Erstellt am 17. November 2015, 05:58

von Heinz Bidner

"Schenken ist krisensicher". NÖ-Obmann Franz Kirnbauer erwartet zu Weihnachten ein Umsatzplus in den Geschäften. Eine Sonntagsöffnung ist für ihn nur in Ausnahmefällen denkbar.

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Großen ausländischen Online-Händlern und dem Trend zu Wellness-Gutscheinen zum Trotz: Franz Kirnbauer, Handelsobmann in der Wirtschaftskammer NÖ, hofft beim heurigen Weihnachtsgeschäft auf eine leichte Steigerung gegenüber dem Vorjahr.

Damals lag der Mehrumsatz im Dezember bei 300 Millionen Euro. „Wir erwarten im Lichte der konjunkturellen Rahmenbedingungen ein Plus von ein bis zwei Prozent“, sagt der Experte. Inflationsbereinigt wäre das ein Anstieg von maximal einem Prozentpunkt.

„Allgemein gilt beim Weihnachtsgeschäft weiter, dass das Schenken krisensicher und für die Menschen ein so wichtiges Thema ist, dass hier kaum gespart wird“, so der Handelsobmann. Im Vorjahr hätten die Niederösterreicher nach einer Konsumentenbefragung im Schnitt 370 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgegeben: „Hier erwarten wir für 2015 einen ähnlichen Wert.“

Eine generelle Sonntagsöffnung lehnt Kirnbauer selbst zu Weihnachten ab. Es gebe ohnehin Ausnahmeregelungen. Im Rahmen der Adventmeile planen etwa Betriebe in Baden, ihre Geschäfte am Sonntagnachmittag offenzuhalten.

Das sei grundsätzlich rechtens, so Kirnbauer. Einerseits dürften in Tourismusgemeinden wie Baden Handelsbetriebe am Sonntag von 8 bis 20 Uhr offenhalten. Andererseits sei im Rahmen von Märkten und Gelegenheitsmärkten ein Offenhalten von Verkaufsstellen in der jeweiligen Katastralgemeinde während der Marktzeiten möglich. Wichtig in beiden Fällen: Laut NÖ-Öffnungszeitenverordnung ist keine Beschäftigung von Dienstnehmern möglich.

„Diese Ausnahmeregelungen für inhabergeführte Geschäfte wurden bewusst in die NÖ-Öffnungszeitenverordnung eingefügt, um Chancen aus dem Tourismus und Chancen durch lokale Veranstaltungen wie Märkte besser nutzen zu können“, erklärt Kirnbauer.

Nullwachstum fürs Gesamtjahr

Wie wird das Jahr 2015 für den Handel insgesamt ausfallen? Der Experte ist optimistisch. Denn nach den Daten der KMU-Forschung wies NÖ in der konjunkturellen Entwicklung im Handel ein Plus von 0,5 Prozent aus. Real – also inflationsbereinigt – ist das ein Minus von 0,3 Prozent. Für Oktober wurde ein Aufwärtstrend prognostiziert. Und die Wirtschaftsforscher erwarten heuer und 2016 bei den privaten Haushalten steigende Konsumausgaben.

„Unter diesen Rahmenbedingungen erwarte ich im vierten Quartal ein leichtes Anziehen der Handelsumsätze“, meint Franz Kirnbauer. Für das Gesamtjahr erwartet er ein knappes Plus von einem Prozent, was real ein Nullwachstum wäre.

Besonders gespannt ist man im Handel auf 2016. Dann sollte ja die Steuerreform in den Brieftaschen der Menschen spürbar werden. „Eine moderate Umsatzsteigerung im Vergleich zu 2015 sollte damit jedenfalls begünstigt werden“, hofft der Handelsobmann.

Dennoch schwingt auch ein wenig Unsicherheit mit. Diskutiert wird ja seit längerem über eine flächendeckende Lkw-Maut. „Das würde die Effekte aus der Steuerreform konterkarieren“, warnt Kirnbauer. Es würde wohl Produkte verteuern und damit den Konsum bremsen.

Was den Handel im kommenden Jahr noch bewegen wird, ist die geplante Kollektivvertragsreform. Wie berichtet, soll die Gehaltskurve abgeflacht werden und für Einsteiger attraktiver werden. „Gleichzeitig soll das neue Verwendungsgruppenschema stark veränderte Tätigkeitsfelder im Handel berücksichtigen“, so Kirnbauer. Im ersten Halbjahr könnten die Verhandlungen zwischen den Sozialpartnern abgeschlossen werden.