Erstellt am 19. Oktober 2015, 06:42

von Anton Johann Fuchs

​Zukunft der Landwirtschaft. ​Bayer CropScience, bekannt als Pflanzenschutzmittelhersteller, beschäftigt sich auch mit der Digitalisierung der Landwirtschaft und sucht dabei neue Geschäftsfelder.

Satellitenbilder, ausgewertet von Bayer, liefern genaue Informationen über den Zustand des gesamten Feldes.  |  NOEN, Bayer CorpScience
x  |  NOEN, Bayer CropScience
Die Weltbevölkerung wächst unentwegt. Bis 2050 sollen es neun Millionen Menschen sein. Für die Landwirtschaft stehen aber nur zwölf Prozent der weltweitern Landmasse zur Verfügung. Mit anderen Worten: Diese zwölf Prozent werden mehr Ertrag liefern müssen, um die Menschen ernähren zu können.

„Wir müssen die landwirtschaftliche Produktivität erhöhen und gleichzeitig mit einer nachhaltigeren Landwirtschaft die Umwelt schützen“, sagt Nils Bauer, seit Jänner Österreich-Leiter des deutschen Chemiekonzerns.

Mehr Ertrag bei weniger Mitteleinsatz

Tobias Menne leitet in der Konzernzentrale in Monheim am Rhein das Projekt „Digital Farming“ bei Bayer CropScience: „Wir wollen mehr erreichen mit weniger Pflanzenschutzmitteln.“ Man setzt dabei auf Satellitenbilder, mit denen Defizite oder geschädigte Flächen innerhalb eines Feldes erkannt und punktgenau mit den landwirtschaftlichen Maschinen behoben werden.

Die Vision: Auf jeder Pflanzenschutzmittel-Flasche befindet sich ein QR-Code, mit dem ein Landwirt eine Feldanalyse anfordern kann. Spezielle Programme errechnen den optimalen Einsatz der Pflanzenschutzmittel und übertragen die Daten auf die Maschine.

Damit spart der Landwirt Mittel gegenüber einem flächendeckend gleichen Einsatz. Bayer erwartet sich die Hälfte der Einsparung als Entgelt für die digitalen, sagt Menne.

Chemische und biologische Mittel

„Die Landwirtschat steht vor zahlreichen Herausforderungen“, sagt Nils Bauer: Neben der Witterung sind es auch wirtschaftliche und politische Entwicklungen. „In diesem Spannungsfeld ist es unser Ziel, maßgeschneiderte Lösungen in einer Kombination aus modernen Pflanzenschutzmitteln und einer individuellen, professionellen Beratung anzubieten“, sagt Bauer.

Bayer setzt dabei auf integrierte Lösungsstrategien bestehend aus chemischen und biologischen Wirksubstanzen, das eröffnet neue Strategien im Rückstands- und Resistenzmanagement. So soll nächstes Jahr ein biologisches Fungizid für den Obst- und Gemüseanbau auf den Markt gebracht werden.

Schaufeld im Weinviertel

Bayer engagiert sich auch stark in der Interessensgemeinschaft der Pflanzenschutz-Industrie: Mit offenen und sachlichen Informationen will man einen lebendigen Diskurs mit allen Interessierten erreichen.

So beteiligte man sich am Feldversuch in der Nähe des Museumsdorfes Niedersulz, wo Parzellen mit Pflanzenschutzmittel-Einsatz Parzellen ohne jeden Einsatz gegenüberstanden: „Wir haben bei den Feldern ohne Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln signifikante Verluste zwischen 20 und 86 Prozent zu verzeichnen gehabt. Auch bei der Qualität hat es deutliche Einbußen gegeben“, erklärte Christian Stockmar, Vorstand der Industriegruppe Pflanzenschutz.