Erstellt am 09. Februar 2016, 03:38

von Martin Gebhart

"Punkten mit Regionalität“. Vorstandssprecher Günther Ritzberger über Hypo-Alpe-Adria-Debatten, ein schwieriges Umfeld für Banken, regionale Strategien und Fitnessprogramm für die Bank.

 |  NOEN, Hypo NÖ

NÖN: Hypo-Alpe-Adria-Affäre, Hypo-U-Ausschuss, haben Sie sich da manchmal nicht gewünscht, dass Ihre Landesbank einen anderen Namen hat?

Ritzberger: Manchmal vielleicht. Allerdings muss man da zwischen der breiten Öffentlichkeit und unseren eigenen Kunden unterscheiden. Die eigenen Kunden wissen sehr wohl, dass die Hypo Niederösterreich etwas anderes ist und mit der Hypo-Alpe-Adria nichts zu tun hat. Wenn man Neukunden gewinnen will, bedarf es jedoch deutlich mehr an Überzeugungs- und Erklärungsarbeit. Natürlich ist es uncharmant, wenn das Thema permanent in den Schlagzeilen ist. Es ist dann meist nicht die Rede von der Hypo-Alpe-Adria, sondern nur von der Hypo. Da werden mehr oder minder alle in einen Topf geworfen.

Abgesehen von der Hypo-Alpe-Adria-Affäre, das Umfeld für Banken, um am Markt agieren zu können, ist überhaupt schwieriger geworden. Stichwort Bankenabgabe oder EU-Regeln.

Ritzberger: Wie vor der Finanzkrise das Pendel zu sehr in Richtung Liberalisierung ausgeschwungen hat, schlägt es jetzt in Richtung zu starker Regularisierung aus. Das Risiko, das ich da sehe, ist, dass man die Banken so sehr knebelt, dass dann, wenn der Wirtschaftsaufschwung wirklich kommt und die Unternehmen wieder mehr Finanzierungen brauchen würden, die Banken wegen der neuen Regulative nicht so leicht und nicht so gut mitkönnen, sodass das ein zusätzlicher Wirtschaftsbremsklotz wird. Man darf nicht vergessen, dass die Banken- und Finanzwelt nach wie vor ein wesentlicher volkswirtschaftlicher Bestandteil ist.

Die Hypo NÖ setzt in ihrer Strategie auf Regionalität. Was verstehen Sie darunter?

Ritzberger: Für uns bedeutet Regionalität, dass wir die Spareinlagen, die wir in Niederösterreich einsammeln, auch hier wieder für den Wohnbau verwenden. Das ist wirklich eine regionale Umlage von Leuten, die Geld haben und Geld anlegen wollen, zu Leuten, die Geld für die Eigenheimfinanzierung benötigen und wieder ausgeben können. Das kann der kleine Häuslbauer sein, aber genauso auch der genossenschaftliche und geförderte Wohnbau, wo wir sehr stark im Geschäft sind. Das ist unser wichtigstes Standbein.

Sie haben im Vorjahr ein regionales Sparbuch mit einem fixen Zinssatz von einem Prozent angeboten. Sind Sparbücher angesichts des permanent niedrigen Zinssatzes noch attraktiv?

Ritzberger: Die Aktion ist sehr gut gelaufen. Es gibt zwar eine Verschiebung von Spareinlagen zu Online-Festgeldkonten und Onlinesparguthaben, aber die Landesbank ist im ersten Halbjahr 2015 bei den Spareinlagen um 3,4 Prozent gewachsen, alle österreichischen Banken im Vergleichszeitraum nur um 0,73 Prozent. Da sieht man, dass das Thema Regionalität schon punktet und den Leuten wichtig ist zu wissen, was passiert mit ihrem Geld.

Eine Frage der Regionalität ist immer auch das Filialnetz. Welchen Weg geht da die Hypo NÖ: Schließen oder ausbauen?

Ritzberger: Prinzipiell muss man sich die Nutzung der Standorte durch die Kunden genau anschauen. Die Anzahl jener Kunden, die die Standardbankgeschäfte von zu Hause aus machen, die wird immer größer. Insofern muss man überlegen, welche Standorte sich auch in der Zukunft noch rechnen. Aber wir schließen auch nicht aus, neue Standorte zu eröffnen. Auch das schauen wir uns an.

Dass man sich alle Standorte genau anschaut, ist ein Teil des Fitnessprogrammes, das sich die Hypo NÖ auferlegt hat. Warum wurde das gestartet?

Ritzberger: Vor mehreren Jahren haben die Banken noch von einer Nettozinsmarge von drei bis vier Prozent leben können. Beim heurigen Zinsumfeld wird der Nettozinsertrag immer geringer. Das klassische Margengeschäft aus dem Kundengeschäft heraus wird immer enger. Letztendlich muss man darauf reagieren. Wenn die Ertragsseite zurückgeht, muss ich auf der Kostenseite dementsprechende Maßnahmen ergreifen.

Was ist dabei das Ziel?

Ritzberger: Prinzipiell steht alles auf dem Prüfstein. Ziel ist es, weiterhin ertragreich als Bank agieren zu können, aus dem eigenen Geschäft heraus Kapitalzufuhr gewährleisten zu können. Das heißt, aus den Jahresüberschüssen auch Eigenkapital aufzubauen.

Was bedeutet das für das Team, für das Personal?

Ritzberger: Viele der Maßnahmen, die wir hier zu setzen haben, können wir allein durch die natürliche Fluktuation stemmen. Das haben wir in Wahrheit auch in den vergangenen ein, zwei Jahren schon sehr erfolgreich umgesetzt.

Was ist das Besondere daran, wenn man Landesbank ist?

Ritzberger: Dass man auch den öffentlich rechtlichen Auftrag hat, als Bank des Landes dazu beizutragen, die wirtschaftspolitischen Ziele des Landes mitzutragen und mit umzusetzen. Nicht allein nur nach rein betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten Filialen sofort zu schließen, sondern auch noch zu überlegen, was können wir dazu beitragen, um dort zusätzlich Impulse in der Region zu setzen.