Erstellt am 21. Dezember 2017, 16:31

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Wie in anderen mitteleuropäischen Ländern ist Weihnachten in Polen sehr beliebt. Obwohl sich im Laufe der Zeit viele Bräuche aus deutschsprachigen Ländern, wie zum Beispiel das Schmücken von Christkindlbäumen, in Polen verbreitet haben, ist eine Reihe von Traditionen erhalten geblieben, die nur in Polen zu finden sind. Diese möchten wir Ihnen hier präsentieren.

Die meisten Feierlichkeiten zu Weihnachten finden am 24. Dezember statt. Für viele Polinnen und Polen ist das einer der wichtigsten und familiärsten Tage im Jahr. Der Heilige Abend ist zwar kein offizieller Feiertag, doch viele Institutionen und Firmen beenden die Arbeit früher als sonst, damit alle im Kreis der Familie feiern können.

Warten auf den ersten Stern

Mit dem Beginn des festlichen Abendessens am Heiligen Abend warten viele in Polen, bis der erste Stern am Himmel zu sehen ist. Diese Tradition soll an den Stern über Bethlehem erinnern, der laut Neuem Testament die Drei Könige zum Geburtsort Jesus geführt hat. Heutzutage ist es zwar mit all den Lichtern auf der Erde und Satelliten und Flugzeugen am Firmament deutlich schwieriger geworden, den ersten aufgehenden echten Stern zu bemerken. Aber man gibt sich immer noch die größte Mühe - vor allem unter den Kleinsten.

Opłatek teilen

Opłatek ist eine für den Heiligen Abend vorbereitete Oblate, die meistens eine rechteckige Form hat und auf der eine religiöse Abbildung eingestanzt ist. Jede Person, die beim feierlichen Abendessen anwesend ist, erhält ein Stück der Oblate, das sie mit anderen teilt und dabei gute Wünsche austauscht. Diese Tradition soll an die Teilung des Brotes beim Letzten Abendmahl erinnern.

Sprechen mit Tieren

Laut einer alten polnischen Sage bekommen die Tiere in Anerkennung ihrer Verdienste bei der Begrüßung Jesus auf der Welt am Heiligen Abend das Privileg, die menschliche Sprache zu sprechen. Daher bemüht man sich in Polen an diesem Tag darum, ein oder zwei Worte aus den Haustieren herauszuziehen. Klappt leider nicht immer.

Einen freien Platz am Tisch lassen

Wenn sich alle an den gedeckten Tisch gesetzt haben, bleibt ein Platz frei. Viele polnische Familien halten einen Platz am Tisch für jemanden frei, der nach Schutz sucht. Am Heiligen Abend soll auch ein Unbekannter wie ein Familienmitglied aufgenommen und zum gemeinsames Essen eingeladen werden.

Fasten

Weihnachten in Polen ist ein Fest für Pescetarier. Man verzehrt kein Fleisch und keine hochprozentigen Alkoholgetränke. Wein und Fisch sind jedoch zugelassen. Zahlreiche traditionelle Weihnachtsgerichte enthalten daher Fisch. In der ersten Reihe sind das Karpfen und Herringe.

Heu unter die Tischdecke legen

Sollten Sie am Weihnachtstisch Heu unter der Tischdecke finden, bedeutet das nicht, dass Ihre Gastgeber nicht gründlich genug aufgeräumt haben. Das Heu wurde dort absichtlich verteilt, um an die Tatsache zu erinnern, dass das neu geborene Christuskind in eine Krippe gelegt wurde.

Zubereitung von 12 Gerichten

Ein weihnachtliches Abendessen besteht in Polen traditionellerweise aus 12 Gerichten. Die Zahl 12 steht sowohl für die 12 Monate des Jahres als auch für die 12 Apostel, manchmal auch ganz einfach für Reichtum. Unabhängig von der Begründung ist jede Speise zu probieren, damit man Glück hat im kommenden Jahr.

Die Klassiker auf einem polnischen Weihnachtstisch sind Barszcz, Pierogi mit Kraut und Pilzen und Mohnkuchen. Einige polnische Weihnachtsköstlichkeiten stellen wir Ihnen unten vor und möchten Sie dazu ermutigen, sie selbst auszuprobieren und an unserem Gewinnspiel teilzunehmen. Zu gewinnen gibt es Kochbücher mit polnischen regionalen Speisen.  

#Piernik

Der traditionelle Lebkuchen kann und soll sogar schon weit vor Heiligabend zubereitet werden, damit er sein volles Geschmacksreichtum entfaltet. Optimal wäre es, sich schon Mitte November an die Arbeit zu machen, aber auch noch 2-3 Wochen vor Weihnachten kann man einen guten Piernik zubereiten. Für den Teig braucht man Honig, Butter, Eier, Milch, Mehl und Lebkuchengewürz, die Füllung besteht aus Powidl.

#Pierogi

Pierogi sind vermutlich das bekannteste polnische Gericht außerhalb Polens. Die weihnachtliche Sorte wird mit Kraut bzw. Sauerkraut und getrockneten Edelsteinpilze gefühlt. Es gib aber auch regionale Varianten mit Mohn oder Dörrpflaumen.

#Barszcz

Mit dem Borschtsch beginnt zumeist das Abendessen am Heiligen Abend. Die Zubereitung ist etwas aufwendiger, da rechtzeitig die Säure aus fermentierten roten Rüben angesetzt werden muss. Die fertige Suppe wird mit kleinen Pilzteigtaschen, die „uszka“ (Öhrchen) heißen, serviert. Daran, wie klein und fein diese sind, offenbaren sich die Talente des Kochs oder der Köchin.

#Makowiec

Die kleinen Mohnsamen stehen für Wohlstand und dürfen auf dem Weihnachtstisch nicht fehlen. Mohnkuchen wird natürlich in Polen über das ganze Jahr zubereiten, bei der Weihnachtssorte jedoch wird der Teig dünner und die Mohnschicht dicker gehalten. Andere Mohnspeisen, die zu Weinachten zubereitet werden, sind zum Beispiel Kutia (Weizen mit getrockneten Früchten und Mohn) oder Makielki (Mohnnudeln).

Die Texte stammen von Portal Culture.pl, wo Sie zahlreiche und  aktuelle Informationen über polnische Kultur, Geschichte, Persönlichkeiten und viel mehr finden. 

 

Interview mit Botschafterin Jolanta Róża Kozłowska

zVg

Welche polnischen Weihnachtstraditionen mögen Sie am meisten?

Von allen Weihnachtstagen habe ich den Heiligen Abend am liebsten. In meiner Familie haben wir noch als Kinder immer den Tannenbaum geschmückt. Ich erinnere mich noch gerne an diese Zeit. Das Baumschmücken ist eine meiner Lieblingstraditionen. Was für mich noch die besondere Weihnachtsstimmung erzeugt sind die Weihnachtslieder. Ich singe immer sehr gerne. Etwas Besonderes hat auch der Besuch der Christmette.

Was ist Ihre Lieblingsweihnachtsspeise?

Hier habe ich zwei Favoriten - der Borschtsch mit so genannten „Öhrchen“ (auf Polnisch: "uszka"), also ganz kleinen Teigtaschen mit Pilzfüllung und die Pieroggen mit Sauerkraut und Pilzen. Diese hat meine Mutter immer zu Weihnachten gemacht, bis wir sie irgendwann mit meiner Schwester sie entlasten und selber welche zubereiten wollten. Das war eine Katastrophe! Alles wurde beim Kochen zu einem großem Klumpen, da wir das Ei im Teig vergessen hatten. Die Familie war untröstlich.

Was wünschen Sie sich für die österreichisch-polnischen Beziehungen im Jahr 2018?

Österreich und Polen feiern im Jahr 2018 beide ihr 100. Jubiläum - 1918 wurde die erste Republik gegründet und der polnische Staat ist nach 123 Jahren wiedergeboren worden. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diesen Jahrestag gemeinsam feiern könnten. Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind herzlich und positiv, aber diese können nie gut genug werden, weshalb ich mir für das Jahr 2018 eine weitere Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern, vor allem aber zwischen den Menschen wünschen würde.
Allen Leserinnen und Leser wünsche ich frohe Weihnachten im Kreis der Familie und Freunde und einen guten Rutsch!

Jolanta Róża Kozłowska

Seit 30. September 2017 Botschafterin der Republik Polen in Wien.

Sie studierte Ethnologie, Musikwissenschaften und Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau. Zuvor Konsulin und Generalkonsulin der Republik Polen in München und Köln, sowie Kulturmanagerin bei unterschiedlichen Initiativen in Polen, darunter des Beethoven-Oster-Festivals in Krakau und Warschau.