Erstellt am 01. Dezember 2015, 18:06

von Michael Nowak

Weihnachtswunder gibt es bei Zielpunkt nicht. Die Stimmung bei der niederösterreichweiten Zielpunkt-Betriebsversammlung in der Bezirksstelle der AK St. Pölten war erwartet gedrückt, aber auch der Zorn gegen Zielpunkt-Chef Georg Pfeiffer war nicht zu leugnen.

 |  NOEN, Burggraf
Wie geht es weiter und wie bekomme ich mein Geld? Das waren die beiden wichtigsten Fragen mit denen die Zielpunkt-Mitarbeiter nicht nur bei der heutigen Betriebsversammlung konfrontiert waren, sondern es auch noch länger sein werden. Ein zentrales Thema war aber auch ein von der Gewerkschaft hart kritisiertes Immobiliengeschäft des Zielpunkt-Besitzers, der Pfeiffer Handels GmbH.

Wolf: "Mitarbeiter bekommen ihr Geld"

„Bitte verlieren Sie den Mut nicht, arbeiten Sie weiter und kündigen Sie nicht, sonst verlieren Sie ihre Ansprüche. Ihr Dienstverhältnis bleibt trotz der Insolvenz weiter aufrecht“, erklärte Gewerkschaftsvertreter Manfred Wolf (GPA-djp) den anwesenden Mitarbeitern.

„Das Geld für ihr ausständiges Gehalt ist da, kann jedoch nicht sofort ausbezahlt werden. Aber Sie werden Ihr Geld bekommen. Nicht in Monaten, sondern in Wochen. Dass es schon vor Weihnachten so weit ist, ist aber unwahrscheinlich. Natürlich gibt es Weihnachtswunder, aber scheinbar nicht bei Zielpunkt.“

Bei der Beschreibung der allgemeinen Situation versuchte Wolf den Mitarbeitern Mut zu machen, konnte sich aber auch einen zynischen Seitenhieb nicht verkneifen: „Sie haben sich absolut nichts vorzuwerfen und haben an der Situation keine Schuld. Man hat es scheinbar einfach wichtiger empfunden, Immobilien zu kaufen anstatt Ihre Arbeitsplätze zu sichern.“ Damit drückte er den Reaktionen zufolge aus, was sich viele der Anwesenden dachten.

Pfeiffer-Gruppe kaufte rund 70 Zielpunkt-Immobilien

Grund für den Unmut gegen den Arbeitgeber ist vor allem, dass kurz vor der Einleitung der Insolvenz bekannt wurde, dass die Pfeiffer-Gruppe rund 70 Zielpunkt-Immobilien aufgekauft hatte. Der kolportierte Kaufpreis der bis dato nur gemieteten Objekte lag bei 38 Millionen Euro. Das könne dazu führen, dass die Pfeiffer Handels GmbH von der Insolvenz des eigenen Unternehmens sogar noch profitiere. „Sich bei einer Insolvenz die Rosinen herauszupicken, darf nicht Schule machen. Das Ganze wird rechtlich geprüft“, sagte Wolf.

Für die Mitarbeiter beginnt jetzt statt einem besinnlichen Advent eine Zeit des Wartens. Im Laufe des Dezembers wird sich der Masserverwalter Georg Freimüller mit der Zukunft der einzelnen Filialen beschäftigen. „Er wird sich bemühen einzelne Filialen mitsamt Personal an die Konkurrenz zu übergeben“, so Wolf. Für den überwiegenden Teil der Filialen werden hingegen bald die Schließungsmaßnahmen eingeleitet.