Erstellt am 15. März 2016, 17:20

von Marlene Penz

Start der 1. Strom-Bojen-Anleihe. Seit 2006 gibt es in der Wachau Strom-Bojen - schwimmende Wasserkraftwerke, die die Bewegungsenergie des Wassers zur Stromerzeugung nutzen.

Fritz Mondl mit einer Stromboje.  |  NOEN, Aqua Libre
Entwickelt wurden diese Ökostromproduzenten von der Aqua Libre Energieentwicklungs-GmbH (ALEE) in Zusammenarbeit mit dem Pumpenhersteller KSB. Nun hat es der dritte Prototyp in der Donau zur Serienreife gebracht und die erste Strom-Bojen-Anleihe wird begeben.

Die Strom-Boje ist ein frei schwimmendes Wasserkraftwerk. Die Bewegungsenergie des Wassers wird bei dieser umweltfreundlichen Art der Energieerzeugung genutzt. Aus der Strömung von fließenden Gewässern wird mit Hilfe einer Art Propeller, dem Rotor, Strom erzeugt. Es funktioniert ähnlich wie bei Windkraftwerken. Die Strom-Boje wird am Grund des Flusses verankert, ist über ein Kabel mit dem Festland verbunden und speist so Strom in das Netz ein.

Die Vision von Aqua Libre-Geschäftsführer Fritz Mondl, der die Idee zur Strom-Boje hatte, ist, die Wachau energieautark zu machen. „In der Donau im Bereich der Wachau gibt es 14 Standorte, die für Strom-Bojen-Parks geeignet sind. Eine Boje erzeugt Strom für rund 70 Haushalte - 70.000 Haushalte sind es insgesamt in der Wachau“ erklärt Mondl.

Erste österreichische Strom-Bojen-Anleihe

Für die Finanzierung setzt man auf eine Begebung von Anleihen und hat die Aqua Libre Finanzierungs-GmbH gegründet. Es ist die erste österreichische Strom-Bojen-Anleihe, die nur möglich ist, weil am 1. September 2015 das Alternativfinanzierungsgesetz - besser bekannt als „Crowdfunding-Gesetz“ – in Kraft getreten ist. Laut diesem Gesetz gilt bei einem Emissionsvolumen von unter fünf Millionen die Prospektpflicht light. Prospekte sind Zusammenstellungen über etwa Information und Art von Wertpapieren.

Daher hat die Aqua Libre Finanzierungs-GmbH das Volumen auf 4,99 Millionen Euro beschränkt. Anleihen werden in einer 1.000-Euro-Stückelung vergeben und sind mit vier Prozent pro Jahr verzinst.

Großes Interesse aus anderen Ländern

Voraussetzung für den Einsatz von Strom-Bojen ist eine durchschnittliche Strömungsgeschwindigkeit über zwei Meter pro Sekunde und eine Wassertiefe von mindestens drei Metern. „Es gibt in Österreich nicht nur die Donau, die geeignet wäre. Auch Mur, Enns, Inn und Salzach sind mögliche Standorte für Strom-Bojen-Parks. Großes Interesse für unsere Strom-Bojen kommt auch aus Südamerika, aus dem Amazonasgebiet, aus Asien und Afrika, aber auch der Schweiz und Deutschland“, erklärt Fritz Mondl. Es zeigt sich, dass Marktchancen weit über die heimischen Grenzen bestehen.

Aqua Libre hat sich eine Erstproduktion von 15 Stück durch die Anleihen-Finanzierung zum Ziel gesetzt. Durch die Stückzahlen werden die Produktionskosten von rund 300.000 Euro pro Strom-Boje auf rund 250.000 Euro gesenkt. Mondl erklärt, dass Aqua Libre in Zukunft in erster Linie produzieren möchte und nicht Betreiber der Strom-Bojen sein wird. In Niederösterreich gibt es laut Fritz Mondl Interesse von Seiten der EVN.

Neun genehmigte Standorte in der Wachau

Derzeit gibt es neun genehmigte Standorte in der Wachau und weitere 100 projektierte Standorte in Österreich, der Schweiz, Slowakei und Deutschland. Durch die Begebung der ersten Strom-Bojen-Anleihe soll bereits zum Start in größeren Mengen kostengünstig produziert werden, damit sich das Unternehmen in Zukunft weniger abhängig macht von Förderungen, so Mondl.