Erstellt am 23. August 2016, 07:24

von Anita Kiefer

NÖ Betriebe warten ab. Die aktuellen Entwicklungen könnten sich negativ auf Wirtschaftsbeziehungen von NÖ mit Türkei auswirken. Das Land ist aber vergleichsweise unbedeutender Handelspartner.

Istanbul und Ankara waren 2012 Ziel einer NÖ Wirtschafts-Delegation. Wie es mit den Wirtschaftsbeziehungen zwischen NÖ und der Türkei weitergeht, ist ungewiss.  |  NÖN, Tatiana Popova / Shutterstock.com

Ein gescheiterter Militärputsch im Juli. Ein alleinherrschender Staatschef Tayyip Erdogan, der fast täglich mit neuen Meldungen in den Zeitungen steht. Und immer mehr Stimmen in Österreich, die ein Ende der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei fordern. Die aktuellen Entwicklungen belasten auch und gerade Wirtschaftsbeziehungen mit der Türkei.

Erst 2012 hat das Land NÖ mit einer Wirtschaftsdelegation den türkischen Städten Istanbul und Ankara einen Besuch abgestattet. Die Wirtschaftsbeziehungen mit der Türkei sollten so im Rahmen der Exportoffensive des Landes angekurbelt werden. Das dürfte zumindest bisher funktioniert haben: Lag das Exportvolumen der NÖ Betriebe in die Türkei 2011 noch bei rund 211 Millionen Euro, waren es 2015 schon 237 Millionen Euro. Durch die aktuellen Entwicklungen in der Türkei könnten die Handelsbeziehungen mit NÖ gefährdet werden.

Türkei teilweise als Hochrisiko-Land bewertet

„In den Handelsbeziehungen zwischen Niederösterreich und der Türkei zeigt sich durch die aktuellen Entwicklungen eine große Unsicherheit, das belegen auch die Einschätzungen der Rating-Agenturen, die die Türkei teilweise als Hochrisiko-Land bewerten“, bestätigt NÖ Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav (VP). „Niederösterreichs Betriebe, die in der Türkei engagiert sind, warten aktuell ab.“

Die Bedeutung der Türkei als Wirtschaftspartner für NÖ-Betriebe ist aber vergleichsweise gering. Aktuell ist die Türkei auf Platz 19 unter den NÖ-Export-Zielländern. „Zu unserem größten Handelspartner Deutschland exportierten wir im Vorjahr Waren und Dienstleistungen im Umfang von 5,8 Milliarden Euro und auch in den vergleichsweise kleinen Markt der Slowakei exportieren wir mit 718 Millionen Euro das dreifache Volumen der Türkei“, so Landesrätin Bohuslav. Für die wirtschaftliche Zukunft hat sie wenig Bedenken: „Niederösterreich ist gut gerüstet, Veränderungen auf den internationalen Märkten auszugleichen, da wir aufgrund unserer Internationalisierungsstrategie schon immer auf mehrere Märkte fokussiert sind.“

Österreichweit lag das Exportvolumen in die Türkei 2015 übrigens bei rund 1,4 Milliarden Euro. Auch hier gab es eine Steigerung seit 2011: Damals lag das Exportvolumen noch bei 1,2 Milliarden Euro.
Quellen: ecoplus; Statistik Austria