Erstellt am 05. Dezember 2017, 03:00

von Anita Kiefer

Glyphosat: Gespaltene Meinung in Niederösterreich. Mehrheit der EU-Staaten hat sich für Verlängerung der Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels ausgesprochen. In NÖ gehen die Meinungen dazu auseinander.

Die Zulassung von Glyphosat in der EU wurde nach einer Entscheidung der EU-Staaten um fünf Jahre verlängert.  |  defotoberg /Shutterstock.com

Das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat hat für fünf weitere Jahre eine Zulassung in der EU erhalten. Dies hat eine Mehrheit der EU-Staaten in der Vorwoche beschlossen. Ein Beschluss, der für Kritik sorgte – etwa von Umweltschutzorganisationen.

Die Landwirtschaftskammer (LK) NÖ begrüßt die Entscheidung auf EU-Ebene. Die Wahrnehmung von Glyphosat in der Öffentlichkeit sei zum Teil verzerrt, so Ferdinand Lembacher, Leiter der Abteilung Pflanzenproduktion in der LKNÖ.

„Es werden beispielsweise oft Fotos von Bauern verwendet, die Weizenfelder spritzen. Das ist falsch. Spritzt ein Bauer den Weizen mit Glyphosat, überlebt das die Pflanze nicht.“ Das Unkrautvernichtungsmittel werde „ausschließlich dann aufgebracht, wenn die Kultur nicht am Feld ist“. Die aktuellen gesetzlichen Bestimmungen halte er für „gut“. Die Krebsagentur IARC der WHO habe Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft, Alkohol etwa als „sicher krebserregend“.

"Viele glauben, dass Bio-Produkte nicht wirken"

Für den von Hilde Umdasch ins Leben gerufenen Gartenbau-Händler Bellaflora, der aktuell acht Filialen in Niederösterreich betreibt, ist der Weg seit 2013 klar glyphosat-frei. Davor habe man schon die eigenen Standorte glyphosatfrei gemacht, erklärt Isabella Hollerer, Leitung Nachhaltige Entwicklung bei Bellaflora.

„Viele glauben, dass Bio-Produkte nicht wirken. Dabei müssen diese bei der Zertifizierung eine Wirksamkeit von 70 bis 80 Prozent aufweisen.“ Der Verzicht auf Glyphosat sei ein unternehmerisches Risiko gewesen. Die Idee ist aber aufgegangen: „Wir hatten keine Umsatzeinbußen.“ Für Bellaflora ist der Glyphosat-Verzicht nur ein Schritt in der Umstrukturierung der Produktpalette. Bis 2020 will man Torf aus den Blumenerden im Sortiment verbannt haben.

Auch Schärdinger, Tirol Milch und Stainzer Milchbauern haben in der Vorwoche vermeldet, dass ihre Bauern ab sofort auf Glyphosat verzichten. „Es war ohnehin nur die Ausnahme, dass einer unserer Bauern Glyphosat verwendet hat“, so Berglandmilch-Geschäftsführer Josef Braunshofer dazu. „Wir schreiben das in unsere Lieferordnung mit den Milchbauern, der Beschluss gilt ab sofort.“ Auch manche Gemeinden, wie etwa Mödling, setzen das Unkrautvernichtungsmittel nicht ein.

Leopold Gruber-Doberer, Geschäftsführer der Milchgenossenschaft NÖ, die 25 Prozent der Anteile an der NÖM AG hält, sieht die Sache differenzierter. „Die Frage, die ich mir immer stelle, ist: Gibt es für die Bauern einen Ausgleich dafür? Zahlt der Handel oder der Konsument mehr für die Milch?“ Seiner Einschätzung nach sei es ein „geringer Anteil“ der Bauern, die für die NÖM die Milch liefern, der Glyphosat einsetzt.