Erstellt am 10. Mai 2016, 07:24

von Anita Kiefer

4.330 kamen zur Schuldnerberatung. Durchschnittliche Verschuldung der Klienten lag im Vorjahr bei rund 81.730 Euro.

Die höchste Verschuldung eines Klienten der Schuldnerberatung Niederösterreich lag 2015 bei rund sechs Millionen Euro.  |  NOEN, www.BillionPhotos.com/Shutterstock.com

In Österreich sind erstmals die Arbeitslosen die größte Gruppe an Verschuldeten. Das verrät der vergangene Woche vom Dachverband der staatlich anerkannten Schuldnerberatungen präsentierte Schuldenreport 2016. 41 Prozent der Klienten von Schuldnerberatungen waren 2015 ohne Job, 2008 lag dieser Wert noch bei 28 Prozent.

Die Situation in Niederösterreich ist da etwas anders. „Das Verhältnis liegt – entgegen dem Bundestrend – ziemlich konstant bei 30 Prozent arbeitsloser Klienten“, erklärt Michael Lackenberger, Geschäftsführer der Schuldnerberatung NÖ.

Scheidung, gescheiterte Selbstständigkeit, zu viel Konsum

2015 wurden bei der Schuldnerberatung NÖ rund 4.330 Personen betreut, etwa 2.040 davon mit Erstberatungen. Die durchschnittliche Verschuldung der Personen lag im Vorjahr bei rund 81.730 Euro – ein Plus von 3,7 Prozent gegenüber 2014. Die niedrigste Verschuldung betrug 688 Euro, die höchste rund sechs Millionen Euro.

Laut Michael Lackenberger ist der häufigste Verschuldungsgrund Arbeitslosigkeit bzw. Einkommensverschlechterung. Davon waren 38 Prozent betroffen. Knapp jeweils jeder Fünfte verschuldete sich aufgrund von Scheidung/Trennung, wegen gescheiterter Selbstständigkeit und wegen des Konsumverhaltens.

Je niedriger das zur Verfügung stehende Einkommen,
umso mehr wird dieses für Lebenserhaltung
vollständig aufgebraucht.
Michael Lackenberger

Ein großes Problem: Je niedriger das Einkommen, desto schwieriger ist eine Schuldenregulierung. „Je niedriger das zur Verfügung stehende Einkommen ist, umso mehr wird dieses für die Lebenserhaltung vollständig aufgebraucht. Wenn dann nicht von dritter Seite, zum Beispiel Familienangehörigen, eine Unterstützung möglich ist, ist eine vollständige Schuldenregulierung fast aussichtslos“, weiß Lackenberger. „Man kann in diesen Fällen etwa durch Stundungsvereinbarungen lediglich versuchen, etwas den Druck auf die betroffenen Klienten zu mildern.“

Generell sind mehr Männer (58 Prozent) als Frauen verschuldet. Männer sind auch höher verschuldet als Frauen – nämlich mit durchschnittlich rund 89.130 Euro, während dieser Wert bei Frauen bei rund 71.400 Euro liegt. Und: Bereits sieben Prozent der Bis-25-Jährigen sind verschuldet.

Schulden schlagen sich bei den Betroffenen auch auf die Gesundheit, weiß Lackenberger: „Eine Umfrage hat ergeben, dass Schulden und Gesundheit in direktem Zusammenhang stehen.“ So fühlen sich 73 Prozent der Verschuldeten gestresst, 63 Prozent haben Depressionen und 60 Prozent Schlafstörungen.