Erstellt am 21. September 2015, 09:42

von Heinz Bidner

Weniger Bankfilialen, dafür Trainingszentren. Standortzahl wird in Niederösterreich weiter sinken. Kunden sollen von Betreuern im Online-Banking trainiert werden.

Künftig soll es weniger, aber bessere Filialen geben: Franz Pruckner (l.) und Gerhard Fabisch.  |  NOEN, Fotos: zVg
„Wir wissen, dass der digitale Weg übers Internet in den letzten Jahren stark zugenommen hat“, sagt Franz Pruckner, Obmann des Landesverbandes der 16 NÖ-Sparkassen und Vorstandschef der Waldviertler Sparkasse, zur NÖN. Die Sparkassen hätten darauf reagiert und etliche Apps ins Leben gerufen. Besonders stolz ist er auf das individualisierbare Online-Banking namens George.

Andererseits sei aus Umfragen klar, so Pruckner, dass selbst die online-affinen Jugendlichen mehrheitlich noch den persönlichen Kontakt zum Betreuer haben wollen. Allerdings nicht bei Geldtransaktionen, sondern bei beratungsintensiveren Produkten. „Wir wollen daher beide Welten verbinden“, erklärt Franz Pruckner.

Kunden neue Technologien erklären

Dem bestehenden Filialnetzen räumt Gerhard Fabisch, Präsident des Österreichischen Sparkassenverbandes, dabei einen hohen Stellenwert ein. Die Standorte sollen auch als „Trainingszentren“ fungieren, skizziert er den nächsten Schritt im Sektor: „Wir werden daher in den Filialen so etwas aufbauen müssen, um unseren Kunden die neuen Technologien zu erklären, damit sie damit umgehen können.“

Eines habe sich auch gezeigt, so Franz Pruckner: „Ich muss die Filiale nicht ums Eck haben, denn die Leute sind gewohnt, dass sie für eine gute Beratung und gut ausgestattete Filiale auch ein paar Kilometer weiter fahren.“

Rund 2.000 Kunden pro Filiale zu wenig

Die Sparkassen müssten ihre Filialstruktur so festlegen, dass sie qualitativ gute Bankfilialen hätten. In NÖ würden derzeit im Schnitt nur etwa 2.000 Kunden auf eine Filiale kommen. Betriebswirtschaftlich gesehen, sei das eine sehr geringe Anzahl, so Gerhard Fabisch.

„Wir vermuten, dass diese hohe Dichte dazu führen wird, dass wir in zehn Jahren in Österreich weniger Filialen haben werden“, meint Fabisch. Eine Zahl könne er nicht nennen, da es keine Strategie dazu gebe.
Zur Relation: In NÖ gibt es derzeit 226 Filialen und 26 Bankterminals in OMV-Stationen – um drei weniger als im Jahr davor. Dazu kommen 33 Filialen des Sparkassen-Spitzeninstituts Erste Bank.