Wiener Neustadt

Erstellt am 17. Mai 2017, 15:09

Höhenflug mit Drohne. Schiebel entwickelt unbemannte High-Tech-Hubschrauber.

3,1 Meter lang und 1,1 Meter hoch sind die Drohnen der Firma Schiebel, die über große Distanzen hinweg Daten transportieren können.  |  Schiebel

Noch vor wenigen Jahren fielen vor Somalias Küste regelmäßig Handelsschiffe Piraten zum Opfer – das hat sich zum größten Teil geändert. Mit dafür verantwortlich sind die 3,1 Meter langen und 1,1 Meter hohen Drohnen der Firma Schiebel aus Wiener Neustadt. Ausgestattet mit Kameras, Sensoren und Radargeräten beobachten und bewachen sie aus der Luft. Bemerken die Piloten auffällige Vorkommnisse zwischen den Schiffen, können sie im Fall der Fälle schnell reagieren und eine Operation starten.

Solche Schutzeinsätze vor Piraten sind nur ein Einsatzgebiet der Schiebel-Drohnen. Flüchtlingssuche im Mittelmeer oder die Überwachung des Waffenstillstands in der Ukraine sind weitere, denn die Drohnen der Firma Schiebel sind mittlerweile weltweit im Einsatz. Durch ihre kompakte Größe sind die unbemannten Helikopter leicht zu transportieren, schnell einsatzbereit und in der Lage, die gesammelten Datenmengen über große Distanzen hinweg zu transportieren. Damit wurde das Unternehmen aus Wiener Neustadt Weltmarktführer.

„Wir sind mit vollem Elan daran, die nächste Generation zu entwerfen und unser Leistungsspektrum an das anzupassen, was vor uns liegt!“
Firmenchef Hans Georg Schiebel

Der Beginn dieses Höhenflugs startete in Wien als kleines Unternehmen, das hochtechnologische Minensuchgeräte entwickelte. Durch unter anderem einen Großauftrag der U.S.-Army wurde Schiebel weltmarktführend auf dem Gebiet der Minensuchgeräte. Diese machen mittlerweile lediglich zehn Prozent der Produktion aus.

Der Fokus liegt nun auf den unbemannten High-Tech-Hubschraubern Camcopter, deren Entwicklung bereits 1993 begann. Vor zehn Jahren fand die Markteinführung statt, nun werden jährlich in Wiener Neustadt rund vierzig Stück – in Zusammenarbeit mit rund 120 Zulieferfirmen aus Österreich – entwickelt und anschließend zu 100 % in die ganze Welt, vor allem aber in die USA und nach West-Europa, exportiert.

Die Kosten eines solchen Helikopters belaufen sich im „einstelligen Millionenbereich“, informiert Schiebel-Geschäftsführer Hannes Hecher. Bereits 15 Prozent laufen über Leasing – „eine Notwendigkeit, um den Kundenwunsch zu erfüllen“, so Hecher. Die Ausbildung der Piloten und des Wartungspersonals der Camcopter findet über Wochen hinweg bei Schiebel selbst statt. Bald sollen die unbemannten Fluggeräte auch in Österreich abheben –  Einsatzmöglichkeiten gibt es beispielsweise in der Landwirtschaft, bei Verkehrs- oder Infrastrukturbeobachtungen. „Wir arbeiten intensiv an der Zulassung des Camcopter S-100 für den zivilen Luftraum“, hofft Hecher auf die Bewilligung in rund zwei Jahren.

Strenge Bedingungen für NÖ-Luftraum

Konkret soll es dann möglich sein, die Schiebel-Drohnen über land- und forstwirtschaftliche Flächen fliegen zu lassen, um diese aus der Luft auf etwaige Frost- oder Dürreschäden zu untersuchen und gegebenenfalls schnell Gegenmaßnahmen einleiten zu können. „Diese Zertifizierung der europäischen Luftfahrtbehörde für den zivilen Luftraum zu bekommen, ist kein einfaches Unterfangen“, erzählt der Geschäftsführer. Denn während es für die kleinen „Spielzeugdrohnen“, die für jedermann erhältlich sind, keine Vorgaben gibt, unterliegt die Schiebel-Drohne klaren, rechtlichen Bedingungen. „Aber das ist der Weg vorwärts, dafür investieren wir“, sagt Hecher.