Erstellt am 07. Juni 2016, 10:00

von Anita Kiefer

Ein neues Tarif-System. Der Verkehrsverbund Ostregion ändert sein mehr als 30 Jahre altes Zonensystem um. Drei Jahre wurde an der Umstellung gearbeitet, die ab 6. Juli kommen wird.

Die ÖBB sind eines der größten Verkehrsunternehmen im VOR.  |  NOEN, APA/Herbert Pfarrhofer
Einfach, fair und umfassend soll es sein, das neue Tarifsystem des Verkehrsverbundes Ostregion (VOR). Ab 6. Juli werden die Tarifsysteme des VOR und des Verkehrsverbundes NÖ-BGLD (VVNB) durch einen Streckentarif ersetzt. Zuerst die Einzeltickets, ab 1. August werden auch die Monats- und Jahreskarten umgestellt.

Wesentlichste Änderung: Das Zonensystem ist Geschichte. Künftig muss der Kunde beim Kauf eines Tickets nur seine Fahrstrecke definieren und nicht mehr alle durchfahrenen Zonen addieren. Das neue System orientiert sich an Gemeindegrenzen und läuft beim Ticketkauf im Hintergrund ab.

Für 90 Prozent der Fahrgäste soll sich vor allem preislich nichts ändern bzw. sie profitieren vom neuen System, so die VOR-Geschäftsführer Wolfgang Schroll und Thomas Bohrn. Unterm Strich soll das neue Tarifsystem erlösneutral sein. Eine Preiserhöhung gebe es nicht.

x  |  NOEN, Erich Marschik


Für einige Kunden werde es aber auch Preisnachteile geben, räumte Bohrn ein. Etwa bei Überlappungszonen. Ein Beispiel für eine solche ist die Zone 270, durch die man etwa über die Badner Bahn bis Wien Meidling ohne Wiener Linien-Ticket fahren kann. Künftig muss ab Stadtgrenze bis zum Zielort in Wien ein Wiener Linien-Ticket gelöst oder beim Ticketkauf dazugenommen werden.

Stadtverkehre im Abfahrts- bzw. Zielort inkludiert

Neu gibt es künftig im VOR Ermäßigungen für Senioren und Behinderte und Tageskarten. Außerdem sind die Stadtverkehre im Abfahrts- bzw. Zielort künftig im Ticket inkludiert.



Preisbeispiel: Eine Jahreskarte von St. Pölten nach Wien kostet aktuell ohne Stadtverkehr in St. Pölten 1.585 Euro. Künftig kostet das Jahresticket mit Stadtverkehr 1.588 Euro. Oder: Die Strecke Perchtoldsdorf-Wien kostete bisher inklusive Kernzone 783 Euro als Jahresticket, künftig werden es 605 Euro sein.

Ein Einzelticket gilt auf einer Strecke für alle Verkehrswege, die „sinnvoll vorwärtsstrebend“ die Fahrt ermöglichen, erklärt Wolfgang Schroll. Zeitkartenbesitzer erhalten ein persönliches Netz an Verkehrswegen, die genützt werden können. Dieses ist über den neuen Ticketshop online ersichtlich und kann am Schalter erfragt werden.

Seit 1984 gibt es das alte System

Für dieses Tarifsystem hat sich der VOR viel Zeit gelassen. Seit 1984 gibt es das alte System. Den Wunsch nach einem neuen Tarifsystem gebe es seit mehr als zehn Jahren. „Der konkrete Arbeitsauftrag ist ungefähr drei Jahre alt“, so Wolfgang Schroll. Ursprünglich geplant war die Einführung für 2014, die technische Umsetzbarkeit habe diesen Termin verzögert.

Was die Ausarbeitung des neuen Tarifsystems gekostet hat, will man nicht genau sagen. Wolfgang Schroll bezifferte die Kosten mit einem „einstelligen Millionenbetrag“.

Die private Westbahn ist in dieses Tarifsystem nicht eingebunden – sie ist seit 2013 nicht mehr im VOR. Das wird bis auf Weiteres auch so bleiben: Es gebe keine Gespräche mit der Westbahn, so Thomas Bohrn.
Der VOR hat aktuell rund 50 Verkehrsunternehmen, die jährlich mehr als eine Milliarde Fahrgäste transportieren. www.vor.at