Erstellt am 25. November 2015, 11:58

Verwaltungsgericht Wien gibt VOR recht - Westbahn blitzte ab. Im vor Gericht ausgetragenen Streit zwischen der mehrheitlich privaten Westbahn und dem Verkehrsverbund Ost Region (VOR) um Änderungen auf der Weststrecke hat das Verwaltungsgericht Wien entschieden und den Antrag der Westbahn abgelehnt.

Die Elektrifizierung der Strecke nach St. Pölten lässt wohl noch länger auf sich warten. Als Übergangslösung wird der Einsatz moderner Dieseltriebwagen (im Bild der »Desiro«) gefordert.  |  NOEN, ÖBB/Eisenberger
Es handle sich um eine unwesentliche Änderung im bestehenden Verkehrsdienstevertrag, die nicht als neuerliche Vergabe angefochten werden könne.
 
VOR-Sprecher Georg Huemer erläuterte, nun könne ab dem Winterfahrplan (ab 13. Dezember) eine Verstärkung der angebotenen Verkehre auf der Strecke Westbahnhof-Hütteldorf-Bahnhof Tullnerfeld-St. Pölten erfolgen.

"Bessere Abdeckung für Pendler"

Damit werden statt fünf künftig elf REX 200-Zugpaare hin und zurück (gesamt 22) auf dieser Strecke fahren. Für die Pendler und die Schüler mit Verbund-Fahrkarten bedeute dies eine bessere Abdeckung, so Huemer.

Westbahn-Sprecherin Angelika Veith bedauerte den Gerichtsentscheid. Trotzdem werde die Westbahn wie bereits gestern angekündigt ihr Angebot ausweiten. Mit dem Winterfahrplan werde der Halt Tullnerfeld aufgenommen und dieWestbahn werde attraktive Zeitkarten für die Pendler in der Ostregion anbieten.

AK: Urteil macht Bahn frei für Pendler

Die Arbeiterkammer Wien (AK) begrüßt das Urteil des Verwaltungsgerichts Wien zum Rechtsstreit zwischen derWestbahn und dem Verkehrsverbund Ostregion (VOR). Damit werde der Weg für zusätzliche schnelle Bahn-Verbindungen in den Westen frei, heißt es in einer Aussendung heute Dienstag.
 
Die Westbahn habe wegen der Umschichtung im bestehenden Vertrag, die zusätzliche Verbindungen von Wien-West auf der Weststrecke bringt, geklagt. Damit wurde die Aufnahme dieser schnellen Rex200-Züge in den Winterfahrplan zunächst blockiert, so die AK Wien. Mit diesem Gerichtsurteil können jetzt doch noch schnelle Bahnverbindungen von und zum Westbahnhof angeboten werden.

Signal für den öffentlichen Personennahverkehr

Mit der Vollinbetriebnahme des neuen Hauptbahnhofs müssen tausende Fahrgäste, insbesondere Pendler und Schüler, nicht auf die kurzen Wege zum und vom Westbahnhof verzichten. "Das Verwaltungsgericht hat damit auch ein Signal für den öffentlichen Personennahverkehr in der Region gesetzt", so Sylvia Leodolter, Leiterin der Verkehrsabteilung der AK Wien.

Erfreut zeigt sich auch der VOR. Da der ÖBB-Fernverkehr künftig ausschließlich zum Hauptbahnhof geführt werde, setze der VOR für die Fahrgäste aus dem Westen elf schnelle REX200-Zugpaare ab St. Pölten bzw. Amstetten um. Die Westbahn habe versucht, auf juristischem Wege kostenneutrale Verbesserungen für Fahrgäste zu verhindern. Das Wiener Verwaltungsgericht habe gegen das Ansinnen der Privatbahn entschieden. Damit könne ein Stundentakt mit kurzer Mittagslücke angeboten werden, konkrete Fahrpläne seien derzeit in Ausarbeitung und würden in den nächsten Tagen im Internet ( www.vor.at ) kommuniziert.

Unzufrieden mit dem Gerichtsentscheid zeigt sich die Westbahn. Sie habe einen Nachprüfungsantrag zur geplanten Direktvergabe des VOR gestellt, dieser Antrag sei zurückgewiesen worden mit der Begründung, dass die Änderung nicht wesentlich gewesen sei, als dass eine Vergabeankündigung nötig gewesen wäre. "Wir sind erstaunt darüber, dass die offizielle, vom VOR bekannt gegebene Steigerung von 60.000 Zugkilometern als unwesentlich betrachtet wird", kommentiert Westbahn-Chef Erich Forster. Da die Westbahn die Strecke Wien Westbahnhof - Hütteldorf - Tullnerfeld - St. Pölten - Amstetten ohne Subvention für die Pendler anbiete, fordere sie, dass der VOR Zahlungen mit Steuergeldern für das vergleichbare ÖBB-Angebot stoppt.