Erstellt am 01. März 2016, 06:14

von Heinz Bidner

„Der dritte Desaster-Winter“. Rechnungen und Löhne teils erst verspätet beglichen - trotz kräftiger Eigentümer-Zuschüsse.

Die avisierten 20 Millionen Euro schweren Umbaupläne des Panhans Grand Hotel samt neuem Mega-Spa-Bereich sollten bereits im Frühjahr 2015 präsentiert werden. Passiert ist bislang nichts.  |  NOEN, Franz Baldauf

Verspätete Lohnzahlungen, Arbeiterkammer-Interventionen, Mahnungen und Inkassoforderungen: Hinter den Kulissen der Panhans-Gruppe, die am Semmering bisher laufend mit Immobilien-Zukäufen in Erscheinung trat, regiert im Geschäftsalltag sichtbare Geldnot.

Dabei begann alles wie ein Wintermärchen: Vor über drei Jahren kaufte eine mehrheitlich ukrainische Investorengruppe das insolvente Flaggschiff vor Ort – das Panhans Grand Hotel. Danach übernahm sie mit ihrer Panhans Holding Group zahlreiche weitere marode Immobilien. Zuletzt folgte im vergangenen Sommer das Bergrestaurant Liechtensteinhaus.

Die Muttergesellschaft der Holding sitzt in Form der Renco Invest AG im Niedrigsteuerland Schweiz. Welche Aktionäre dahinter stehen, wird vom Unternehmen nicht bekannt gegeben und scheint auch im Schweizer Handelsregister nicht auf.

Millionenschwere Zuschüsse statt Gewinne

Ein generelles Problem, wie aus dem heimischen Firmenbuch für das zuletzt vorliegende Geschäftsjahr 2014 hervorgeht: Trotz millionenschwerer Zuschüsse der Eigentümer weisen fast alle Gesellschaften am Semmering kräftige Bilanzverluste aus – meist zwischen einigen 100.000 Euro und wenigen Millionen Euro.

Das Eigenkapital ist nahezu überall aufgezehrt. Nach Angaben der Gruppe soll aber ein Teil der Schulden aus steuerlichen Gründen auf Eigentümer-Darlehen fußen – versehen mit Nachrangigkeitserklärungen im Insolvenzfall. Details werden nicht genannt.

Finanziell eng ist die Situation auch im Geschäftsalltag. Seit Anfang 2014 – und verstärkt im letzten Quartal 2015 – mehren sich die Beschwerden über Zahlungsverzögerungen, wie die NÖN nun erfuhr. Vor allem bei der Panhans Hotelmanagement GmbH, die als Betriebsgesellschaft auch Personal für die Tourismusbetriebe der Gruppe bereitstellt.

In den vergangenen zwölf Monaten meldeten sich etwa zehn Dienstnehmer bei der Neunkirchner Bezirksstelle der Arbeiterkammer NÖ. 

„Es ging um Auskünfte über Kündigungen, einvernehmliche Auflösungen und verspätete Lohnzahlungen“, berichtet Gerhard Windbichler von der Arbeitnehmervertretung. In drei Fällen habe die Kammer beim Dienstgeber deswegen interveniert.

Zahlungsverzögerungen samt zunehmender Inkassofälle sind auch bei den Gläubigerschutzverbänden KSV1870 und Creditreform dokumentiert.

Heuer dritter „Desaster-Winter“ in Folge

„Der Semmering kann sich heute, so wie er ist und wie er es in der Vergangenheit war, nicht selbst tragen“, erklärt Viktor Babushchak. Der gebürtige Ukrainer lebt seit vielen Jahren in NÖ und Wien und ist als Geschäftsführer die zentrale Figur der Panhans-Gruppe.

„Wir haben nun den dritten Desaster-Winter“, erzählt er angesichts der warmen Witterung weiter: „Es gab schwierige Zeiten.“ Das habe bei den Zahlungen zu gewissen Verzögerungen geführt. „Aber alle haben ihr Geld bekommen“, versichert er.

Dass die roten Zahlen bei den Betrieben nicht noch schlimmer aussehen, liege an den Eigentümern, die kräftig Geld zugeschossen hätten, so Babushchak: „Sonst wären die Betriebe gar nicht überlebensfähig.“ Die Schuldenstände würden sinken, Details möchte er nicht nennen.

Wie lange werden die Eigentümer zusehen, wenn es häufig schlechte Winter gibt, zumal das Klima tendenziell immer wärmer wird? „In einer fünfzehnjährigen Periode hat man immer solche Fälle“, meint der Panhans-Holding-Chef. Und: „Wir werden die Anzahl unserer Schneekanonen erhöhen.“

Zeitpläne über die vor zwei Jahren angekündigten Investitionen – etwa beim Grand Hotel oder bei den Pisten – will er lieber nicht nennen: „Ich habe gelernt, nichts mehr zu früh anzukündigen.“ Es würden immer wieder unerwartete Hürden auftauchen. Die avisierte Summe von 50 Millionen Euro hält er weiterhin für realistisch. Allerdings nur „Schritt nach Schritt“.

Heftiges Dementi zu Geldwäsche-Vorwürfen

In der Zwischenzeit sei man nicht untätig gewesen, so Babushchak. So wäre man etwa vor wenigen Monaten eine Kooperation mit dem großen ukrainischen Skigebiet Bukovel eingegangen. Damit gelten dortige Skipässe auch am Semmering. Eine Auswertung über den Erfolg der Maßnahme gebe es noch nicht, so Babushchak.

Dass den mehrheitlich ukrainischen Eigentümern von Teilen der Bevölkerung Geldwäsche unterstellt wird, weiß Babushchak: „Ich habe vieles gehört. Ich habe auch gehört, dass wir am Semmering einen Flughafen geplant haben. Nur: Wo soll es hier Geldwäsche geben, wenn wir hart schuften müssen, damit wir den Ort zusammenhalten?“ Man würde Geld zuschießen und nicht rein wirtschaftlich denken.

Mit dem Unmut in Semmering tut sich Babushchak überhaupt schwer: „Es ist für mich eine große Herausforderung, die Investoren bei Laune zu halten. Gerade diese Kritik sehe ich ganz, ganz negativ.“ Nachsatz: „Falls die Investoren das Gefühl bekommen, dass sie hier nicht gewünscht sind, könnte es sein, dass der Wille zu Investitionen enorm abschwächt.“


Panhans-Gruppe

Struktur. Zur Panhans-Gruppe gehören elf miteinander verflochtene Gesellschaften in Semmering. Darunter ist auch die Panhans Hotelmanagement GmbH, die unter anderem Personal für die anderen Firmen bereitstellt. Nach Unternehmensangaben sind – je nach Saison – insgesamt 150 bis 300 Personen beschäftigt.

An Immobilien gehören zur Gruppe unter anderem: Panhans Grand Hotel (113 Zimmer), Zauberbar, Sporthotel (95 Zimmer), Ring Eventgastronomie, Kurhaus Dr. Stühlinger (45 Zimmer), Bergrestaurant Liechtensteinhaus, Bergbahnen Semmering-Hirschenkogel.

Eigentümer. Lediglich am Grand Hotel hält Viktor Babushchak, Geschäftsführer der Gruppe und einiger Töchter, seit dem Vorjahr fünf Prozent. Alles andere gehört der Renco Invest AG mit Sitz im Schweizer Pfäffikon. Wer hinter Renco Invest steht, wird nicht verraten. Es soll sich um internationale Investoren handeln, vorwiegend aus der Ukraine.