Erstellt am 28. Oktober 2015, 07:02

von Martin Gebhart und Markus Zauner

Konflikt um "DorfResort". Mit zentraler Organisation für die Fremdenzimmervermieter sollen Nächtigungszahlen gesteigert werden. NÖ Wirtschaftskammer pocht auf Einhalten der Regeln.

Präsentierten zufrieden im Sommer das Pilotprojekt DorfResort Mitterbach: Herbert Zuser, Obmann des Tourismusverbands, Bürgermeister Alfred Hinterecker, Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav, Claudia Glück und Helmut Miernicki, Geschäftsführer von ecoplus.  |  NOEN, Nadja Straubinger

Zwischen dem Wirtschaftsressort des Landes und der NÖ Wirtschaftskammer hängt derzeit der Haussegen schief. Streitpunkt ist das Pilotprojekt „DorfResort“ Mitterbach (Bezirk Lilienfeld), das im Sommer von ecoplus stolz präsentiert worden war. Was für eine Steigerung der Nächtigungszahlen in Mitterbach sorgen soll, erhielt von der Fachgruppe Hotellerie keinen Applaus. Im Gegenteil: Eine Vermieterin von Privatzimmern bekam ein Abmahnungsschreiben. Verbunden mit dem Hinweis, dass eine Strafe von bis zu 3.600 Euro drohe.

Das „DorfResort“ ist der Versuch einer zentralen Steuerung der Zimmervermietung in dem Tourismusort, um so die Nächtigungszahlen zu steigern. Sechs von 42 Betrieben waren beim Start dabei, weitere haben Interesse bekundet. Die zentrale Stelle ist die Dorfrezeption, die den Werbeauftritt, die Onlinepräsenz sowie die Buchung der Zimmer organisiert.

„Wir regeln uns wirtschaftlich
schön langsam in den Abgrund“
Bürgermeister Alfred Hinterecker

Was so euphorisch begann, hat nun durch das Abmahnungsschreiben einen Dämpfer erhalten. Der Privatzimmervermieterin wurde mitgeteilt, dass sie nun wegen des DorfResorts nicht die notwendige Gewerbeberechtigung habe. „Ich bin maßlos enttäuscht von der Wirtschaftskammer. Wir regeln uns wirtschaftlich schön langsam in den Abgrund“, ist Bürgermeister Alfred Hinterecker empört. Was der Wirtschaftskammer im gegenständlichen Fall nicht passt, bleibt für ihn rätselhaft. Alle Modalitäten seien vor dem im Sommer erfolgten Start des Pilotprojektes mit der Wirtschaftskammer genauestens akkordiert worden, die Aktion jetzt sei daher absolut nicht nachvollziehbar, wettert Alfred Hinterecker. Er erwarte sich aber eine gütliche Lösung in der Causa.

Der zuständige NÖ Spartenobmann Mario Pulker dazu: „Zuallererst ist festzustellen, dass wir keinesfalls das Dorfresort Mitterbach verhindern wollen.“ Aber: „Als Interessenvertretung sind wir auch verpflichtet, darauf zu schauen, dass jeder, der Zimmer vermietet, sich auch an die entsprechenden rechtlichen Rahmenbedingungen hält. Ansonsten kommt es zu Wettbewerbsverzerrungen zulasten unserer gewerblichen Hotelleriebetriebe.“

Dass seine Sparte in das Projekt involviert gewesen sei, weist Pulker zurück. Man wäre lediglich von ecoplus und einer Anwältin zu gewerberechtlichen Fragen kontaktiert worden. Außerdem sei die Vermieterin nicht angezeigt, sondern nur zu einer Stellungnahme aufgefordert worden. Diese habe nun die Möglichkeit, die Sachlage zu erklären. Pulker: „Wenn alles rechtlich in Ordnung ist, gibt es auch kein Problem! Fair Play ist angesagt.“