Erstellt am 15. März 2016, 07:04

von Heinz Bidner

Türkei stürzt kräftig ab. Terroranschläge halbieren Ruefa-NÖ-Reisebuchungen nach Ägypten und in die Türkei. Griechen spüren Flüchtlingskrise. „Sichere“ Länder wie Kroatien überlaufen.

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Allein im Jänner verbuchte die Türkei vier Terroranschläge. Auch das Urlaubsland Ägypten war in den vergangenen Monaten einige Male Ziel solcher Attentate. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gilt dabei häufig als Drahtzieher. Die Auswirkungen auf die Tourismusströme sind gewaltig – das lässt sich schon jetzt abschätzen.

Blickt man allein in NÖ auf die Statistik zu den Sommerreise-Buchungen des heimischen Marktführers Ruefa, verbuchen die beiden genannten Länder die massivsten Einbrüche. Nur noch 5,3 Prozent des Umsatzkuchens entfallen nach jetzigem Buchungsstand auf die Türkei – zum Vorjahreszeitpunkt waren es noch 9,2 Prozent.

Ähnlich ist die Situation in Ägypten, das im Vorjahr mit vier Prozent Umsatzanteil noch auf Platz sieben zu den beliebtesten Reisezielen bei Ruefa-Kunden in NÖ zählte. Die Nachfrage zum Land am Nil halbierte sich – es fiel ganz aus den Top-10-Destinationen. Alles Trends, die bundesweit ähnlich sind.

„Aufgrund des IS-Terrors kommt es
zu Verschiebungen bei den Reiseströmen.“
Harald Nograsek, Generaldirektor Verkehrsbüro Group

„Aufgrund des IS-Terrors kommt es zu Verschiebungen bei den Reiseströmen“, weiß Harald Nograsek, Chef des Touristikkonzerns Verkehrsbüro Group, zu der Ruefa gehört.

Profitieren würden Urlaubsländer, die als sicher gelten: „Das betrifft ganz besonders Spanien und Kroatien, aber auch Italien, Portugal sowie Österreich und Deutschland. Sehr starke Zuwächse gibt es zudem in Bulgarien – als Alternative zur Türkei.“ Aber auch niederländische Küsten wären stark gefragt. Und: „Wer heuer den Urlaub in Spanien oder Kroatien verbringen will, sollte in den nächsten ein bis zwei Wochen buchen – besonders beliebte Regionen oder Hotels sind sonst ausgebucht. Last-Minute-Angebote wird es da kaum geben.“

Die Asylkrise bekommt indes Griechenland, wo Zehntausende Flüchtlinge gestrandet sind, zu spüren. Einerseits sinkt die Nachfrage, andererseits verschieben sich die Reiseströme im Land. „Gebucht sind vor allem die west- und zentralgriechischen Inseln sowie der Peloponnes“, weiß Harald Nograsek.

Insgesamt würden die Buchungen bislang noch hinter dem Vorjahr liegen, fasst der Generaldirektor zusammen. Viele würden noch abwarten: „Die Menschen wägen stärker ab, wohin es heuer gehen soll, lassen sich beraten, wo sie sicher Urlaub machen können.“ Und viele würden berücksichtigen, welche Reiseveranstalter schon bei der Urlaubsbuchung eine Umbuchungsmöglichkeit inkludieren.


Bedeutendste Veränderungen bei Ruefa*

Gewinner

Kroatien +48,6%
Deutschland +18,9%
Italien +13,4%

Verlierer

Ägypten -52,5%
Türkei -42,4%
Griechenland -9,4%

*umsatzstärkste Veränderungen von Top-Destinationen bei Ruefa in NÖ, Buchungsstand per 1. März im Jahresabstand 2016 zu 2015


Regionale Reisewarnungen

Anlass für Stornos oder Umbuchungen gibt es derzeit nicht, so Verkehrsbüro-General Harald Nograsek. Es wären keine Reisewarnungen neu herausgekommen.

Vom Außenministerium bestehen partielle Reisewarnungen (für bestimmte Gebiete) – unter anderem in Ägypten und Tunesien.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt Schwangere vor Reisen in Zika-Virus-Gebiete.