Erstellt am 25. November 2015, 19:02

Zielpunkt meldet Insolvenz an - 2.500 Mitarbeiter betroffen. Die Handelskette Zielpunkt ist pleite. Der zur oberösterreichischen Handelsgruppe Pfeiffer gehörende Konzern wird voraussichtlich am 1. Dezember in Wien einen Insolvenzantrag einbringen, teilte Pfeiffer am Mittwochabend mit.

2.500 Mitarbeiter sind betroffen, ihre Löhne und Gehälter seien durch den Insolvenzentgeltfonds gesichert. Zielpunkt betreibt 229 Filialen, davon mehr als die Hälfte in Wien.

Georg Pfeiffer geht davon aus, "dass eine Vielzahl der Standorte an Mitbewerber übergehen und damit viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernommen werden". Die Mitarbeiter wurden erst am Mittwoch von ihrem Schicksal informiert. Wieviele letztlich ihren Job verlieren oder allenfalls von einem neuen Eigentümer übernommen werden, steht noch in den Sternen. Dass eine der großen Konkurrenz-Handelsketten die gesamten 229 Zielpunkt-Filialen übernimmt, wäre Branchenkennern zufolge kartellrechtlich nicht möglich.

Die November-Löhne und -Gehälter, die übermorgen überwiesen werden sollten, werden nicht mehr vom Unternehmen ausbezahlt, sagte Martina Macho, Sprecherin der Zielpunkt-Mutter Pfeiffer, am Mittwoch. Die Auszahlung der November-Entgelte übernehme der Insolvenzentgeltfonds. "Das dauert leider ein bisschen", so Macho. Die betroffenen Mitarbeiter müssen nämlich selbst einen Antrag beim Fonds stellen. Für die Auszahlung der Dezember-Löhne und -gehälter wird dann der Masseverwalter zuständig sein.

Zielpunkt-Geschäfte bleiben vorerst geöffnet

Die Zielpunkt-Geschäfte bleiben vorerst geöffnet, wenngleich das Unternehmen keine Ware mehr bestellen kann. Lediglich mit den "wichtigsten Frischelieferanten" - Brot, Gebäck, Obst - gebe es eine "Zug-um-Zug-Regelung". "Man zahlt im Vorfeld und bekommt dann die Ware", erklärte Macho. Ob es dann zu einem großen Ausverkauf kommt oder weiter Ware bestellt wird, liegt in den Händen des Masseverwalters. Dieser muss erst bestellt werden.

Pfeiffer hat Zielpunkt erst 2014 zur Gänze übernommen. "Nach drei Jahren intensivster Sanierungsbemühungen und Investitionen sind nunmehr dramatische Verschlechterungen der äußeren Rahmenbedingungen für Zielpunkt eingetreten", hieß es. Zielpunkt hat 2014 einen Verlust von 11,7 Mio. Euro geschrieben, bei einem Umsatz von 440 Mio. Euro.

Die Insolvenz sei rechtlich notwendig, da die weitere Finanzierung nicht sichergestellt werden könne, teilte Pfeiffer-Eigner Georg Pfeiffer am Mittwochabend mit. Zur Rettung von Zielpunkt wären mindestens weitere 60 Mio. Euro bis 2018 nötig. Diesen Betrag könne Pfeiffer nicht aufbringen, da sonst alle gesunden Pfeiffer-Firmen (etwa Unimarkt, Nah&Frisch) gefährdet wären.

Die Oberösterreicher waren vor drei Jahren bei Zielpunkt eingestiegen. Man habe die Supermarktkette "mit massivem Investitionsstau von den häufig wechselnden Voreigentümern übernommen und in die Handelsgruppe integriert".

Keine Investoren gefunden

Bis Frühherbst, erklärte Pfeiffer heute, sei die Entwicklung von Zielpunkt laut Fortbestehensprognose "auf Plan und sogar leicht darüber" gewesen. Aufgrund des schwächelnden Lebensmitteleinzelhandels hätten sich aber die Vorzeichen geändert. Die Umsatzrückgänge, die bisher durch Kostensenkungsmaßnahmen kompensiert werden hätten können, seien "massiv" ausgefallen, die Suche nach Investoren nicht erfolgreich gewesen.

Der erst kürzlich unterzeichnete Verkauf der C+C Pfeiffer GmbH an Transgourmet (Coop) werde planmäßig mit Jänner 2016 umgesetzt. Die Schweizer Handelsgruppe Coop hat seit Anfang November einen Fuß bei der Zielpunkt-Mutter in der Tür. Der Großhandel von Pfeiffer geht an die Schweizer, zudem wird Coop zur Hälfte am Zentraleinkauf beteiligt. Das Einkaufsvolumen betrug 2014 rund 1 Mrd. Euro.

Die Pfeiffer-Gruppe beschäftigte zuletzt - inklusive Zielpunkt - 6.400 Mitarbeiter und setzte 1,3 Mrd. Euro um. Die Tochter Unimarkt hat 127 Standorte, der Pfeiffer-Großhandel beliefert 268 Nah&Frisch-Einzelhändler in Ober- und Niederösterreich, der Steiermark sowie Salzburg.

Der Ursprung der Zielpunkt-Kette, die in Wien besonders viele Filialen hat, liegt in den späten 1960er-Jahren unter dem Namen "LÖWA". In den frühen 70ern ging "LÖWA" an die deutsche Kette Tengelmann. Im Mai 2010 übernahm schließlich der deutsch-luxemburgische Finanzinvestor BluO die verlustreiche Kette von Tengelmann. Als Sanierer wurde der Deutsche Jan Satek gerufen, der Zielpunkt im Februar 2012 im Rahmen eines Management-Buy-outs übernahm und die Lebensmittelkette aus der Verlustzone führen wollte. Kurz nach Satek stieg der oberösterreichische Großhändler Pfeiffer mit knapp einem Viertel (24,9 Prozent) bei Zielpunkt ein.