Erstellt am 05. April 2016, 08:05

von Anita Kiefer

Protest gegen Milchpreis. Die Bauern der IG Milch haben in Wien gegen Milchpreisverfall demonstriert. Ihre Forderung nach nationaler Quote lehnt MGN-Geschäftsführer Leopold Gruber-Doberer ab.

Die Vertreter der IG Milch protestierten gegen die niedrigen Milchpreise - und überschütteten symbolisch eine Weltkugel mit Milchpulver.  |  NOEN, Foto: APA/Georg Hochmuth

Einiges an (medialem) Aufsehen erregte am Donnerstag der Protest der IG Milch vor dem Haus der EU in Wien. Knapp 200 Bauern hatten sich versammelt, um gegen die niedrigen Milchpreise und die aus ihrer Sicht falsche Agrarpolitik zu protestieren. Anlass war der Wegfall der Milchquote, der sich Ende März zum ersten Mal jährte.

Almosen wolle man keine, betonte IG Milch-Obmann Ewald Grünzweil, aber ein Milchmengensteuerungsmodell. Es sei „g’scheit, wenn es das EU-weit gibt“. Solche Modelle könnten aber auch national funktionieren, so Grünzweil – er setzt dabei auf die Konsumententreue.

Was den Preis angeht, so brauche es für konventionelle Milch einen Milchpreis von 50 Cent, um gewinnbringend produzieren zu können, für Biomilch 60 Cent, so Grünzweil. Aktuell liegen die Preise bei 27 bis 29 Cent bzw. 40 Cent.

„Populismus – und der hat uns noch nie geholfen“

Für Leopold Gruber-Doberer, Geschäftsführer der Milchgenossenschaft NÖ (MGN), kann es hingegen nur Zielmengenvereinbarungen innerhalb Europas geben. Die MGN hält 25 Prozent Anteile an der NÖM AG, die übrigen 75 Prozent Eigentümeranteile liegen bei der Raiffeisen Holding NÖ-Wien.

Eine Lösung für den Milchpreisverfall hat Gruber-Doberer nicht. „Da werden wir mit Sicherheit noch ein Tal der Tränen zu durchschreiten haben.“ Nationale Quotenlösungen haben für ihn keinen Sinn, da 50 Prozent der in Österreich produzierten Milch ins europäische Ausland verkauft werden. Nationale Quoten zu fordern sei für ihn „Populismus – und der hat uns noch nie geholfen“, so Gruber-Doberer.

Die NÖM AG hat mit der Genossenschaft übrigens eine Beschränkung der angelieferten Menge vereinbart. Maximal 394 Millionen Kilo Milch dürfen angeliefert werden, für diese Menge ist der Preis vertraglich festgelegt. Wird mehr angeliefert, fallen die Kosten auf die Genossenschaft  – also die Bauern – zurück.

Dass die Situation aus Sicht der Bauern aktuell „sehr schwierig“ ist, das betonten sowohl Berglandmilch-Geschäftsführer Josef Braunshofer als auch NÖM-Marketing-Vorstand Al-fred Berger. Bei der Berglandmilch, die eine Produktionsstätte in Aschbach-Markt im Bezirk Amstetten hat, wurden im Vorjahr insgesamt 1,27 Milliarden Kilogramm Milch angeliefert. Eine betriebliche Quotenregelung mit Preissanktionen bei Überlieferung, wie sie etwa die Gmundner Milch hat, werde es bei der Berglandmilch keine geben, so Braunshofer. Bei der NÖM AG wurden 2015 383 Millionen Kilo Milch angeliefert.

Sowohl bei der Berglandmilch als auch bei der NÖM AG erhalten die Bauern aktuell rund 28 Cent für ihre Milch.