Erstellt am 04. August 2013, 16:58

teils später und teurer. abgespeckt. Baufortführungen fast überall auf Eis. Budgetierte Kosten teilweise überzogen.

Die Mariazeller Straße B20 in St. Pölten soll mittels Traisental-Schnellstraße S34 vom Verkehr entlastet werden.Straubinger  |  NOEN, Straubinger
Von Heinz Bidner

Straßenverkehr emotionalisiert. Das bekommt die Straßenfinanzierungs-Gesellschaft des Bundes, die Asfinag, in NÖ deutlich zu spüren. Hier gibt es regelmäßig Bürgerproteste von lärmgeplagten Anrainern oder Straßengegnern zu den geplanten Autobahnen und Schnellstraßen – wie zuletzt etwa in Poysdorf zur Nordautobahn A5.

Wie genau hält aber die Asfinag die Ankündigungen zur zeitlichen Umsetzung von Bauprojekten und die avisierten Kosten ein? Die NÖN hat den aktuellen Bau-Rahmenplan der der Straßengesellschaft für die Jahre 2013 bis 2018 mit jenem für die Jahre 2011 bis 2016 verglichen. Die Ergebnisse sind ernüchternd.

Kräftige Teuerungen bei Nord-Autobahn A5

Erst Ende Juli gab es eine Demo mit rund 40 Teilnehmern zur geplanten Verlängerung der Nordautobahn A5 von Schrick bis Poysbrunn. Ausgangspunkt des Bürgerprotestes waren die ursprünglichen Ansagen der Asfinag, dass 2013 mit dem Baubeginn zu rechnen wäre. Zuletzt wäre aber 2014 genannt worden, so Gertrude Riegelhofer, Bürgermeisterin von Poysdorf.

Nach Definition der Asfinag sind beide Zeitpunkte richtig: Noch heuer soll demnach mit den Bauvorbereitungsarbeiten samt Rodungen begonnen werden, die Hauptarbeiten sollen Mitte 2014 starten. Noch wesentlicher: Die voraussichtliche Verkehrsfreigabe hat sich mit 2016 nicht verändert.

Unverändert blieben auch die Planungen für die Umfahrung Drasenhofen. Als voraussichtlicher Baubeginn ist 2015/2016 angeführt, die Verkehrsfreigabe mit 2016/2017. Der restliche Bereich zwischen Posybrunn und Staatsgrenze fehlt im Rahmenplan gänzlich.

Vergleicht man die Asfinag-Rahmenpläne der Jahre 2011 und 2013, fallen indes Teuerungen auf. Der A5-Abschnitt Schrick-Poysbrunn steht demnach aktuell mit 324 statt 311 Millionen Euro (+4,2%) in den Büchern. Wie Thomas Grünstäudl, Leiter der Planungsabteilung der Asfinag Bau Management GmbH, auf NÖN-Anfrage erklärt, liege das insbesonders an den zusätzlich geplanten Pannenstreifen, während ursprünglich nur Pannenbuchten vorgesehen gewesen wären.

Dass der Umfahrungsabschnitt von Drasenhofen nun plötzlich 51 statt 42 Millionen Euro (+21,4%) kostet, begründet der Planer mit Erkenntnissen aus der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) im Abschnitt Schrick-Poysbrunn. So habe es Projektanpassungen im Zuge der Einreichplanung gegeben – wie etwa Vergrößerungen der Gewässerschutzanlagen und längere Brücken und Rampen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit. Auch sei die finanzielle Beteiligung des Landes NÖ in Höhe von 4,5 Millionen Euro in den Gesamtkosten enthalten.

Schmalspurvariante für Weinviertler S3

Im Vorjahr gab es auch in der verkehrsgeplagten Gemeinde Guntersdorf einen Bürgerprotest, um auf den Ausbau der Weinviertel-Schnellstraße S3 zu pochen. Hier hat sich an den Zeitplänen für den Abschnitt Hollabrunn-Guntersdorf – 2014 bis 2017 – aber nichts geändert.

Geändert haben sich allerdings die Kostenschätzungen gegenüber dem Rahmenplan 2011. Damals waren noch 163 Millionen Euro budgetiert, jetzt scheinen nur mehr 125 Millionen Euro auf. Wie schafft man also eine über 23-prozentige Verbilligung?

Laut Grünstäudl war ursprünglich ein Regelquerschnitt von abwechselnd zwei bzw. einem Fahrstreifen pro Richtung zwischen Hollabrunn-Süd und Guntersdorf vorgesehen. Nun soll die bestehende Umfahrung von Hollabrunn (Süd bis Nord), die nur einen Fahrstreifen je Richtung aufweist, „aufgrund der ausreichenden Leistungsfähigkeit“ übernommen und nicht ausgebaut werden, erklärt der Planer.

Würde damit nicht ein Nadelöhr bei Hollabrunn entstehen? „Die Verkehrszahlen sind abschnittsweise, also zwischen den einzelnen Anschlussstellen, gesondert zu betrachten“, entgegnet Grünstäudl. Bei Ansteigen des Verkehrsaufkommens wäre ein Ausbau möglich. Die übrigen Kostenreduktionen entstanden etwa durch Trassenänderungen. So wird es bei Wullersdorf eine Bahnüberführung statt -unterführung geben.

Eine S3-Verlängerung bis zur Staatsgrenze fehlt im aktuellen Rahmenplan.

Marchfeld-Schnellstraße S8 ein Jahr verspätet 

Im Sommer 2011 verkündeten Verkehrsministerin Doris Bures (SP), die auch als Eigentümervertreterin des Bundes bei der Asfinag fungiert, und Landeshauptmann Erwin Pröll (VP), dass trotz Sparprogramm der Bundesregierung Projekte in NÖ kaum betroffen wären. Darunter auch die S8, die nun in zwei Abschnitten gebaut werden sollte. Der 300 Millionen Euro teure westliche Abschnitt (S1 bis Gänserndorf) sollte von 2014 bis 2016 errichtet werden. Wie aus dem aktuellen Asfinag-Rahmenplan hervorgeht, wurde die voraussichtliche Verkehrsfreigabe aber auf 2017 verschoben.

Eine konkrete Begründung hat die Bundes-Straßengesellschaft nicht parat. „Die Asfinag hat das Projekt S8-West im Sommer 2011 zur Umweltverträglichkeitsprüfung eingereicht. Seitdem prüfen unabhängige Gutachter und Experten das Projekt und seine Auswirkungen auf Mensch und Umwelt in allen Details“, erklärt Thomas Grünstäudl. Wie bei allen UVP-pflichtigen Projekten sei auch hier der Baubeginn stark vom Ablauf dieses Verfahrens und etwaigen Einsprüchen abhängig. Ein Baubeginn werde Ende 2014 angestrebt. Aus einer veranschlagten zweieinhalbjährigen Bauzeit würde sich eine Verkehrsfreigabe im Jahr 2017 ergeben.

Der östliche S8-Abschnitt bis Marchegg liegt übrigens nach wie vor auf Eis und ist im Rahmenplan nicht zu finden. Wie soll es hier zeitlich weitergehen? „Die Umsetzung der S8-Ost erfolgt nach der S8-West“, lautet die trockene Antwort.

Traisental-Schnellstraße S34 erst bis 2017 

Nicht viel besser geht es der S34. Sie wurde aus Finanzierungsgründen ebenfalls in zwei Bauabschnitte zerlegt. Der 120 Millionen Euro teure Bereich von St. Pölten (B1) bis Völtendorf (B39) war noch im Rahmenplan von 2011 für die Jahre 2014 bis 2016 avisiert. Aktuell ist die Verkehrsfreigabe mit 2017 angegeben, die Kosten blieben dafür unverändert.

Das liegt laut Asfinag daran, dass zwischenzeitlich im Jahr 2012 gemeinsam mit dem Land NÖ eine Integration der seitens des Landes geplanten Spange Wörth erarbeitet wurde. Daher wurde der Abschnitt von Völtendorf bis zur knapp ein Kilometer entfernten Halbanschlussstelle Hart erweitert. „Diese Adaptierung war in den Einreichunterlagen zu berücksichtigen“, so Thomas Grünstäudl. Und: „Dieser notwendige Planungsvorlauf bedingt eine Einleitung des UVP-Verfahrens im Herbst 2013.“ Die angestrebte Verkehrsfreigabe 2017 wäre der betroffenen Bevölkerung bereits kommuniziert worden.

Erst kürzlich wurden hier übrigens die Liegenschaftseigentümer informiert, welche Grundstücke die Asfinag benötigt. Grundeinlöse-Verhandlungen werden erst nach Einleitung des UVP-Verfahrens ab Herbst geführt. Mit etwa 100 Grundeinlöse-Fällen ist zu rechnen.

Der zweite Bauabschnitt bis Wilhelmsburg fehlt im aktuellen Rahmenplan. Wie es hier zeitlich weitergehen soll, lässt die Asfinag ebenfalls offen.

Außenring-Schnellstraße um 100 Millionen teurer 

Unverändert sind die Pläne zum 1,8 Milliarden Euro kostspieligen Lückenschluss der S1 via Donauuntertunnelung, der in zwei Etappen erfolgen soll. Der Bereich Groß Enzersdorf bis Süßenbrunn ist von 2014 bis 2016 vorgesehen, jener von Groß Enzersdorf bis Schwechat von 2018 bis 2025.

Vergleicht man die Asfinag-Rahmenpläne der Jahre 2011 und 2013, sticht eine Kostensteigerung von 1,7 auf 1,8 Milliarden Euro (+5,9 Prozent) ins Auge. Laut Asfinag hängt das mit der im Jahr 2011 festgelegten zeitlichen Staffelung des Baus zusammen. Dadurch musste die eingerechnete Inflationsanpassung angehoben werden.