Erstellt am 12. Januar 2016, 04:53

von Anita Kiefer

"Waren flexibel genug". Thomas Meth über das Pellets-Unternehmen Enviva, das er in den USA gegründet hat, Gründungen in den USA im Allgemeinen und seine Ratschläge für angehende Unternehmer.

Thomas Meth ist Executive Vice President des Biomasse-Herstellers Enviva.  |  NOEN, privat

NÖN: Wie hat sich die Idee zu Enviva entwickelt? Welche Hürden gab es auf dem Weg zum Erfolg?
Thomas Meth: Ich war immer von den USA fasziniert, vor allem von der „Can do“-Einstellung und dem Zugang zu Risikokapital. Die Idee zu Enviva war, erneuerbare Energie als Ersatz für fossile Brennstoffe zu produzieren, die ständig verfügbar ist. Die ersten Investoren kamen aus dem Network der Universität. Eine wesentliche Hürde war, dass es am Anfang lange gedauert hat, die ersten Projekte auf die Beine zu stellen. Wir dachten, wir würden uns nach drei Monaten das erste Gehalt ausbezahlen. Es wurden 18 Monate.

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Zunächst waren wir flexibel genug, unsere Firmenstrategie an die Marktgegebenheiten anzupassen. Als 2008 durch Fracking und Finanzkrise Erdgas in den USA plötzlich sehr günstig wurde, fokussierten wir uns auf den Ersatz von Erdöl und Kohle durch Biomasse. Ein weiterer Erfolgsfaktor war Zugang zu Kapital, um zu wachsen.

Amerika gilt als Gründer-Paradies. Hätten Sie einen vergleichbaren Erfolg auch in Österreich haben können?
Es ist vielleicht einfacher in den USA, weil Unternehmertum und daraus resultierender Erfolg gefeiert wird. Außerdem wird Misserfolg akzeptiert und als Lernmöglichkeit betrachtet. In den USA ist es wahrscheinlicher, dass man Zugang zu Kapital hat, wenn man mehrmals ein Unternehmen gegründet hat, auch wenn es nicht unbedingt erfolgreich war. Und Start-ups werden nicht nur mit Bankkrediten und Förderungen unterstützt, sondern vor allem mit Risikokapital.

Ihr Unternehmen hat aktuell sechs Standorte. Gibt es Expansionspläne?
Wir produzieren 2,2 Millionen Tonnen und sind gerade dabei, ein 515.000 Tonnen Werk in North Carolina zu bauen. Wir sehen erhebliche Wachstumsmöglichkeiten in Europa, Asien und den USA.

Was würden Sie jungen Menschen für die Unternehmensgründung raten?
Gerade als junger Mensch sollte man keine Angst haben, einen vermeintlich sicheren Job aufzugeben. Natürlich ist Geduld und Durchhaltevermögen essenziell. Es dauert oft länger, ist aber am Ende irrsinnig erfüllend. Keine Angst vor dem Scheitern zu haben. Und: Keine Angst haben, Kontrolle über das Unternehmen zu verlieren, weil man Investoren ins Boot holt.


Zur Person

Der 42-jährige gebürtige Wiener Thomas Meth ist in Gablitz (Bezirk Wien-Umgebung) aufgewachsen und besuchte acht Jahre lang das BG/BRG in Tulln. Er ist Executive Vice President des Biomasse-Herstellers Enviva.

Dieses Unternehmen gründete er im Jahr 2004 mit einem Business-School Partner. Enviva ist heute der größte industrielle Pellets-Produzent der Welt. Das Unternehmen beschäftigt rund 550 Mitarbeiter und hat aktuell sechs Standorte in North Carolina, Florida, Virginia und Mississippi.