Erstellt am 24. Mai 2016, 05:44

von Martin Gebhart

„Schutzmantel für die Mieter“. Der neue Obmann der ARGE Wohnen, Manfred Damberger, über leistbares Wohnen in NÖ, das Errichten von Billig-Wohnungen und das Verhältnis zu den Architekten.

Manfred Damberger, Obmann der ARGE Wohnen NÖ: »Werden mit Baukostenobergrenzen arbeiten.«  |  NOEN, ARGE

NÖN: Sie haben die Obmannschaft der ARGE Wohnen übernommen. Wie wichtig ist diese Organisation für den Wohnbau?
Damberger: Ich bin jetzt nahezu drei Jahrzehnte in der gemeinnützigen Wohnbauwirtschaft tätig. Ich habe die Obmannschaft mit einem gewissen Stolz übernommen, weil es mir wichtig ist, das gemeinnützige Wohnbausystem in Niederösterreich – wie es über Jahre und Jahrzehnte funktioniert – zu erhalten und weiter auszubauen. Der gemeinnützige Wohnbau in unserem Bundesland ist eine Sicherheitsleistung, ein Schutzmantel für den Mieter, für den Eigentümer, den er in einer anderen Organisation kaum finden wird.

Worin besteht diese Sicherheit, was ist dieser Schutzmantel?
Damberger: Wir arbeiten als gemeinnütziges Unternehmen mit dem Land als Fördergeber und den Gemeinden als Mitorganisatoren von Baugrundstücken eng zusammen. Wer zu uns kommt, bestellt die Ware Wohnung, bestellt die Ware Haus – egal in welcher Rechtsform, ob Miete, Eigentum oder Sonderformen – und hat einen Tag X, an dem er genau weiß, dass geliefert wird, was er bestellt hat. Genau zu dem Preis, den man ihm im Vorfeld gesagt hat. Das ist die eine große Sicherheit. Die zweite Sicherheit ist die Finanzierungssicherheit während seiner Wohndauer. Und die dritte, die wir immer mehr in den Mittelpunkt stellen müssen, ist unsere hochprofessionelle Hausverwaltung.

Reden wir über die Finanzierung. Wie gut können die Gemeinnützigen leistbares Wohnen anbieten? Damberger: Niederösterreich ist da ein sehr spannendes Bundesland. Wir haben verschiedene Regionen, wo es naturgemäß Zuzug gibt, wenn ich mir etwa den Speckgürtel rund um Wien anschaue. Im nördlichen Waldviertel oder teilweise im alpinen Bereich hat man eher noch mit der Abwanderung zu kämpfen. In diesem Spannungsverhältnis müssen wir Wohnraum anbieten. Natürlich will jeder weiterhin beste Qualität und beste Lage zu niedrigen Kosten. Ich glaube, dass uns das in der Vergangenheit gut gelungen ist. In der Gegenwart müssen wir sehr stark daran arbeiten, aber vor allem künftig muss es uns gelingen, leistbaren Wohnraum zu schaffen. Es ist eine neue Wohnbauförderung geplant, wo wir seitens des Landes spezielle Rahmenbedingungen bekommen werden, wo wir auch mit Baukostenobergrenzen arbeiten werden.

Leistbarkeit ist vor allem rund um Wien eine Herausforderung: Höhere Grundstückspreise und weniger Fläche.
Damberger: Wohnbau ist sehr stark in Verbindung mit Raumordnung. Wir Wohnbauer kommen erst zu einem Zeitpunkt, wo die Raumordnung die Flächenwidmung abgeschlossen hat. Daher wird es eine ganz spannende Herausforderung für die Raumordnung, diesen Speckgürtel in Griff zu bekommen. Wir wissen, dass die Grundstückspreise dort eklatant hoch sind. Das hat auch zur Folge, dass die Menschen bereit sind, sich etwas weiter weg von den Zentralräumen anzusiedeln. Das ist speziell in den vergangenen Monaten stark spürbar. Trotzdem wird auch im Speckgürtel gebaut. Das ist aber nur mit einer gewissen Verdichtung möglich. Wir suchen gemeinsam mit der Raumordnung auch höhere Bauklassen zu bekommen – außerhalb der echt urbanen Bereiche –, um hier durch den mehrgeschoßigen Wohnbau wieder Preise zu erzielen, die leistbar sind. Auch in diesen teuren Grundstücksbereichen.

Wird in Niederösterreich eigentlich genug Wohnraum geschaffen, kann die Nachfrage befriedigt werden?
Damberger: Laut aktuellem Stand baut die gemeinnützige Wohnbauwirtschaft, die Unternehmungen der ARGE, rund 4.000 Einheiten im heurigen Jahr. Diese hohe Anzahl ist möglich, weil wir – das muss ich lobend erwähnen – von der Wohnbauförderung des Landes derzeit wirklich gut ausgestattet werden. Das Land investiert mehr in die Wohnbauförderung als die Gelder, die vom Bund kommen. Hier sind wir gut unterwegs.

Wie sehen Sie das Projekt „Wohn.Chance“, das billigstes Wohnen ermöglichen soll?
Damberger: Die Idee der Wohnchance NÖ ist eine grundsätzlich sehr gute. Wir haben dieses Projekt seitens der ARGE-Unternehmungen seit Beginn dieses Jahres in Angriff genommen und sind jetzt ganz kurz vor der Umsetzung des ersten Projektes. Wir haben – durchgeplant von namhaften Architekten – entgegen erster Befürchtungen ein wirklich schönes Wohnhaus mit acht Wohnungen entwickeln dürfen. Die Ausschreibungsphase ist mehr oder weniger abgeschlossen. Wir sind kurz vor der Vergabe. Es sollen und werden 100 Häuser in ganz Niederösterreich flächendeckend errichtet. Es wird auch gelingen, das von der Landesregierung gesteckte Ziel, nämlich dass eine Wohnung mit 58 Quadratmetern nicht mehr als 250 Euro plus Mehrwertsteuer monatlich kostet, erreichen.

Wie gut ist das Verhältnis der Wohnbaugenossenschaften zu den Architekten? Wie schön wird gebaut?
Damberger: Ich selbst durfte vor zehn Jahren bei der Gestaltung des Leitfadens „Planung und Gestaltung in NÖ“ mitarbeiten. Seither müssen alle unsere Projekte, die NÖ Wohnbauförderung bekommen, einen Planungswettbewerb durchlaufen, wenn sie mehr als 36 Wohneinheiten umfassen. Bei weniger als 36 Wohneinheiten sind wir verpflichtet, einen Gestaltungsbeirat anzurufen, dem auch drei namhafte Architekten angehören. Ich glaube, ich habe selbst mehr als 100 Gestaltungsbeiräte hinter mir und ich kann nur Positives berichten. Dort wird bewiesen, dass leistbarer Wohnbau auch architektonisch vertretbar ist. An den Auftraggebern liegt es allerdings, das Spannungsverhältnis zwischen neuer Architektur und leistbaren Preisen zu verbinden.


Zum Thema

Manfred Damberger wurde am 4. April einstimmig zum neuen Obmann der ARGE Wohnen NÖ gewählt. Er folgt damit Walter Mayr nach. In der ARGE Wohnen sind 16 gemeinnützige Wohnbaugenossenschaften in NÖ zusammengefasst.