Ternitz

Erstellt am 24. August 2016, 08:42

SBO setzt weitere Sparmaßnahmen. Der börsennotierte Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann (SBO) leidet weiterhin unter den ölpreisbedingt geringen Investitionen der Ölbranche.

www.sbo.at

Dadurch sinken Aufträge und Umsätze bei SBO. Der Verlust des Unternehmens, das weitere Sparmaßnahmen setzt, erhöht sich im Halbjahr jedoch nur mehr auf 16,9 Mio. Euro, nach bereits 15 Mio. Euro Minus im ersten Quartal.

Der Umsatz halbierte sich bis Juni auf 88,0 Mio. Euro, um 52,9 Prozent weniger. Der Auftragseingang sank um 28,4 Prozent auf 75,0 Mio. Euro, und der Auftragsstand lag zum 30.6. bei 21,1 Mio. Euro, nach 34,3 Mio. Euro Ende 2015 bzw. 60,9 Mio. Euro Mitte 2015, teilte SBO am Mittwoch mit.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) drehte im Jahresabstand von positiven 45,1 Mio. Euro auf negative 5,7 Mio. Euro, nachdem heuer auch im ersten Quartal schon ein kleines Minus stand. Das operative Betriebsergebnis (EBIT) vor Sondereffekten lag bei minus 28,9 Mio. Euro; das berichtete EBIT sackte auf minus 36,2 Mio. nach positiven 19,3 Mio. Euro ab.

Als Antwort auf das schwierige Marktumfeld setzt SBO seine Kostenreduktionsmaßnahmen fort. So wurden die Investitionen in Sachanlagen und immaterielles Vermögen (CAPEX) im Halbjahr um 54,0 Prozent auf 5,9 (12,9) Mio. Euro zurückgefahren, ausgenommen davon blieb der Bereich F&E. Zudem werden die Betriebe in Singapur restrukturiert: Zu Ende des zweiten Quartals wurde beschlossen, die beiden Töchter dort miteinander zu verschmelzen, das soll nachhaltige Kostenvorteile bringen.

Auch das Personal bleibt nicht verschont: Die Kurzarbeit am Standort Ternitz in NÖ wurde bis 31. Jänner 2017 verlängert, der Personalstand von SBO lag Ende Juni bei 1.183, ohne die in Texas zugekaufte Downhole Technology waren es 1.028 (nach 1.135 Ende 2015 und 1.279 Mitte 2015). "Dies entspricht einer Reduktion seit Beginn des Abschwungs im Jahr 2014 von mehr als 40 Prozent", so SBO. Ende 2014 hatte der Ölfeldausrüster noch 1.720 Mitarbeiter gezählt.

"Auch für längere Durststrecke gerüstet"

Die gesamte Oilfield-Service-Industrie sei als Folge der niedrigen Ölpreise und der am Markt verfügbaren hohen Rohöl-Mengen von erheblichen Investitionskürzungen betroffen. Aufgrund des hohen Cash-Bestands, ihrer geringen Nettoverschuldung und der hohen Eigenkapitalquote sei SBO "auch für eine längere Durststrecke gerüstet", wird im Ausblick betont.

SBO besitze eine "kerngesunde Bilanzstruktur", auch nach der Downhole-Technology-Akquisition für 103 Mio. Dollar habe SBO zum 30.6. über eine solide Eigenkapitalquote von 54,7 Prozent verfügt, nach 60,8 Prozent Ende 2015. Die liquiden Mittel seien bei 137,9 (196,3) Mio. Euro gelegen, die Nettoverschuldung bei 59,7 Mio. Euro (nach 26,2 Mio. Euro Nettoliquidität Ende 2015). Man verbessere die Kostenbasis und investiere gezielt in Wachstum. Die Kapazitäten würden weiter an die Marktlage angepasst. Die Strategie, neue Märkte für Produkte im Segment Oilfield Equipment zu erschließen, werde fortgesetzt.

SBO-Chef erwartet 2017 Trendwende

Der Chef des niederösterreichischen Ölfeldausrüsters Schoeller-Bleckmann (SBO), Gerald Grohmann, erwartet 2017 ein Ende des Ungleichgewichts am Ölmarkt, wodurch die Ölindustrie zu neuen heiß ersehnten Investments veranlasst werden könnte. 2016 sei aber auch für SBO ein "extrem schwieriges Jahr", das gelte auch für die nächsten Quartale, so Grohmann: "Der Abschwung ist noch nicht vorbei."

Die Erwartung sei, dass es 2017 zu einer Balance von Angebot und Nachfrage auf den internationalen Ölmärkten kommt und deshalb von den Playern der Ölindustrie wieder mehr investiert wird. Je länger die Investitionsflaute anhalte, desto größer werde auch der Nachholbedarf sein, "denn man kommt möglicherweise in eine Under-Supply-Situation hinein".

Gerald Grohmann, Vorstandsvorsitzender: »Ich gehe davon aus, dass die Talsohle noch nicht erreicht ist.«  |  NOEN, Christian Jungwirth/Schoeller-Bleckmann

Bis dahin müsse man sich auf eine gewisse Zeit der Volatilität einstellen. Ja, die Zahl der Ring-Counts, also der neuen Bohrlöcher, sei schon länger - etliche Wochen - im Steigen begriffen, "aber wir sehen noch nicht, dass die Ölfirmen in einem größeren Ausmaß in Exploration und Produktion investieren - ganz im Gegenteil". Die entsprechenden Investitionen würden nämlich heuer um weitere 26 Prozent zurückgehen, lauten Schätzungen, nach bereits 21 Prozent Minus im Jahr 2015.

"Poker um Marktanteile"

Seitens der Konjunktur sieht Grohmann durchaus eine lebhaftere Ölnachfrage. In China habe sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt. Aber die ohnedies recht vorsichtige Internationale Energie-Agentur (IEA) habe die Erwartung für den weltweiten Ölverbrauchsanstieg im Jahr 2016 von früher plus 1,2 Mio. Barrel täglich auf nunmehr +1,5 mb/d hinaufgesetzt - und im letzten Quartal habe der Anstieg im Schnitt sogar 1,6 Mio. Fass pro Tag betragen, so der SBO-Chef am Mittwoch im Gespräch.

Die Erwartungen für das geplante OPEC-Treffen Ende September in Algerien hängt Grohmann entsprechend früherer Erfahrungen nicht allzu hoch: "Auch bisherige Treffen sind meist ohne große Auswirkungen geblieben." Es gebe ein Tauziehen zwischen sunnitischen und schiitischen Einflussbereichen, und der auf den Ölmarkt zurückgekehrte Iran wolle auch sein Stück vom Kuchen. Endlos könne "das Spiel" aber nicht gehen, denn die Saudis und der Iran würden bereits nahe ihres Maximums fördern. Allerdings könne dieser "Poker um Marktanteile" den Aufschwung noch etwas hinauszögern, meint der SBO-Chef.

Aufgrund der guten Bilanzstruktur sieht Grohmann die SBO gut gerüstet für den für 2017 erhofften Rebound. Möglicherweise könne man von der Trendwende sogar besser profitieren als andere Ölfeldausrüster - "es wird eine Marktbereinigung kommen, die vielleicht nicht alle Konkurrenten so gut überleben wie wir".

Zum vergleichsweise geringen Verlust im zweiten Quartal betont Grohmann, dass dies einem einmaligen Sondereffekt zu verdanken sei, der mit der Neubewertung einer Option zum Erwerb von Minderheitsanteilen an der Tochter Resource zusammenhängt. Im Halbjahr führte die Bewertung zu einem nicht cash-wirksamen Einmalertrag von 10,5 Mio. Euro.

Zum Stammsitz Ternitz in NÖ ist Grohmann froh, während der Kurzarbeit den Mitarbeiterstand von knapp 320 halten zu können.