Wiener Neudorf

Erstellt am 18. Mai 2017, 10:26

von NÖN Redaktion

Ei, wo kommt deine Verpackung her?. Das Kunststoff umweltfreundlicher als Karton ist, mag verblüffen. Nicht Ovotherm: Die Firma arbeitet mit Recycling-Material.

„Essen Sie zwei weiche Eier zum Frühstück und Sie haben bis zum Mittagessen keinen Hunger.“ Franz Hofer weiß viel über die Hühnerprodukte, obwohl er keinen Hof besitzt und kein Ernährungsberater ist.

Sein Unternehmen beschäftigt sich mit dem Transport des Eies: Ovotherm aus Wiener Neudorf produziert Verpackungen für die ovale Ware – und das nicht aus dem in Österreich dominierenden Material Karton. Ovotherm setzt auf Kunststoff und gibt einerseits die Umweltfreundlichkeit als Grund dafür an. „Ich brauche für unser Produkt nur einen Bruchteil der Energie und des Wassers“, erklärt Hofer, dass darin kein Widerspruch liegt. Im Vergleich zum Eierkarton benötigt die Kunststoffpackung außerdem viel weniger Lagerplatz: Doppelt so viele Hüllen können etwa in einem Lastkraftwagen untergebracht werden. „Ich kann sie viel enger stapeln“, führt der Geschäftsführer aus.

Franz Hofer.  |  www.rolandpum.com

Der Clou steckt im Detail: Das Produkt wird aus recycelten Mineralwasserflaschen hergestellt und ist wiederverwertbar. Der sinnvoll eingesetzte Rohstoff „Müll“ soll aber nicht nur der Umwelt zugutekommen, sondern auch einem grundsätzlichen Bedürfnis des Konsumenten. Er wolle grundsätzlich gerne sehen, was er kauft. „Das Produkt Ei ist in Österreich das einzige tierische Lebensmittel, das undurchsichtig verpackt wird“, berichtet der Fachmann. „In Asien finden Sie fast keine Papierverpackungen.“ Der Kontinent ist für Ovotherm ein wichtiger Zukunftsmarkt.

Die Firma besteht seit 50 Jahren und hat sich über die Antiplastikkampagne in den 1980er Jahren hinwegsetzen können, wie Hofer erzählt. Seitdem habe sich der Gedanke in den Köpfen festgesetzt, dass Karton umweltfreundlicher sei als Kunststoff. Das verneint aber eine 2016 veröffentlichte Ökobilanz-Studie von Denkstatt, einer Wiener Beraterfirma mit Schwerpunkt auf Umweltschutz.

Kleiner CO2-Abdruck und weniger Abfälle

Hilfreich ist, dass Ovotherm zu 100 Prozent rezykliertes Material verwendet. Die Hüllen weisen den geringsten CO2-Fußabdruck aller gebräuchlichen Ei-Verpackungen auf, so Denkstatt. 2015 erhielt Ovotherm zudem den „Green Packaging Star Award“. Die Jury zog eine Zahl aus dem Jahr 2013 zur Begründung heran: 10.870 Tonnen CO2 konnten durch die Produktion aus Recycling-Material vermieden werden. Das entspricht einer Einsparung von 48 Millionen Kilometern eines Personenkraftwagens.

Und: Der im Jahre 2014 durchgeführte Test einer britischen Supermarktkette zeigte eine Reduktion von Lebensmittelabfällen im Handel auf: Eierbruch konnte um durchschnittlich 30 Prozent (eine Milliarde Eier pro Jahr) vermieden werden. Das Faktum war ein Mitgrund für die Verleihung des Awards bei der Verpackungstagung „Impackt“ in Bad Erlach: Diese wird vom Forschungsinstitut Ofi mit einer Verpackungszeitschrift organisiert.

250.000 Eier werden pro Stunde verpackt

Wie funktioniert es? Die Plastikflaschen, meist aus Ungarn, werden zusammengeschreddert, zur Reinigung gekocht und getrocknet. Alle Materialien – Verschlüsse und Etiketten – können schon im Vorfeld voneinander getrennt werden. Die Maschinen machen sich dabei die physikalischen Gesetze zunutze. Aus dem Granulat entsteht eine Folie, die – erhitzt –  in Form gebracht wird. Die selbst entwickelten Anlagen können pro Stunde bis zu 250.000 rohe, gekochte, auch gefärbte Eier verpacken. Die Produktion befindet sich seit 2010 in Ungarn, von dort kommt auch großteils der Rohstoff. Die Geschäfte werden über den Firmensitz in Wiener Neudorf abgewickelt. 98 Prozent der Verpackungen werden exportiert, etwa nach Westeuropa wie England und Spanien, auch nach Singapur, Thailand und in arabische Länder. 60 Nationen werden beliefert.

Otto Normalverbraucher setzt sich kaum damit auseinander, wer für die Verpackung eigentlich sorgt. „In der Industrie kennt uns jeder in der Welt, aber für den Konsumenten sind wir völlig unbekannt“, erzählt Hofer. Das Ei hat dafür einen ganz anderen Stellenwert: Viel wird über die Hühnerhaltung und die Ernährung debattiert. Hofer selbst beschäftigt sich ebenso intensiv mit dem ovalen Nahrungsmittel. 365 Eier werden pro Kopf in Mexiko gegessen, weiß er zum Beispiel. 200 sind es in Österreich. Die Engländer und Inder essen beispielsweise noch weniger.

„Ein Ei enthält alle Spurenelemente und Vitamine – außer Vitamin C“, freut es ihn, dass „endlich“ das Cholesterin-Thema vom Tisch ist. So ist er sich sicher, dass nicht nur seine Verpackung ein gutes Produkt ist.

Ovotherm gehört übrigens zu den Weltmarktführern in Sachen Klarsichtverpackung fürs Ei.