Erstellt am 24. November 2015, 05:13

von Anita Kiefer

Start-ups: USA sollen Vorbild sein. Das NÖ-Exportvolumen in die USA soll in den kommenden fünf Jahren auf eine Milliarde gesteigert werden.

Auf der Greenbuild, der größten Messe der Welt für nachhaltiges Bauen, in Washington: Helmut Miernicki, Geschäftsführer der NÖ Wirtschaftsagentur ecoplus (v. l.), VP-Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav, Thomas Salzer, Obmann der Sparte Industrie in der NÖ Wirtschaftskammer, und Josef Kolarz-Lakenbach von der NÖ Industriellenvereinigung. Foto: zVg/Peter Cutts  |  NOEN

Ein 22-jähriger Österreicher, der in die USA geht und 2011 ein Unternehmen gründet, das heute 2.000 Kunden hat. Moritz Plassnig, heute 26, hat das Unternehmen Codeship gegründet, das Softwareentwicklern Hilfestellungen anbietet. Und ist eines von vielen Beispielen für Start-ups, die in Amerika Erfolg haben.

Um zu klären, warum Gründer in die USA gehen und wo es Exportchancen für NÖ Unternehmen gibt, machte sich eine Delegation aus Vertretern von Landespolitik, Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung und Unternehmern auf.. Die Reise führte nach New York, Boston und Washington. Am Programm standen etwa Besuche beim MIT, dem Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, beim Cambridge Innovation Centre, dem größten Co-working Space für Start-ups in Boston, und der Greenbuild in Washington, der weltweit größten Messe für nachhaltiges Bauen.

Die Erkenntnisse: Zum einen wolle man die Start-ups untereinander besser vernetzen, so VP-Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav. Zum anderen wolle man die Verbindung zwischen Unternehmen und venture capital, also Risikokapital, herstellen. „Außerdem wollen wir die Unternehmen motivieren, über den Tellerrand zu schauen“, so Bohuslav. Man habe aber die Bestätigung bekommen, dass man mit Initiativen wie der Gründungsagentur RIZ und der Vernetzungsplattform wirsind1.at auf dem richtigen Weg sei.

Ziel: Gründungswillige im Land halten

Was die USA von Österreich grundlegend unterscheidet, ist die Mentalität. „Es gibt hier eine Kultur des Scheiterns“, so ecoplus-Geschäftsführer Helmut Miernicki. Jetzt sei das Ziel, „ein Umfeld in Niederösterreich zu schaffen, um die Gründungswilligen im Land zu halten.“

Das erklärte Ziel der NÖ-Außenpolitik laut Landesrätin Bohuslav: Die Exporte in die USA in den kommenden fünf Jahren von aktuell 840 Millionen Euro auf eine Milliarde zu steigern. Das entspricht einer Steigerung von fünf Prozentpunkten pro Jahr.

Die Politik müsse die entsprechenden Rahmenbedingungen machen, „aber nicht venture capitalist sein“, betonte der Obmann der Sparte Industrie in der NÖ Wirtschaftskammer, Thomas Salzer. Ihm fehle etwa eine Gesellschaftsform wie eine kleine Aktiengesellschaft, wie es sie in der Schweiz und in Deutschland gibt. Josef Kolarz-Lakenbacher von der NÖ Industriellenvereinigung betonte die „Vernetzung zwischen Bildungseinrichtungen wie dem MIT und der Start-up-Szene“ in Amerika  – auch hier wolle man in NÖ ansetzen.

Wer bereits auf Qualität aus NÖ setzt, ist UN-Generalsekretär Ban Ki-moon. Der Schreibtisch in seinem Büro in New York stammt von der Firma Svoboda aus St. Pölten, die Sitzmöbel stellte der Polstermöbelhersteller Wittmann aus Etsdorf/Kamp zur Verfügung. Im Zuge der Delegationsreise wurden die Möbel, die bereits durch das NÖ- Transportunternehmen Gebrüder Weiss geliefert wurden, von den Unternehmensvertretern mit Landesrätin Bohuslav übergeben. Dass NÖ-Unternehmen das Büro des UN-Generalsekretärs ausstatten, ist einer Initiative des ehemaligen österreichischen Botschafters, der Landesregierung und der Wirtschaftsagentur ecoplus zu verdanken.