sie können nicht prognostizieren, wie es weitergeht?

Braunshofer: Nein. Die Prognose, die ich mir zutraue ist, dass es bis Jahresende mit Sicherheit stabil ist.

Die Bauern müssen sich also einfach daran gewöhnen?

Braunshofer: Das klingt ein bisschen brutal. Wir versuchen als Genossenschaft abzufedern. Wir versuchen, mit Markenprogrammen entgegenzuwirken und auch mit einer breiten Palette.

Welche sind die dringendsten Probleme, die die Milchbauern aktuell haben?

Braunshofer: Die Volatilität der Preise ist das dringendste Problem. Ansonsten: Mitzuhalten mit Erwartungen der Gesellschaft, etwa bei Tierhaltung und Fütterung. Die österreichische Milchwirtschaft war vor zehn Jahren die erste in Europa, die auf gentechnikfreie Fütterung umgestellt hat. Wir als Berglandmilch waren die Ersten, die seit knapp einem Jahr kein Futtermittel aus Übersee verwenden. Jetzt erst stellen deutsche Molkereien auf gentechnikfreie Fütterung um. Uns muss jetzt gelingen zu vermitteln, dass hochwertige Produkte auch ihren Preis haben.

Die Genossenschaften sind in der Vergangenheit immer wieder in der Kritik gestanden, auch was die Freie Milch betrifft. Nämlich, dass sie Ihren Lieferanten zu wenig bezahlen würden. Was sagen Sie dazu?

Braunshofer: Wir sind eine Genossenschaft, gehören knapp 11.000 Mitgliedern und sind zunächst diesen verpflichtet. Wir haben daneben noch Lieferanten, die nicht Eigentümer des Unternehmens sind. Man darf nicht vergessen, dass ein Genossenschaftseigentümer Geschäftsanteile zeichnen muss, mit denen er haftet. Das ist nicht dasselbe, wie wenn ich nur Lieferant bin.

Die Berglandmilch hat 2016 in Aschbach ein neues Hochregallager eröffnet. Ziel war unter anderem, keine Fremdlager mehr zu nutzen. Ist das umgesetzt? Und: Sie haben in einem Telefonat damals nicht verraten, was Sie durch das Aus der Fremdlager einsparen. Verraten Sie es jetzt?

Braunshofer: Über diese Einsparungen reden wir grundsätzlich nicht, das bleibt Vorstandssitzungen vorbehalten. Aber ich kann Sie informieren, dass wir einen Auslastungsgrad von 90 bis 95 % haben und die Fremdlager, die wir schließen wollten, geschlossen haben.

Sie haben in Interviews ein neues Werk zur Milchpulvererzeugung mittelfristig für möglich gehalten. Gibt es da Neues?

Braunshofer: Wir haben unser bestehendes Trockenwerk in Ried und schauen jetzt, wohin sich der Pulvermarkt bewegt und wie wir dabei sein wollen. Da sind wir in Überlegungen.

Wann werden die konkreter?

Braunshofer: Mitte bis Ende des kommenden Jahres.

Das heißt, ein neues Werk ist nicht ausgeschlossen?

Braunshofer: Wir werden die Pulverpalette entsprechend erweitern, alles andere ist noch nicht entschieden. Es wird aber keinen zusätzlichen neuen Standort geben.

Ganz grundsätzlich: Wie wichtig ist Ihnen der Export und wie viel Luft ist da noch nach oben?

Braunshofer: Exportmärkte sind noch volatiler als der Heimmarkt. Wir exportieren knapp 50 Prozent unserer Menge. Auch außerhalb von Europa sind Drittlandexporte ein Thema. Da ist China ganz wichtig. China ist weltweit der größte Importeur von Milchmolkereiprodukten. Wenn China hustet, hat die österreichische Milchwirtschaft eine Erkältung.